USK
veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2018

USK: Erstes Spiel mit Hakenkreuzen bekommt Altersfreigabe

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Keine Woche ist es her, dass die USK bekannt gab, bei ihren Altersfreigaben von Spielen künftig die Sozialadäquanz zu berücksichtigen. Was sich für den Uneingeweihten recht unspektakulär liest, ist in seiner Bedeutung jedoch kaum zu unterschätzen. Erlaubt es doch in Zukunft, bisher strikt verbotene Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach § 86 a StGB, wie beispielsweise Hakenkreuze, unter bestimmten Umständen in Spielen zu zeigen. Der Entwickler Paintbucket Games reichte nun zur gamescom mit der Demo zu „Through the Darkest of Times“ ein erstes Spiel, welches Hakenkreuze zeigt, bei der USK ein.

Erste Alterskennzeichnung für Spiel mit Hakenkreuzen

„Through the Darkest of Times“ wurde nicht nur eingereicht, sondern umgehend von der USK mit der Altersfreigabe „ab 12“ Jahren gekennzeichnet. Die Darstellung der Kennzeichen im Kontext des Spieles erfüllte aus Sicht des unabhängigen USK-Prüfgremiums die Kriterien der Sozialadäquanz aufgrund der klaren Gegnerschaft zum NS-Regime, die das Spiel vermittelt. Darüber hinaus wurde kein Beeinträchtigungspotenzial für die Altersgruppe ab 12 Jahren gesehen.

Weiterhin begründete die USK ihre Entscheidung folgendermaßen: Alle Handlungsoptionen im Spiel richten sich klar gegen das NS-Regime. Das USK-Gremium sah die Sozialadäquanz sowohl in der eindeutigen Gegnerschaft zum Regime, als auch darin begründet, dass die verwendeten Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen der Beschreibung von Vorgängen des Zeitgeschehens dienen. Die Kennzeichen werden zudem eindeutig im historischen Kontext verortet und eine Verharmlosung oder Verherrlichung des Nationalsozialismus ist in keiner Weise zu erkennen. 12-Jährige verfügen über das nötige Kontextwissen, um die Geschehnisse im Spiel richtig einordnen zu können, weswegen für diese Altersgruppe kein Beeinträchtigungspotenzial von der gamescom-Demo ausgeht. Darüber hinaus werden von 12-Jährigen die klaren ethischen und moralischen Botschaften des Spieles durchschaut.

Gleichstellung digitaler Spiele mit anderen Medien

Hintergrund der Änderung für digitale Spiele ist eine veränderte Rechtsauffassung der zuständigen obersten Landesjugendbehörde auf Grundlage aktueller rechtlicher Bewertungen. Die Geschichte der Debatte, Hintergründe und Einordnungen zu dem Thema Sozialadäquanz in Spielen gibt es hier nachzulesen: Hakenkreuze in Spielen: Historische Wende in der Debatte.

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