Zuschauer beim einem eSport Event der ESL in Frankfurt © ESL / Adela Sznajder
veröffentlicht von Martin Lorber am 07. Juli 2015

Was ist eSport? Eine Einleitung

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Sechs Tage lang messen sich die Besten der Welt in spannenden Matches. Eintrittskarten kosten zwischen 99 und 199 US-Dollar. Über 20 Mio. Zuschauer bei Live-Übertragungen in über 400 Kinos der USA und per Stream in die ganze Welt. Preisgeld von mehr als 17 Mio. US-Dollar, wovon rund sechs Mio. an die Sieger gehen. Ich spreche nicht über ein großes Tennisturnier, sondern von „The International“ den quasi Weltmeisterschaften für DOTA 2. Diese Zahlen belegen die wachsende weltweite Bedeutung des eSport. Im Folgenden möchte ich allen, die sich noch nicht so mit dem Thema auskennen, einen kleinen Ausflug in diese Welt bieten.

Zuschauer beim einem eSport Event der ESL in Frankfurt © ESL / Adela Sznajder
Zuschauer beim einem eSport Event der ESL in Frankfurt © ESL / Adela Sznajder

 

Ist eSport Sport?

Trotz der wachsenden Bedeutung des eSports, fällt es vielen Menschen noch immer schwer, in eSport einen „richtigen“ Sport zu sehen. eSport wird nur in wenigen Ländern (z. B. Brasilien, China) von etablierten Sportverbänden als Sportart anerkannt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zum Beispiel stuft eSport nicht als Sportart ein. Ob es an tatsächlicher Akzeptanz fehlt oder ob Sorge besteht, dass eSportler aktiven Anspruch auf Sportförderung stellen, kann ich nicht sagen. Dabei ist schon der Sportbegriff an sich ein schwer zu fassender Begriff und vom Zeitgeist abhängig.

Definition von Sport

Die Bedeutung des Begriffs Sport befindet sich über die Jahrzehnte im steten Wandel. Früher stand zum Beispiel eine nichtkommerzielle Tätigkeit im Mittelpunkt. Kaum vorstellbar in Zeiten von Sportkonzernen wie Bayern München oder dem Internationalen Olympischen Komitee. Der Duden spricht bei Sport von einer körperlichen Tätigkeit, die nach bestimmten Regeln aus Freude an Bewegung oder zur körperlichen Ertüchtigung getätigt wird. Eine wirklich klare und einheitliche Definition lässt sich nur schwer finden.

Ein wichtiger Aspekt bei der Definition des DOSB ist, dass die Ausübung der Sportart eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität eines jeden zum Ziel haben muss, der sie betreibt. Interessanterweise gibt der DOSB die Einschränkung gleich mit: „Diese eigenmotorische Aktivität liegt insbesondere nicht vor bei Denkspielen, Bastel- und Modellbautätigkeit, Zucht von Tieren, Dressur von Tieren (…) und Bewältigung technischen Gerätes ohne Einbeziehung der Bewegung des Menschen.“

Definition eSport

Auf die Frage nach einer Definition von eSport halte ich mich immer gerne an eine Begriffsbestimmung, die Jörg Müller-Lietzkow schon 2006 in seinem Aufsatz „Sport im Jahr 2050: E-Sport! Oder: Ist E-Sport Sport?“ in medien + erziehung vorschlug. „Der Begriff eSport (…) bezeichnet das wettbewerbsmäßige Spielen von Computer- oder Videospielen im Einzel- oder Mehrspielermodus. eSport versteht sich entsprechend des klassischen Spielbegriffs und erfordert sowohl Spielkönnen (Hand-Augen-Koordination, Reaktionsschnelligkeit), als auch strategisches und taktisches Verständnis (Spielübersicht, Spielverständnis).“ Eine Definition, die so in meinen Augen auch heute noch sehr gut passt.

eSport als legitime Sportart

So legitim die wissenschaftliche und politische Diskussion um eSport als Sport ist, so unverständlich empfinde ich sie mit Blick auf die Realität. Neben den hervorgerufenen Emotionen und Leidenschaften, beeindrucken insbesondere die Leistungen der Athleten. Ohne tägliches Training und körperliche und mentale Höchstleistungen holt im eSport niemand mehr einen Blumentopf. Der physische Anspruch an eSportler zeigt sich darin, dass Athleten ab Mitte 20 schwerer mithalten. Reaktionsgeschwindigkeit und Schnelligkeit werden dann immer weniger konkurrenzfähig. Eine eigenständige motorische Handlung kann man den Spielern in meinen Augen nicht absprechen.

