Studie zur Gamesbranche in Deutschland
veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2017

Studie zur Gamesbranche in Deutschland

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Eine aktuelle Studie zur Games-Branche in Deutschland zeigt, dass sie für die Zukunft gut gerüstet ist. Die erste bundesweite Studie zur Video- und Computerspielwirtschaft in Deutschland zieht als vorläufiges Fazit, dass die Games-Branche starke wirtschaftliche und kulturelle Stärke sowie ein großes Potential besitzt. Somit liegen für die Gamesbranche erstmals valide und vollständige Basisdaten vor. Die vollständige Studie wird noch im Oktober dieses Jahres veröffentlicht.

“Made in Germany” – Großes Potential für die Gamesbranche

Keine andere Medienwirtschaft schafft es so erfolgreich wie die Spieleindustrie ihre Produkte im Ausland anzubieten, auch wenn der Abstand zu den weltweit erfolgreichsten Entwicklungsstandorten leider sehr groß ist. Die Studie zeigt anhand der Beispiele Frankreich, Großbritannien und Kanada, wie sich die Rahmenbedingungen verbessern ließen, damit sich digitale Spiele “Made in Germany” zu einem echten Exportschlager wandeln.

Gamesförderung in Deutschland: Verstärkte Förderung der Spieleindustrie sinnvoll

Aufgrund der hohen kulturellen, technologischen sowie wirtschaftlichen Relevanz und dem großen Potenzial an Innovationen, stellt die Gamesbranche eine Schlüsselindustrie der Zukunft dar. Die Studie zeigt, dass gerade kleinere und mittlere Unternehmen große finanzielle Risiken eingehen und gleichzeitig kaum Möglichkeiten haben, eigene Marken langfristig zu etablieren. Dies wäre jedoch die Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum. Dementsprechend sollte ein zukünftiges, gut durchdachtes deutschen Fördersystem an diesen Stellen ansetzen. In einem Audiokommentar zur Gamesförderung in Deutschland habe ich schon erläutert, was in meinen Augen nötig wäre, um die richtigen Voraussetzungen für die Gamesbranche hierzulande zu schaffen.

Die Zusammenfassung der ersten Ergebnisse lassen sich hier einsehen: www.hamburgmediaschool.com/foko.

Gamesbranche eine der umsatzstärksten Medienbranchen

Die Gamesbranche gehört in Deutschland mit einem Umsatz von insgesamt 2,74 Milliarden Euro zu den umsatzstärksten Medienbranchen. Auffällig ist jedoch, dass nur 13,6 Prozent des Gesamtumsatzes mit in Deutschland entwickelten Produkten und Dienstleistungen erwirtschaftet wird. Im Vergleich zu anderen Medien ist dieser Anteil sehr gering.

Mittelständische Prägung der deutschen Gamesbranche: Hohe Innovationskraft

Die Gamesbranche in Deutschland ist mittelständisch geprägt. 89 Prozent der Unternehmen erwirtschaften bis zu 5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Gerade in Anbetracht der großen Bedeutung Deutschlands als Absatzmarkt für digitale Spiele gibt es im internationalen Vergleich überraschend wenige Spieleentwickler in größeren Umsatzklassen. Beschäftigt in der Gamesbranche sind rund 14.000 Personen, von denen sich 76 Prozent in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen befinden, 71 Prozent sind fest angestellt. Zudem verfügt die Gamesbranche über eine hohe Innovationskraft, die stark in andere Wirtschaftsbereiche abstrahlt, etwa in die Bildung, das Gesundheitswesen oder den Automobilbau. Im Vergleich mit anderen Teilen der Kultur- und Kreativwirtschaft weist die deutsche Gamesbranche eine sehr hohe Exportquote auf. Beinahe die Hälfte ihres Umsatzes (42 Prozent) erwirtschaftet sie außerhalb der Bundesrepublik. Zum Vergleich: Die Exportquote der Film- und Fernsehwirtschaft liegt bei 4 Prozent, die der Musikwirtschaft immerhin bei 9 Prozent.

Internationaler Vergleich: Förderanteil bei Finanzierung gering

Zusammenfassend stellen die Autoren fest, dass es bei der Förderung der Gamesbranche große internationale Unterschiede gibt: Der Anteil öffentlicher Förderung an der Finanzierung von Spieleentwicklern beträgt in Deutschland lediglich 2,6 Prozent. Im Vergleich zu Ländern, die international besonders erfolgreich bei der Gründung und Ansiedlung von Spieleunternehmen sind, ist dies deutlich unterentwickelt. In Großbritannien beträgt der durchschnittliche Förderanteil 17 Prozent und in Ontario (Kanada) sogar rund 32 Prozent. In Deutschland dagegen werden Spieleentwicklungen in erster Linie über Eigenfinanzierungen realisiert. Darunter leidet die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Spiele-Entwickler.

Informationen über die Studie zur Computer- und Videospielindustrie in Deutschland

Die „Studie zur Computer- und Videospielindustrie in Deutschland. Daten und Fakten zum deutschen Entwicklungs- und Vertriebsmarkt für digitale Spiele“ wird von der Hamburg Media School unter der Projektleitung von Prof. Dr. Oliver Castendyk und unter Mitwirkung von Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn durchgeführt.

Gefördert und finanziert wird das Studienprojekt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) im Rahmen der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, der Senatskanzlei Berlin und dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung sowie den Verbänden der deutschen Games-Branche BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware und GAME Bundesverband der deutschen Games-Branche.

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