Werbung und Spiele
veröffentlicht von Martin Lorber am 05. Mai 2018

Werbespiele: Computerspiele als Werbung

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Werbung, Werbung Werbung. Gefühlt in fast allen Lebensbereichen und zu jeder Uhrzeit wird man mit Werbebotschaften konfrontiert. Dabei ist die Werbeindustrie stets darum bemüht, Innovationen und neue Medien zu nutzen um die Verbraucher zu erreichen. In den 1990er Jahren erlebten Computerspiele in Form von “Ad-Games” oder Werbespielen einen kleinen Höhepunkt. Unzählige Titel wurden explizit dafür entwickelt, eine Marke, ein Produkt oder ein Unternehmen zu bewerben. Dem kleinen Hype widmete Carsten Scheibe im Jahr 2001 eine Kolumne für stern.de mit der Überschrift “Nur noch Werbespiele?”. Die Spiele scheinen gut angekommen zu sein: Fast die Hälfte aller Berufstätigen, die an einem PC arbeiteten, hatten Anfang der 2000er Werbespiele installiert.

Spiele als Werbemittel

Games als Werbemittel werden von zahlreichen namhaften Unternehmen genutzt.. Auch NGOs und (staatliche) Institutionen nutzen Werbespiele, um ihre Botschaften in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Die Forscher des Bochumer Instituts für angewandte Kommunikationsforschung sahen in Ad-Games 2002 gar ein neues Massenmedium. Das Besondere: Die Trennung von Werbeinhalt und Medienbotschaft muss hier nicht beachtet werden. Anders als bei anderen Werbeformen (bspw. in der Werbeunterbrechung im Fernsehprogramm) beschäftigen sich hier die (potentiellen) Kunden freiwillig und aktiv mit der jeweiligen Werbebotschaft – sie wird also nicht annähernd so lästig wahrgenommen wie beispiele in TV-Spots. Auch wenn Werbespiele nicht mehr ganz so verbreitet sind wie früher, gibt es heute noch Unternehmen, die sich auf die Entwicklung solcher Spiele spezialisiert haben. Die Qualität der Spiele schwankt hier naturgemäß stark, ein paar Games stechen aber so oder so bis heute heraus. Wie immer freue ich mich über Hinweise und Ergänzungen, da ich sicherlich nicht alle Spiele auf dem Schirm habe.

Banken, BiFi und Moorhuhn: Werbespiele jeglicher Art

Die Entwickler „The Art Department“ galten Anfang der 1990er Jahre als Branchenprimus im Bereich der Werbespiele. Eines der bekanntesten und beliebtesten war “BiFi Roll: Action in Hollywood“, ein klassisches Point & Click Adventure, das insbesondere durch seinen besonderen Humor und die satirischen Aspekte begeistern kann und für die bekannte Hartwurst im Teigmantel warb.

Captain Zins” wurde ebenfalls von The Art Department entwickelt. Herausgeber war die Dresdner Bank. Entstanden ist hier ein Spiel, das sichtlich nicht mit Anspielungen auf die Finanzwelt geizt.

Entwickelt von Factor 5 (Die Entwickler von Turrican) veröffentlichte Rauser Advertainment 1990 das Jump & Run “Tony & Friends in Kellogg’s Land” für den Amiga und den PC. Im Fokus: Die von den Kellogg’s-Müslipackungen bekannten Werbefiguren.

Vision” wurde vom Entwickler Ad Games 1992 für die Bausparkasse der Sparkassen (LBS) entwickelt. Als Spieler betritt man hier den Rockefeller Tower, in dem es eine eigene Währung, eigene Gesetze und ein von der Außenwelt unabhängiges Wirtschaftssystem gibt. Dank des vielschichtigen Spieldesigns, der Möglichkeit Jobs zu anzunehmen, um Geld zu verdienen sowie einer Vielzahl an Charakteren mit eigenen Tagesabläufen erinnert “Vision” an ein Rollenspiel.