eSport mit hohem Anspruch an Körper und Geist

Ein guter eSportler muss fit in Körper und Geist sein. Sicherlich fördert eSport nicht unbedingt eine körperliche Fitness im Sinne von Ausdauer und Kondition. Dies steht aber auch bei anerkannten Sportarten wie Darts, Sportschießen, Snooker oder Boule nicht im Vordergrund. Der Faszination gegenüber den erbrachten Leistungen der Sportler tut das keinen Abbruch. Die physische Komponente zeigt sich in schnellen Reflexen und einer großen Geschwindigkeit im Umgang mit Maus und Tastatur. Ein guter Spieler sollte je nach Disziplin schon mit etwa 300 Aktionen pro Minute (APM) aufwarten.

Kognitive Fähigkeiten im eSport

Geistige Fitness hingegen können sicherlich selbst Kritiker des eSports den Athleten nicht absprechen. Im eSport ist höchste Konzentration gefragt. Bei den meisten Spielen geht es so schnell und intensiv zur Sache, dass ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit zur Niederlage führen kann. Eine schnelle Auffassungsgabe und hervorragende visuelle Fähigkeiten lassen die Spieler selbst im größten Gewimmel einer Schlacht bei Starcraft die Übersicht behalten. Nicht umsonst zeigen Studien das Vielspieler in diesen Bereichen deutlich bessere Werte zeigen als Nicht-Spieler.

Muss eSport Sport sein?

In meinen Augen zeigt jeder, der den eSport belächelt, nur seine Unkenntnis der Materie. Die erbrachten Leistungen und die Ansprüche an das Körpergedächtnis der Athleten sind ohne intensives Training nicht zu schaffen. Auf Turnieren herrscht eine sehr kompetitive aber auch freundliche Stimmung. Nicht umsonst begeistern die verschiedensten Disziplinen inzwischen Millionen von Menschen rund um die Welt. Der aktuelle Erfolg von eSport macht ganze Diskussion eigentlich überflüssig. Ist es nicht egal, ob eSport offiziell als Sport anerkannt wird? Schließlich hat eSport schon jetzt eine riesige Zielgruppe, traumhafte Reichweiten und ein stetig wachsendes öffentliches Interesse. Die Realität ist der Diskussion schon lange voraus. Trotzdem kann ich jedem nur empfehlen, sich einmal vorurteilsfrei mit eSport und den erbrachten Leistungen zu befassen. Sie werden erstaunt sein.

In einem weiteren Beitrag befasse ich mich demnächst mit der Entwicklung des kompetetiven Spielens und zeige die wichtigsten Disziplinen des eSports auf.

Kommentare
  1. Philipp Dennenmoser sagt:

    Sehr geehrter Herr Lorber,

    ich habe mit großem Interesse Ihren Artikel „Was ist eSport? Eine Einleitung“ gelesen. Ich selber spiele auch und arbeite gerade im Rahmen einer Hausarbeit an der Universität Tübingen an dem Thema welche sportlichen Komponenten der eSport aufweist.
    Ich würde mich deshalb sehr freuen wenn sie mir bei meiner Recherche über das Thema etwas helfen könnten. Ich bin ebenso wie Sie auf den Artikel von Herrn Müller-Lietzkow gestoßen, kann diesen allerdings in seiner Gänze nirgends finden. Eventuell könnten sie mir sagen wo ich diesen finden kann bzw. wie ich ihn erhalten kann.

    Ihr Artikel hat mir übrigens sehr geholfen, danke dafür!
    Philipp Dennemoser

    1. Hallo Herr Dennenmoser,

      vielen Dank für Ihr Feedback zu meinem Beitrag. Es freut mich, wenn ich Ihnen damit Denkanstöße geben konnte! Der angesprochene Artikel liegt mir leider auch nicht vor, aber vielleicht ist folgende Zeitschrift http://www.merz-zeitschrift.de/?HEFT_ID=80&RECORD_ID=3853 ja über Ihre Uni-Bibliothek zugänglich.

      Empfehlen kann ich Ihnen außerdem Markus Breuer (Hrsg.): E-Sport – Perspektiven aus Wissenschaft und Wirtschaft. Hülsbusch, Glückstadt 2012, zu dem auch ich einen Beitrag Electronic Arts und der E-Sport (gemeinsam mit Thomas Hübner) beisteuern durfte.

      Viel Erfolg bei Ihrer Hausarbeit.

      Mit freundlichen Grüßen

      Martin Lorber

  2. Dein Beitrag gefällt mir sehr gut! Weiter so :)

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