Game Art: Kunst und digitale Spiele
veröffentlicht von Martin Lorber am 04. April 2019

Game Art – Kunst und digitale Spiele: Die Raummaschine von Matthias Zimmermann

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Game Art ist eine facettenreiche Kunstgattung, die in vielen verschiedenen Formen auftreten kann. In meinem letzten Beitrag schrieb ich über die künstlerische Modifikation Super Mario Clouds des Amerikaners Cory Arcangel. Ganz anders verfährt der Schweizer Künstler Matthias Zimmermann mit Computer- und Videospielen als Ausgangsmaterial für seine Kunstwerke.

Game Art: Kunst in Form von Modellwelten

Als Kind der 1980er Jahre ließ sich Matthias Zimmermann von teils analogen, teils digitalen Kunsttechniken für seine Bilder inspirieren. Er gehört  damit einer Generation von Künstlern an, die den Übergang von der analogen in die digitale Welt selbst erlebten und dies im Schaffensprozess ihrer Arbeit reflektieren. Seine Kunst thematisiert die oftmals rasante Entwicklung der Technologie und die Veränderung der Gesellschaft durch neue Formen der Kommunikation, wie beispielsweise das Internet. Die sich in der Entwicklung befindliche digitale Gesellschaft begreift er dabei als eine Modellwelt, die durch ihre Strukturen an die virtuellen Räume digitaler Spiele erinnert. Anders als Cory Arcangel eignet sich Zimmermann selbst kein digitales Spiel an – er zitiert diese vielmehr. Seine Modellwelten bestehen aus Elementen bekannter Computer- und Videospiele, Science-Fiction-Filmen, kunsthistorischen Stilelemente der Gotik sowie technologischen Artefakten wie Steckdosen und Binärcode-Ebenen.

Was ist Game Art? - Eine Definition der Computerspielkunst
Diese Abbildung zeigt ein Kunstwerk von Matthias Zimmermann (Künstler), Schweiz. Kontaktdaten des Künstlers über www.matthias-zimmermann.ch“. Angaben zum Kunstwerk: „Matthias Zimmermann, Die Raummaschine 6, 2013, FineArtPrint Diasec/AluDibond, 100 x 280 cm, Deutsches Spielzeugmuseum, Sonneberg, Deutschland“

Game Art: Spannungsfeld analoger und digitaler Kunsttechniken

Besonders hervorzuheben ist die Arbeitsweise von Matthias Zimmermann. Aus der Zusammenkunft analoger und digitaler Techniken ergibt sich ein Spannungsfeld aus alt und neu. Ein Teil seiner digital konzipierten Bilder druckt er auf Alu-Dibond Platten, die mit Acrylglas versiegelt werden. Andere Werke wiederum entstehen händisch aus Acryl auf Leinwand. Beide Techniken sind durch Ästhetik und Motiv miteinander verbunden. Das Ergebnis sind großformatige Tafelbilder, die konstruierte Computerspielwelten und alle dazugehörigen Prozessebenen präsentieren. Demnach handelt es sich bei den Werken von Zimmermann um sogenannte „doppelte Bilder“: Sie zeigen sowohl die Oberfläche des digitalen Spiels als auch die Entwicklerebene.

Computerspielkunst: Die sechs Ebenen der Raummaschine

Die Bildreihe “Die Raummaschine” von Matthias Zimmermann verbildlicht die Prozesse zur Erzeugung virtueller Welten und Räume und verbindet diese gleichzeitig mit bekannten Spielkonzepten, wie beispielsweise die Raumschiffe aus Spacewar! oder das Schloss aus Super Mario Bros. Die Serie umfasst derzeit acht Werke, die die Zusammenarbeit der Hard- und Software zur Darstellung digitaler Spielbilder zeigt. Alle acht Bilder besitzen denselben Grundaufbau. Die prozesshafte Entstehung der digitalen Spiellandschaften durchläuft dabei sechs Ebenen: Die Ebene der Steckdosen, des Chips und der vernetzten Schaltkreise, die Code- sowie die Binärcodeebene und letztendlich die Spielgrafik. Bei der Darstellung dieses vielschichtigen, komplexen Prozesses zur Generierung digitaler Spielbilder, versucht Zimmermann die grundlegendsten Funktionen hinter den Bildern abzubilden. Das Grundkonzept und die strenge, sich stetig wiederholende Aufteilung der einzelnen Ebenen in den Werken entspricht dabei der pragmatischen Denkweise der Game Designer. Die Arbeitsweisen zur Entstehung der digitalen Spiele werden zur Inspiration für den Künstler und zum inhaltlichen Zitat in seiner Kunst.

Game Art – Kunst und digitale Spiele
Diese Abbildung zeigt ein Kunstwerk von Matthias Zimmermann (Künstler), Schweiz. Kontaktdaten des Künstlers über www.matthias-zimmermann.ch“. Angaben zum Kunstwerk: „Matthias Zimmermann, Die Raummaschine 7, 2013, FineArtPrint Diasec/AluDibond, 100 x 280 cm, Deutsches Spielzeugmuseum, Sonneberg, Deutschland“

Game Art: Die allgegenwärtige Digitalisierung

Wie eingangs erwähnt, setzt sich Zimmermanns Technik aus zwei wichtigen Schritten zusammen: Das analoge Handwerk des Zeichnens und das digitale Arbeiten mithilfe von Computerprogrammen, die auch im Game Design zur Herstellung digitaler Spiele angewendet werden. Dabei lässt sich im zeitlichen Verlauf der Gemäldeserie eine Veränderung feststellen: Während die ersten Bilder noch hauptsächlich analog zustande kamen, zeigt sich in den letzten Arbeiten besonders oft Zimmermanns Talent für Grafikdesign und den Umgang mit 3D-Modellierungsprogrammen. Diese Veränderung in seinem Arbeitsablauf macht die rasche Übernahme der Digitalisierung in alle Bereichen der Kultur und Gesellschaft augenscheinlich; die Digitalität ist allgegenwärtig.

Weitere Informationen zu dem Künstler finden sich auf seiner Homepage.

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