Auch die bekannten Knax Comics der Sparkasse wurden 1992 in Spieleform gegossen: Für den C64 und und den Amiga erschien dementsprechend “Das Knax-Computerspiel”.

Der Süßwarenproduzent August Storck ließ 1992 von Ad Games ein Spiel produzieren, um seine Toffifee zu bewerben. Heraus kam “Fantasy Forest”, ein genre-typisches Jump & Run.

Auch McDonald’s ließ sich nicht lumpen: 1992 erschien „M.C. Kids“ für das NES, entwickelt und herausgegeben von Virgin Interactive.

1993 wurde das 7 Up-Maskottchen durch Virgin Interactive ebenfalls in einem eigenen Videospiel für die SNES und Megadrive / Genesis – Systeme zum Spielehelden gemacht. “Cool Spot” ist ein klassisches Jump & Run.

1994 überraschte das Bundesministerium des Innern mit dem von Art Department entwickelten Spiel “Dunkle Schatten”, das sich mit dem Thema Rechtsradikalismus auseinandersetzt. Politische Bildung und ein ernstes Thema wurden hier recht klug in ein gleichermaßen unterhaltsames wie realistisches Computerspiel verpackt.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat brachte in Zusammenarbeit mit der BC Verlag- und Medien- GmbH 1994 das Spiel “Dig-Dogs: Streetbusters” auf den Markt. Das Ziel: Möglichst sicher zum Parkplatz kommen, Verstöße gegen die Verkehrsregeln werden natürlich bestraft.

Klar, das “Moorhuhn” dürfte hierzulande wohl die bekannteste Figur aus einem Werbespiel sein. Das Computerspiel aus dem Jahr 1998 wurde im Auftrag von Phenomedia durch das niederländische Unternehmen Witan entwickelt. Und zwar als Werbespiel für die Whisky-Marke Johnnie Walker. Das Moorhuhn wurde in Folge dessen so populär, dass nicht nur weitere Spiele, ein Comic sowie zahlreiche Merchandise-Artikel produziert wurden, sondern sogar eine Zeichentrickserie. Es entstand eine eigene Marke.

Nicht ganz so gut angenommen wurde dagegen das Browser-Spiel “Aufbruch Bayern”, das die Bayerische Staatskanzlei 2012 für über 100.000 Euro in Auftrag gab.

Eines der kontrovers diskutiertesten Werbespiele ist wahrscheinlich “America’s Army”. Das US-Militär bietet unter diesem Namen seit 2002 einen kostenlosen Taktik-Shooter an. In diesem lassen sich Kampfabläufe in einer virtuellen Spielumgebung trainieren. Wer sich in den Multiplayer-Gefechten gut schlägt, kann eventuell sogar von der US-­Armee kontaktiert und letztlich rekrutiert werden.

Kein “echtes” Werbespiel, aber definitiv eine Erwähnung wert, ist “Pepsi Invaders”, das für den Atari 2600 1993 exklusiv von Atari für Coca Cola – Mitarbeiter gefertigt wurde. Das Spielprinzip ist hier dem Klassiker Space Invaders abgeschaut, allerdings greifen anstelle der bekannten Aliens die Buchstaben P E P S I und ein Raumschiff an. Wenn das Spiel zu Ende ist, erscheint die Nachricht „Coke Wins“ auf dem Bildschirm.

Viele dieser Werbespiele lassen sich noch heute kostenlos herunterladen und ausprobieren. Ich freue mich auf Feedback und weitere Geheimtipps.

Kommentare
  1. Sarah sagt:

    Oh, sehr schöne Zusammenstellung! Lustig damals auch: Eddy Eismann -https://m.youtube.com/watch?v=yRJkma5-Rko

  2. Online Games sagt:

    Einige der Spiele waren mir zwar schon bekannt, aber das dies alles Werbespiele wusste ich nicht. Die Knax-Comics aus der Sparkasse kannte ich auch, hätte ich früher gewusst, dass es dazu auch ein Spiel gab, hätte ich es sicherlich gespielt… :)
    Schöner Beitrag, erinnernt einen wieder an die Kindheit. :)

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