veröffentlicht von Martin Lorber am 05. Mai 2012

Brauchen wir mehr Kulturpflege für die Kulturwirtschaft?

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Vor drei Wochen fand in Berlin die feierliche Verleihung des deutschen Computerspielpreises statt. Als bestes deutsches Spiel ausgezeichnet: „Crysis 2“. Leider wurde die beachtliche Leistung des Entwicklerstudios Crytek aus Frankfurt am Main beinahe von einer öffentlichen Debatte überschattet, die der kultur- und medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Börnsen bereits im Vorfeld losgetreten hatte. Börnsen kritisierte, dass mit „Crysis 2“ ausgerechnet ein Computerspiel mit einer Altersfreigabe ab 18 nominiert worden sei. Seine Forderung, die Bewertungskriterien zu überdenken und die Jury neu zu besetzen, sorgte auch über den Tag der Preisverleihung hinaus für Furore. In meinen Augen haben die Äußerungen von Wolfgang Börnsen wieder einmal gezeigt, wie leicht sich mit einer eigentlich längst überholten „Killerspiel-Rhetorik“ noch immer vergleichsweise hohe Medienaufmerksamkeit erzeugen lässt. Es wäre wünschenswert, dass die Politiker, die immer noch aus dieser Ecke heraus argumentieren, sich die Bedeutung von Computerspielen endlich bewusst machen, anstatt sie immerzu als anspruchslose „Killerspiele“ abzuwerten. Um es mit den Worten von Sebastian Blumenthal (FDP) zu sagen: „Da waren wir schon einmal weiter!“ Das haben die umgehenden, klarstellenden Reaktionen aus Berlin auch gezeigt (https://spielkultur.ea.de/kategorien/jugendschutz/wieder-killerspieldebatte-bei-nominierungen-zum-deutschen-computerspielpreis).

Tatsächlich sind Computerspiele oftmals nicht nur reine Unterhaltung, denn genau wie andere Kulturgüter spiegeln sie gesellschaftliche Entwicklungen wider. Und, erinnern wir uns: Der Computerspielpreis wurde im Schulterschluss mit Politikern ins Leben gerufen, um diese Tatsache in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Computerspiele sind jedoch nicht nur wertvolle Kulturgüter, sondern auch ein wirtschaftliches Gut. Mit einem Umsatz von fast zwei Milliarden Euro alle im Softwarebereich und einer Wachstumsrate von 3,5 Prozent im Jahr 2011 trägt unsere Branche stark zur Weiterentwicklung der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft bei. Dazu bietet sie circa 10.000 Deutschen einen Arbeitsplatz. Dieser wichtige Beitrag wurde vor kurzem auch durch die Europäische Kommission und dem deutschen Kulturrat gewürdigt. Erfreulicherweise machen sich aber auch Politiker für den Wirtschaftszweig stark: Der SPD-Politiker Lars Klingbeil unterstrich das gewaltige Potenzial der Computerspielindustrie bereits im vergangenen Jahr und forderte mehr staatliche Unterstützung. Gerade in Zeiten von strukturellen wirtschaftlichen Umbrüchen – in Bochum droht derzeit die Schließung eines Opel-Werks – wäre es wünschenswert, wenn solchen wichtigen politischen Impulsen im politischen Tagesgeschäft mehr Beachtung zukäme.

Unsere europäischen Nachbarn machen vor, wie eine entsprechende Unterstützung aussehen kann. In Großbritannien und Italien plant man, die ansässige Computerspielindustrie mit Steuererleichterungen von bis zu 20 Prozent zu fördern. Warum sollte Deutschland mit einem solchen Modell nicht ebenfalls Anreize für Investitionen schaffen? Im Moment bewegen wir uns hierzulande, was Computerspiele angeht, in die richtige Richtung. Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel „Crysis 2“, ein international erfolgreicher Titel „Made in Germany“. Es ist jedoch wichtig, dass der deutsche Standort seine Attraktivität für Spieleentwickler langfristig steigert und gegenüber anderen Ländern wie beispielsweise den USA, Kanada, Frankreich und Japan aufholt. Dazu müssen politische Rahmenbedingungen angepasst und vorhandene Potenziale ausgeschöpft werden. Denn eines ist sicher: Die internationale Konkurrenz schläft nicht.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Wieder Killerspieldebatte bei Nominierungen zum deutschen Computerspielpreis

Blog: Anerkennung für ein wertvolles Kulturgut

Blog: „Le Game“: Eine eigene Marke für Frankreichs Computer- und Videospielindustrie

Web: „Game-Förderung in Deutschland“ in: Lochscheibe

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