game-Verband: Maßnahmen für einen modernen Jugendschutz in Deutschland
veröffentlicht von Martin Lorber am 12. Dezember 2019

game-Verband: Maßnahmen für einen modernen Jugendschutz in Deutschland

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Letzten Freitag hat der game-Verband sieben Maßnahmen für die Modernisierung des Jugendmedienschutzes in Deutschland vorgestellt. Den Anlass dazu bot die Bekanntgabe des Bundesfamilienministeriums, den Entwurf für das entsprechende Jugendmedienschutzgesetz in die sogenannte Ressortabstimmung gegeben zu haben.

Jugendmedienschutz: Die deutsche Games-Branche beweist Eigeninitiative

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass das Bundesfamilienministerium noch in diesem Jahr einen ersten Entwurf fertig gestellt hat. Aus Sicht des games-Verbands braucht Deutschland einen modernen, konvergenten und international anschlussfähigen Jugendschutz. Die Games-Branche kann hier sicherlich als Vorbild dienen: Mit technischen Jugendschutzsystemen oder dem Einstufungssystem der International Age Rating Coalition hat die Branche Eigeninitiative bewiesen. Für Eltern, die ihre Kinder nicht gänzlich schutzlos in die weite digitale Welt entlassen möchten, gibt es wirkungsvolle Methoden um die schlimmsten Auswüchse des Internets abzuwehren. Eines dieser Programme bietet beispielsweise der gemeinnützige Verein JusProg e.V. an, bei dem auch ich im Vorstand sitze.

Aus Sicht des game sind folgende sieben Maßnahmen für einen modernen Jugendschutz in Deutschland notwendig:

  • Bei allen gesetzlichen Überlegungen muss im Mittelpunkt stehen, dass die Regelungen sowohl direkt bei Kindern und Jugendlichen ankommen als auch für Anbieter sinnvoll umsetzbar sind. Viel zu häufig geht es in der Jugendschutz-Diskussion um Kompetenz- und Zuständigkeitsfragen, die für die Nutzerinnen und Nutzer irrelevant sind.
  • Die Vermittlung von Medienkompetenz muss eine entscheidende Rolle im Jugendschutz einnehmen. Nur damit können Kinder und Jugendliche eine Mediensouveränität erlangen, die den besten Jugendschutz ermöglicht. Hier braucht es konkrete Maßnahmen des Gesetzgebers.
  • Die Kompetenzen zwischen dem Bund und den Ländern müssen sowohl gesetzlich als auch in seinen Aufsichtsinstitutionen klar aufgeteilt werden. Unterschiedliche Systeme wie bisher, die zwischen den Verbreitungswegen auf Datenträger und übers Internet unterscheiden, sind nicht nachvollziehbar und zielführend.
  • Der Jugendschutz muss für alle Mediengattungen gleich geregelt werden, um transparent und verständlich zu sein. Nur dann wird das Jugendschutzsystem akzeptiert und kann größere Wirkung entfalten.
  • Das Jugendschutz-System in Deutschland muss entschlackt werden. Es braucht weniger Aufsichtsbehörden, nicht mehr! Ein System an dem zusätzlich zur bereits bestehenden Aufsicht der Länder unter anderem durch die Kommission für Jugendmedienschutz zusätzlich noch weitere Bundesbehörden für den Online-Bereich zuständig sein sollen, ist nicht zielführend.
  • Das bewährte und funktionierende System der Selbstkontrollen muss in einer Form gestärkt werden, dass angesichts der rasend schnellen technischen Entwicklungen genug Flexibilität für die praxistaugliche Ausgestaltung bleibt. Nur so kann ein effektiver und zeitgemäßer Jugendschutz angesichts der dynamischen Entwicklungen der Medien sichergestellt werden
  • Moderne und erprobte Ansätze wie Deskriptoren für Alterskennzeichen oder technische Jugendschutzsysteme sollten gefördert und ausgebaut werden, anstatt die gelernten Alterskennzeichen zu überladen.

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