Was ist Game Art? - Eine Definition der Computerspielkunst
veröffentlicht von Martin Lorber am 03. März 2019

Game Art: Kunst und digitale Spiele

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Zwischen Kunst und digitalen Spielen besteht eine interessante Verbindung, sie bereichern sich gegenseitig. Einerseits sind viele digitale Spiele von diversen künstlerischen Stilen beeinflusst, wie beispielsweise das Mobile Game Monument Valley von Grafiken des Niederländers M.C. Escher oder das japanische Konsolenspiel Ico von Werken des italienischen Künstler Giorgio de Chirico. Andererseits setzen sich schon seit Mitte der 1990er-Jahre Künstler intensiv mit dem Medium digitales Spiel auseinander. Diese Form des Kunstschaffens wird später in kultur- und kunstwissenschaftlichen Kreisen Game Art genannt, im deutschsprachigen Raum wird sie auch manchmal als Computerspielkunst bezeichnet.  Dabei dient das digitale Spiel Künstlern als Werkzeug, Material oder Inspiration, manchmal auch als inhaltlicher Gegenstand ihrer bildenden Kunst. In den meisten Fällen verliert es dabei seine eigentliche Funktion – es wird unspielbar.

Was ist Game Art? – Eine Definition der Computerspielkunst

Viele Künstler verwenden das digitale Spiel als Ausgangsmaterial, um das Medium an sich kritisch zu reflektieren. Man folgt damit einer Tradition, die schon beim Futurismus, Dadaismus und der Fluxus-Bewegung ihren Ausdruck fand. Das Spiel wird als kulturelles und künstlerisches Artefakt wahrgenommen: Kunst öffnet sich mit Game Art erneut zu einem spielerischen Handlungsraum. Viele Kunstwerke dieser Art sind deshalb digital, in Form modifizierter digitaler Spiele oder analog in Gestalt von Bildern, Plastiken oder Installationen. Geprägt wurde der Begriff Game Art von dem Journalisten Matteo Bittanti:

„Game Art is any art in which digital games played a significant role in the creation, production, and/or display of the artwork. The resulting artwork can exist as a game, painting, photograph, sound, animation, video, performance or gallery installation.“ (Bittanti, Matteo; Quaranta, Domenico (Hrsg.): Gamescenes. Art in the age of Videogames, 2006.)

Das Beitragsbild zeigt übrigens das Werk “Die Raummaschine 6” des Schweizer Malers und Medienkünstlers Matthias Zimmermann, welches im Computermuseum der Fachhochschule Kiel zu besichtigen ist.

Game Art Ausstellungen: Digitale Spiele als Kunstwerke

Die Auseinandersetzung mit Computer- und Videospielen  in der bildenden Kunst führt dazu, dass Museen und Kuratoren eigens für die technisch-mediale Ausrichtung dieser Kunstform neue Ausstellungsansätze entwickeln. Die Technik der Virtual Reality ist dabei eins der großen Themen, welches erfolgreich Kunst und digitales Spiel miteinander verbindet. Als eines der ersten Ausstellungshäuser weltweit, weihte das NRW-Forum in Düsseldorf 2017 mit der Ausstellung „Unreal“ einen virtuellen Erweiterungsbau ein. Dort präsentiert man mithilfe der VR-Technik Gruppen- und Einzelausstellungen.

Etwas traditioneller geht es im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe zu. Dort stellt man ausgewählte Game-Art-Werke im physischen Raum aus. Die Dauerausstellung „GamePlay“ zeigt die strukturellen Gemeinsamkeiten von Kunst und Spiel, indem es interaktive Medienkunst, wie die PainStation der Kölner Künstlergruppe //////////fur////, und Art- und Indie-Spiele wie Journey oder No Man’s Sky einander gegenüber stellt. So werden ganz eigene, interessante und ästhetische Erfahrungen geschaffen.

Wer sich über die kulturgeschichtliche Seite des digitalen Spiels informieren möchte, wird im Computerspielemuseum in Berlin fündig. 1997 wurde das Museum als weltweit erste ständige Ausstellung zur digitalen interaktiven Unterhaltungskultur eröffnet und begleitet seither – neben der eigenen Dauerausstellung mit über 300 Exponaten – eine Vielzahl nationaler wie auch internationaler Ausstellungen. Ziel ist es, das Verständnis von digitalen interaktiven Unterhaltungsmedien zu vertiefen und so die Medienkompetenz zu erhöhen sowie die Kultur und Geschichte von digitalen Spielen einem breiten Publikum zu vermitteln.

Kunst und Spiele: Game Art als spannende Dimension digitaler Spielkultur

Als ein digitales Medium lebt Game Art aber hauptsächlich von seiner Virtualität. Neben den zahlreichen Ausstellungsmöglichkeiten im Museum beziehungsweise im öffentlichen Raum besteht die Möglichkeit, einen Teil der Werke über das Internet zu präsentieren. Ich habe mich zuvor schon mit Musik sowie Storytelling im digitalen Spiel beschäftigt und möchte mich nun einer weiteren Dimension digitaler Spielkultur widmen. Deswegen werde ich in den kommenden Wochen auf meinem Blog ausgewählte Game-Art-Kunstwerke genauer vorstellen.

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