Spielkultur: Projekte zur Stärkung der digitalen Zivilgesellschaft
veröffentlicht von Martin Lorber am 04. April 2020

Spielkultur: Projekte zur Stärkung der digitalen Zivilgesellschaft

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Alle Zahlen sprechen dafür: Digitale Spielkultur ist fester Bestandteil des Alltags zahlreicher Menschen. Und wie in jedem gesellschaftlichen Raum sind die Diskussionen in den Spielen selbst und in den entsprechenden Online-Communitys auch zunehmend politisch. Eigentlich sollte dabei klar sein: Wut und Hass haben in der digitalen Spielkultur nicht zu suchen! In diesem Beitrag stelle ich zwei Projekte vor, die genau das untermauern wollen.

Das Projekt „Good Gaming – Well Played Democracy“ wurde 2020 von der Forschungsgruppe Modellprojekte e.V. in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung ins Leben gerufen. Es untersucht, wie rechts-alternative Akteure zunehmend versuchen, auf Gaming-Plattformen eine menschenverachtende Stimmung zu schüren. Eine weitere Initiative, namentlich “Keinen Pixel den Faschisten”, ist ein Zusammenschluss von Webseiten, Medienschaffenden, Forschungskollektiven und Entwicklerstudios, die sich für ein inklusives Klima in ihren Communities stark machen wollen.

“Good Gaming – Well Played Democracy: Entschiedene Haltung gegen Menschenfeindlichkeit

Ziel von “Good Gaming – Well Played Democracy ist es, gemeinsam mit Spielern aus unterschiedlichen Netzwerken verschiedene Facetten von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu thematisieren. Zwar lehnt der allergrößte Teil der Gamer sexistische, rassistische und antisemitische Haltungen ab. Das Projekt “Good Gaming” sieht jedoch eine laute und entschiedene Haltung gegen Menschenfeindlichkeit sowohl in Videospielen, als auch in den entsprechenden Communities unterrepräsentiert. Deshalb werden Kampagnen entwickelt, die in Kooperation mit passionierten Anhängern der Spielkultur eine klar Botschaft transportieren: Für eine starke digitale Zivilgesellschaft im Gaming!

Good Gaming: Analyen, Weiterbildung und Digital Streetwork

Zwar trauen sich digitale Spiele immer mehr, gesellschaftsrelevante Fragestellungen aufzugreifen. Sie erzählen oft Geschichten, die sich gegen Rassismus positionieren sowie für Diversität und sexuelle Vielfalt einstehen. Dass dies jedoch nicht immer der Fall ist und es den Communities oft an einer klaren Haltung fehlt, wenn andere Spieler beispielsweise sexistisch oder rassistisch beleidigt werden, ist die andere Seite der Medaille. Durch die Bereitstellung von Analysen und Hintergrundinformationen, Weiterbildung und Beratung sowie Digital Streetwork vermittelt das Projekt “Good Gaming – Well Played Democracy”, dass Freizeitspaß und eine klare Positionierung gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sehr gut zusammenpassen.

Mehr Informationen zu dem Projekt finden sich auf der Homepage der Amadeu Antonio Stiftung unter https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/projekte/good-gaming-well-played-democracy/.

Gaming ist und bleibt bunt: Keinen Pixel den Faschisten!

Auch die Initiative „Keinen Pixel den Faschisten“ möchte ein Gegengewicht zu diesem toxischen Teil der Spiele-Community bilden. Gemeinsam rufen ihre Initiatoren dazu auf, Diskriminierung dort zu bekämpfen, wo sie entsteht. Dabei verstehen sie sich als eine Sammelbewegung, die selbstorganisiert aktiv ist. Das Ziel ist, eine Anlaufstelle zum Thema Rechtsradikalismus im Gaming-Bereich zu werden und Spielern, Community Managern, Redakteuren und Ansprechpartnern Informationen und Lösungsansätze zu unterbreiten.

Breites Bündnis: Unterstützer aus der Spielkultur immer willkommen

In einem ersten Schritt wird so eine Reihe von Artikeln und Interviews veröffentlicht, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Thema des Rechtsradikalismus in Gaming-Communities auseinandersetzen. So sollen unter anderem Autoren und Wissenschaftler zu Wort kommen, als auch Leitfäden angeboten werden, anhand derer sich beispielsweise rechte Gesinnungen in Online-Profilen erkennen lassen.

“Keinen Pixel den Faschisten” möchte ein breites Bündnis aus Spielern darstellen. Zudem sind Unterstützer aus allen Medienbereichen herzlich willkommen dabei mitzuwirken. Mehr Informationen finden sich hier: https://keinenpixeldenfaschisten.de/

Beide Initiativen wollen deutlich machen, dass Videospiele bunte und diverse Orte sind, an denen sich jeder wohlfühlen kann und niemand ausgegrenzt wird. Die Arbeit in und mit den Communities halte ich für besonders wichtig und unterstützenswert.

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