Games in Japan
veröffentlicht von Martin Lorber am 12. Dezember 2017

Gamesbranche in Japan

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Die japanische Gamesbranche übt seit jeher eine besondere Faszination aus. Mit innovativen Konzepten erzeugte sie in den vergangenen Jahrzehnten einen unverwechselbaren Stil. Japanische Entwickler erschufen viele ikonische Charaktere, die sich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt haben und abseits der Gaming-Community bekannt sind. So erkennt jeder den italienischen Klempner mit der roten Mütze und seinem markanten Schnauzbart oder den blauen Igel mit roten Turnschuhen. Ikonische Konsolen, wie das Sega Mega Drive oder der Gameboy, wurden jahrzehntelang in Japan entwickelt.

Gamesbranche in Japan

Während digitale Spiele in Deutschland zu Beginn kritisch beäugt wurden, genießen Videospiele in Japan seit jeher großes Ansehen. Größen der Branche, darunter Firmen wie Nintendo, mit den Visionären Shigeru Miyamoto und Hiroshi Yamauchi, sowie Sega, Taito, Namco, Capcom, Square Enix und Konami, fanden hier einen prosperierenden Heimatmarkt vor und expandierten später weltweit. In der Anfangszeit der digitalen Spiele konzentrierten sich die japanischen Videospielfirmen auf die Produktion von Arcade-Spielen für Spielhallen. Japan wurde zu einem weltweiten Exporteur von Arcade-Spielen.

Die ersten japanischen Arcade-Videospiele wurden 1973 veröffentlicht und bestanden vor allem aus Klonen von Pong die von Taito und Sega produziert wurden. Mit der 1978 erschienenen Arcade-Version von Space Invaders begann der Siegeszug der Videospiele in Japan. Bis zum Ende desselben Jahres hatte Taito mit ihren Arcade-Automaten in Japan insgesamt 600 Millionen Dollar verdient.

Heimkonsolen aus Japan erobern die Welt

1983 startete mit dem Famicom in Japan der Siegeszug der Heimkonsolen, während es zur gleichen Zeit in den USA zu einem Games-Crash, ausgelöst durch ein Überangebot von Produkten minderer Qualität, kam. Deshalb wartete Nintendo zwei Jahre, bevor der Famicom in Amerika als Nintendo Entertainment System (NES) veröffentlicht wurde. Unter diesem Namen eroberte die Konsole in den Folgejahren den Weltmarkt und machte Japan zum dominierenden Land der Videospielindustrie. Eine Dominanz, die dank der Konsolen von Nintendo, Sega und Sony fast zwei Jahrzehnte andauerte.

In den frühen 2000er Jahren machte die japanische Videospielindustrie etwa 50% des Weltmarkts im Bereich Console-Gaming aus. Während dieser Anteil nicht zuletzt dank der Konkurrenz der Xbox und erstarkter Konkurrenz anderer Länder auf rund 10% geschrumpft ist, erlangten Mobile-Games eine immense Popularität. Heute ist Japan der weltweit größte Markt für mobile Spiele. 2016 wurde mit Mobile-Gaming mehr als 6,5 Milliarden Dollar erwirtschafteten, während der traditionelle Konsolenmarkt des Landes heutzutage weitgehend von Handhelds dominiert wird. In jüngster Zeit lässt sich eine mögliche Trendwende beobachten. Im ersten Halbjahr diesen Jahres konnte ein Umsatz von 1,189 Milliarden Euro erzielt werden, was einem Wachstum von 14,8 Prozent entspricht. Aufgrund des Erfolgs der PlayStation 4 und der Nintendo Switch scheint es so, dass sich der klassische Konsolenmarkt in Japan erholt.

Wichtige Japanische Entwickler und Publisher

Die Pioniere der Anfangszeit befinden sich nach wie vor unter den aktiven Herstellern. Namco Bandai, deren unternehmerische Wurzeln bis in die 1950er Jahre zurückreichen und die vor allem für Videospiele aus dem Beat’em up Genre wie „Tekken“ bekannt sind, Capcom mit einer ganzen Reihe von Franchises wie Resident Evil, Mega Man und Street Fighter, Konami und Square Enix die für ihre Konsolen-Rollenspiele bekannt sind und natürlich Nintendo. Aber auch in der jüngeren Vergangenheit haben sich neue erfolgreiche Unternehmen in Japan gegründet die die Spielebranche bereits nachhaltig geprägt haben. Wie beispielsweise Platinum Games, die sich mit schnellen Hack and Slay Games wie Bayonetta und Vanquish in interessanten Welten einen Namen gemacht haben, oder From Software, die mit der weltweit erfolgreichen Souls-Reihe quasi ein neues Genre erfanden.

Tokyo Game Show

Einmal im Jahr treffen sich die Vertreter der Branche auf der Tokyo Game Show (TGS). Die auch 2017 durchschnittlich 250.000 Besucher verzeichnen konnte. Zusammen mit der gamescom in Köln und der E3 in Los Angeles zählt sie zu den größten Messen der Videospielbranche. Trotz ihrer Größe wird die Messe von Nintendo häufig nicht besucht, sondern Führungskräfte des Unternehmens nutzen TGS für Keynotes, wie beispielsweise der inzwischen verstorbene Nintendo-Chef Satoru Iwata der 2005 im Vorfeld der Messe den innovativen Controller der Wii-Konsole enthüllte. Traditionell zeigen die japanischen Spieleunternehmen vor allem Games, die zeitlich kurz nach der Messe, oder bis Ende des Jahres erscheinen werden und Fachleuten und Presse schon lange bekannt sind.

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