Diese Abbildung zeigt ein Kunstwerk von Matthias A. K. Zimmermann, Schweiz. Kontaktdaten über www.matthias-zimmermann.ch". Angaben zum Kunstwerk: „Matthias A. K. Zimmermann, Die Schneekugelstadt einer Lichtvitrine, 2011, FineArtPrint Diasec/AluDibond, 100 x 280 cm, Standort.
veröffentlicht von Martin Lorber am 01. Januar 2020

Buchvorstellung: Kyronium. Die Experimente der Erinnerung von Matthias A. K. Zimmermann

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Sich während der Feiertage in den ruhigen Momenten zurück zu ziehen und in einem Buch zu schmökern, kann schön und entspannend sein. Letztes Jahr wurde ich im Zuge der Recherche für meine Game Art Beitragsreihe auf den Schweizer Künstler Matthias A. K. Zimmermann aufmerksam. Er ist Maler und Medienkünstler. Zimmermanns analoge Kunst thematisiert die oftmals rasante Entwicklung der Technologie, Digitalisierung und die Veränderung der Gesellschaft durch neue Formen der Kommunikation, wie beispielsweise dem Internet. Die sich in der Entwicklung befindliche digitale Gesellschaft begreift er dabei als eine Modellwelt, die durch ihre Strukturen an die virtuellen Räume digitaler Spiele erinnert. Mit Kryonium. Die Experimente der Erinnerung erschien letztes Jahr sein Debütroman, der mir während der Feiertage schöne Lesestunden bot. 

Eine experimentelle Handlung eingebettet in ein technoides Märchen

Der Roman besteht aus drei Teilen mit mehreren Kapiteln. Alles an diesen Roman wirkt zunächst rätselhaft. Auch die Identität der Hauptfigur, dem Erzähler, bleibt für den Leser zunächst ein ungeklärtes Mysterium. Die Verbindung zum Leser ergibt sich aus der eigenen Unkenntnis des Erzählers über seine Identität.  Die Hauptfigur von Kryonium kann sich nämlich nicht an seine eigene Identität erinnern und auch nicht daran, wie er an den seltsamen Ort gelangt ist, an dem die Handlung beginnt. Ein Motiv, das klassischerweise auch gerne in digitalen Spielen verwendet wurde und wird. Eines Tages wacht er in einem Schloss auf, das von einem zugefrorenen See und einem düsteren Wald umgeben ist. Niemand kann, der im Schloss lebt, dieses verlassen – auch weil ein Ungeheuer im See sein Unwesen treibt und die Bewohner in Angst und Schrecken versetzt. Und doch möchte der Erzähler nichts lieber als von diesem Ort zu verschwinden. Schnell wird klar, dass die geplante Flucht eine Flucht aus verschiedenen Realitätsebenen ist. Dies ist auch das zentrale Thema der packenden Romanhandlung. 

Eine digitale Spielwelt in Romanform

Der Leser wird sich im Verlauf der Handlung öfters fragen, was real ist und was Täuschung. Hier schafft der Autor die Verbindung zu den immersiven Welten digitaler Spiele, die während des Spielens stets in Frage stellen, ob es sich hierbei noch um einen virtuellen Raum oder zumindest in Teilen – wie beispielsweise in Mehrspieler-Erlebnissen – um Aspekte der realen Welt handelt. Ganz besonders geschickt stellen dies Virtual Reality Brillen an, die Spieler an neue, digitale Orte versetzen. Für den Erzähler ist es schwierig zwischen echter und fiktionaler Welt zu unterscheiden. Deshalb macht er sich auf die Suche nach der Realität und seinen fehlenden Erinnerungen. Zimmermanns Debütroman beinhaltet das Motiv eines Experiments nicht nur in seinem Titel, sondern es stellt auch einen wichtigen Teil seines Romans dar. Der Leser wird dem Motiv stets durch Wortspiele, Codes und sprachliche Stilmitteln über den Weg laufen. Dies macht den besonderen Reiz von Zimmermanns Debütroman Kryonium aus. Hier treffen Kunst und Literatur in Form von mittelalterlichen Fantasie- sowie digitalisierten Welten aufeinander, die sich mit Themen wie Realität, Erinnerungen, Identität und Digitalisierung auseinandersetzen.

Ich kann Kryonium. Die Experimente der Erinnerung von Matthias A. K. Zimmermann jedem empfehlen, der sich gerne in einen Roman vertieft und sich für digitale Spielwelten interessiert. Die packende, atmosphärische Handlung lässt einen nicht mehr so schnell los und es lohnt sich aufgrund der im Buch behandelten Rätsel und der Frage nach der Realität stets genau zu lesen, um so vielleicht schon zwischen den Zeilen hinter die Fassade blicken zu können. 

„Buchvorstellung: Kyronium. Die Experimente der Erinnerung“ ist im  Kulturverlag Kadmos erschienen.

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