2014 besuchten rund 335.000 Menschen aller Altersklassen die gamescom. Für den Jugendschutz sorgt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Quelle: gamescom
veröffentlicht von Martin Lorber am 02. Februar 2011

Muss ein strenges Jugendschutzsystem kompliziert sein?

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Das Jugendschutzsystem in Deutschland gehört sicherlich zu den strengsten weltweit. Das ist ja auch gut begründet, schließlich muss der Staat bei uns qua Verfassung gewährleisten, dass sich Kinder und Jugendliche zu selbstbestimmten und verantwortungsbewussten Menschen entwickeln können. Ein wesentliches Instrument im Bereich der Computer- und Videospiele sind die Alterskennzeichen der USK, die der Staat vergibt und die ja nicht nur unverbindliche Hinweise sind, sondern beispielsweise für den Handel gesetzlich bindend sind.

Strenger als in anderen Ländern ist der Jugendmedienschutz in Deutschland also in Bezug auf die rechtlichen Konsequenzen der Alterskennzeichen, aber im Grunde nicht in Bezug auf die Bewertung an sich. Ein Vergleich von PEGI- und USK-Alterseinstufungen zeigt, dass die Bewertungen im Schnitt nicht weit auseinanderliegen.

Dass der Jugendschutz in Deutschland streng ist und sein soll, wird von kaum jemand in Frage gestellt. Aber muss er auch kompliziert sein?

Betrachtet man den Prozess, in dem diese Einschätzungen durch die Gremien der USK vorgenommen werden und versucht einmal alle theoretisch möglichen Verfahrenswege mit ihren Zeiträumen und Fristen grafisch darzustellen, so zeigt sich eindrucksvoll, wie kompliziert dieses Verfahren ist (und das obwohl das Verfahren unlängst vereinfacht wurde!).


Der illustrierte USK-Ablauf
(PDF zum Download)

58 Tage kann es maximal dauern, bis ein finales Kennzeichen erteilt wird. Das ist in der heutigen schnelllebigen Medienkultur eine Ewigkeit und kann über den Erfolg oder Misserfolg eines Spiels entscheiden. Unweigerlich stellt sich dabei also die Frage, ob nicht auch ein einfacherer Prozess zu dem gleichen Ziel führen kann. Auf dem Weg zu einem vereinfachten und zukunftsfähigeren Kennzeichnungssystem wäre aus meiner Sicht zunächst eine gesetzliche Vereinheitlichung der Regelungen für „On- und Offline-Spiele“ notwendig. Dies würde dann jedoch bedeuten, dass mittelfristig auch über die Implementierung eines Selbstklassifizierungssystems sowohl für „On- als auch Offline-Spiele“ nachgedacht werden muss. Um die Zukunftsfähigkeit des Jugendmedienschutzes in Deutschland zu gewährleisten, brauchen wir ein einheitliches System, das der medialen Wirklichkeit entspricht. Dabei geht es nicht um eine Lockerung der jugendschutzrechtlichen Bestimmungen, sondern lediglich um eine Vereinfachung des Prozesses zur Erfüllung dieser. Meiner Meinung nach liefert das in diesem Blog schon mehrfach vorgestellte neue Selbstklassifizierungstool der USK da für die Spiele-Industrie eine wertvolle Grundlage.

Web: Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, Jahresbilanz 2010 (www.usk.de)

Web: USK reformiert Prüfverfahren für Computerspiele (www.usk.de)

Blog: Paradigmenwechsel im Jugendschutz (spielkultur.ea.com)

Download: Der illustrierte USK-Ablauf (PDF, spielkultur.ea.com)

Kommentare
  1. Sebastian sagt:

    Ich halte nicht nur die „Strenge“, sondern auch den Informationsgehalt von Kennzeichen für wichtig. Bei der USK bzw. auf Seiten des Gesetzgebers gab es die Bestrebung, die Kennzeichen immer größer zu machen, was unsicheren Eltern genau genommen keine wirkliche Hilfestellung ist. Ich halte da die inhaltlichen Kennzeichen der PEGI für wesentlich sinnvoller. Wie liegen eigentlich hier die Erfahrungswerte zur Verfahrenskomplexität bzw. -dauer?

    Den Seitenhieb auf das Grundgesetz sollte man allerdings auch kritisch hinterfragen, nämlich im Hinblick auf die BPjM. Gerade in Kombination mit einem verpflichtenden Klassifizierungs-System bricht die BPjM jene Grundgesetz-Passage, auf welcher sie von vielen Politikern begründet wird. Einerseits wird argumentiert, die Behörde gewährleiste die freie Entfaltung von Kindern und Jugendlichen, im gleichen Zuge verwehrt sie diese Möglichkeit aber Erwachsenen. Aus meiner Sicht eine äußerst selektive Auslegung des Grundgesetzes.

  2. Martin sagt:

    Hallo Herr Kreutz, als Unternehmen unterstützen wir natürlich den geltenden Jugendschutz in Deutschland und auch die USK als Institution. Wir stehen hinter dem System und beteiligen uns aktiv daran, dieses weiterzuentwickeln. Im Rahmen dieser Weiterentwicklung halten wir generell ein Selbstklassifizierungssystem von Computer- und Videospielen im Umfeld eines sich immer schneller entwickelnden Marktes für dringend notwendig. Daher und aus Gründen der Vereinfachung des Verfahrens setzen wir uns für die Etablierung des europäischen PEGI-Systems in Deutschland ein. Auch finden wir, dass inhaltlichen Kennzeichen von PEGI den Eltern wichtige Informationen geben. Die Verfahrensdauer bei dem PEGI-System ist wesentlich kürzer und das System bedeutend einfacher.

  3. Martin sagt:

    ja das finde ich man sollte mehr für den jugendschutz machen mehr grenzen setzten klingt einfach muss aber mal getan werden! da ich als erwachsender keine lust habe mir die spiele zerschnippeln zu lassen !!!!man sollte ein gerät entwickeln dass! per usb an jedes x bilibige gerät console angeschlossen werden kann!! das ist dann der kontroll michanismus der dann mit den neuen personalausweißen kontrolieren kann das man 18 jahre alt ist und somit zugrff auf 18 er titel hat!!!! ganz einfach !!!! somit wird es definitiv den „kindern jugendlichen schwerer gemacht spielen zu können was sie wollen und bing !!!!!!!! dann kann man die sache mit den inhalten in spielen als nächstes angehen von wegen das ist zu brutal ect. darf nicht in spielen vorkommen, weil es sinnlos ist ein „virtuellen menschen “ auf brutale art und weise zu töten!!!! denn ich bin ja nicht umsonst 18 damals vor 4 jahren geworden damit man mir immernoch sagt was ich in spielen sehen darf und was nicht !also wenn dann ein spieler ein spiel ab 18 in die x box schmeißt und kein personalausweiß im gewissen“kontroll gerät“ xD hat ! wird er das spiel nicht spielen können auch wenn er es von verantwortunglosen mütternvätern oder verkäufern bekommen hat!!!! das wäre die einzige LÖSUNG überhaupt die man noch machen könnte damit wir eben als erwachsenen noch mehr spielspass haben können und ihr als spiele entwickler euch auch austoben könnt und mal richtig geile spiele macht da werden sich die kinder jugendlichen zwar heftig gegen wehren wollen aber das interressiert mich nicht wirklich ; )denn ich habe schon erlebt wie kleine kinder mit jahren von 9 das spiel „call of duty world @ war , gespielt haben und aggressive sprüche gegeben haben und das ist nicht lustig , also wenn man das gemacht hat lohnt es sich mal wieder spiele ab 18 zu holen weil man weiß jetzt ist es nicht geschnitten bzw nicht indiziert was mir eh immer am besten kommt xD fazit also : gerät enwickeln das das spielen von 18 er titeln mit hilfe von personal ausweißen zulässt ! bitte um rück antwort bitte mfg „MOCKES“ xbox 360 gamer steam user für ein besseres miteinander ! ; )

  4. Pierre sagt:

    Der Kommentar von Herrn Hajdukiewicz ist zwar schön und gut, hat aber mit dem eigentlichen Prüfverfahren wenig zu tun. Das Kontrollgerät ist für mich keine Lösung. Für mich ist das Schlüsselwort die Medienkompetenz, gerade was den Jugendschutz betrifft. Eigentlich könnte man nämlich auf die Verpackung schreiben was man will, solange wir den Eltern nicht konsequent beibringen was die Kennzeichen bedeuten, bringt auch das „rötlichste“ und größte 18er Siegel nichts.

    Neulich habe ich im Saturn eine ältere Dame angetroffen, die in der Unterhaltungselektronik-Abteilung umherirrte auf der Suche nach einem passenden Spiel für ihren 13-Jährigen Sohn. Und ratet mal was sie in der Hand hatte? Richtig Dead Space 2, das gerade nicht so gut für Kinder unter 18 Jahren geeignet ist. Ihr wisst warum =). Ich habe erstmal ein wenig Aufklärungsarbeit leisten müssen (Scheinbar sehe ich aus wie ein typischer Gamer =) und schließlich hat Sie sich dann für FIFA 11 entschieden, weil Fußball ja nicht das schlechteste ist, um entspannt den Tag ausklingen zu lassen.

    Beim Streitpunkt PEGI gegen USK bin ich ebenfalls für das PEGI-System, da es einfach deutlich transparenter und spezifischer im Alltag ist. Jedoch sehe ich die Gefahr des Missbrauchs auf Hersteller-Seite. (Was ich natürlich nicht unterstellen möchte).

  5. Martin sagt:

    Hallo Herr Friedrichsmeier,

    danke für Ihren Kommentar. Sie haben meiner Meinung nach völlig Recht: Medienkompetenz und Aufklärung sind sehr wichtige Punkte, die auch EA immer wieder forciert.

    Das PEGI-System gibt hier durch die Symbole noch detaillierte Informationen zu den einzelnen Elementen im Spiel. Ein Missbrauch des Systems auf Herstellerseite ist übrigens nicht möglich, jede Einstufung wird von Experten geprüft. Außerdem haben Verbraucher jederzeit die Möglichkeit, Beschwerden gegen Einstufungen einzureichen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Martin Lorber

    1. Pierre sagt:

      Hallo Herr Lorber,

      Vielen Dank für die Erläuterung! Eine Frage bleibt bei mir aber offen: Wer sind diese sogenannten „Experten“ ? Medien-Vertreter? Pädagogen? Spieler? USK-Vertreter?

      Eine andere Frage beschäftigt mich auch: Wieso hält Deutschland so lange am USK-Verfahren fest? Weil es momentan im Gegensatz zu PEGI verbindlich ist? Mangelnde Medienkompetenz unter den Politikern ? Politischer Aktionismus?

      Vielen Dank

  6. Martin sagt:

    Hallo Herr Friedrichsmeier,

    gerne versuche ich Ihre beiden Fragen zu beantworten:

    1. Wer kontrolliert die Alters-Einstufungen im PEGI-System?

    Das niederländische Institut zur Klassifizierung audiovisueller Medien (NICAM) und der britische Rat für Videostandards (VSC) sind mit der Prüfung und Verwaltung des Systems beauftragt. Mehr Details dazu finden Sie auch auf der Webseite der PEGI: http://www.pegi.info/de/index/id/47#question_5. Das System funktioniert folgendermaßen: „Anfangs füllt der Publisher ein Online-Anmeldeformular aus und sendet dies zum Systemadministrator. Dieses Formular wird dann geprüft und als Basis für die Überprüfung des Inhalts des jeweiligen Spiels verwendet. Der besondere Vorteil am PEGI-System liegt darin, dass die Publisher selbst Informationen zum Inhalt der Spiele abgeben, da nur sie wirklich einen Überblick über den gesamten Spielinhalt haben können. Dies erlaubt es den Administratoren, sich auf die Stellen oder Aspekte eines Spiels zu konzentrieren, die aller Wahrscheinlichkeit nach für die Einstufung am relevantesten sind. Diese Vorgehensweise ist effizienter und zuverlässiger, als wenn die Administratoren jedes Spiel von Anfang bis Ende durchspielen würden (selbst wenn dies zeitlich realisierbar wäre).“ (http://www.pegi.info/de/index/id/47#question_1).

    2. Wieso hält Deutschland so lange am USK-Verfahren fest?

    Es musste in Deutschland zunächst einmal ein Paradigmenwechsel stattfinden, denn man war bislang der Meinung, dass man Computerspiele (und auch Filme) hinsichtlich ihrer möglichen Jugendbeeinträchtigung nicht mit einer Art Fragebogen erfassen kann, sondern nur mit einem Gutachterverfahren. Das hat sich inzwischen gewandelt (siehe hier: https://spielkultur.ea.de/kategorien/jugendschutz/paradigmenwechsel-im-jugendschutz-%e2%80%93-jugendmedienschutz-staatsvertrag-ermoglicht-selbstklassifizierung). Da der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, in dessen Rahmen die Selbstklassifizierung zunächst für online vertriebene Spiele eingeführt werden sollte, gescheitert ist, gibt es bislang immer noch kein gesetzlich sanktioniertes System. Wir sind aber auf einem guten Weg, denn man hat in der Politik verstanden, dass die Selbstklassifizierung ein zukunftsweisender Weg ist, ohne den Jugendschutz aufzuweichen. Ob die Alterseinstufungen verbindlich sind (wie in Deutschland) oder nur Hinweischarakter haben, hat mit dem System, wie man zu der Einschätzung kommt, erst einmal nichts zu tun.

    Mit besten Grüßen

    Martin Lorber

  7. Pierre sagt:

    Danke für die Beantwortung der Fragen Hr. Lorber! Ein wunderbarer Blog!

  8. muki sagt:

    Mich würde noch folgender Punkt interessieren. Wenn Electronic Arts auf ihrer deutschen YouTube Seite Trailer veröffentlicht, ist man als Blogger oder Webseitenbetreiber auf der sicheren Seite was den Jugendschutz angeht, wenn man das Video auf seiner Seite einbindet? Die selbe Frage bezieht sich dann natürlich auch auf die deutsche Webseite von EA. Über eine Antwort würde ich mich freuen.

  9. Martin sagt:

    Da das deutsche (Jugendschutz-)Recht ja wie gesagt kompliziert ist, würde ich lieber in der direkten Kommunikation antworten. Können Sie mir eine E-Mail an mlorber@ea.com senden?

    Beste Grüße
    Martin Lorber

  10. OTTI sagt:

    Gibt den Jugendlichen mal mehr kostenlose möglichkeiten Draußen was zu unternehmen !!! wie zum Beispiel: öffentliche Basketball plätze vernünftige fußball plätze und verbietet nicht alles!! ist doch eure eigene schuld wenn kinder nicht5 mal am see einfach so angeln dürfen. was erwrten sie eigentlich was man dan tut die setzen sich vorm pc und spielen halt spiele ab 18 oder filme !!! statt euch auf diesen gesetze zu kümmern bietet den jugendlich mal was an das mal nix kostet !!! und ihr wundert euch noch warum keiner hier in deutschland kinder haben will.

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