Video Game History Foundation
veröffentlicht von Martin Lorber am 03. März 2018

Projekte zur Archivierung von digitalen Spielen

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Der Anerkennung von Computerspielen als Kulturgut ging ein langer Kampf voraus. Mittlerweile gibt es zahlreiche Veranstaltungen, Museen oder Ausstellungen, die sich dem Thema Games von seiner kulturellen Seite nähern. Ein wichtiger Aspekt ist jedoch in meinen Augen leider immer noch unterrepräsentiert: Die Archivierung und Bewahrung von Spielen, ihres kulturellen Erbes und ihrer Geschichte. Dabei ist es ein sehr dringliches Thema.

Video Game History Foundation möchte Bewusstsein für die kulturelle Geschichte schaffen

Vor wenigen Tagen sah ich einen kurzen Bericht, der sich mit der Video Game History Foundation, einer Initiative aus dem Bereich Bewahrung und Archivierung von Games, auseinandersetzte. Diese handelt unter der Prämisse, dass ein Großteil der alten Videospiele noch immer unentdeckt irgendwo auf verstaubten Dachböden, in alten Schränken oder ehemaligen Kinderzimmer bei den Eltern lagert. Diese Schätze der Videospiel-Geschichte gilt es zu heben und die Cartridges und CDs angemessen zu archivieren. Frank Cifaldi, Gründer der gemeinnützigen Video Game History Foundation, hat sich dieser Suche ganz und gar verschrieben. Der Videospiel-Historiker möchte alte Videospiele für spätere Generationen aufbewahren und ihre Geschichte erfahrbar machen. Dabei kümmert er sich auch um Videospiel-Magazine und Werbematerial, die zur Veröffentlichung des jeweiligen Spiels wichtig waren. Für Forscher oder sonstige Interessierte soll es dadurch möglich sein, den Kontext und die Geschichte jedes Spiel zu erfahren.

Die Video Game History Foundation will ein Bewusstsein bei Spielern und Entwicklern dafür schaffen, welche Publikationen und Spiele für Historiker interessant sind und wie der Spiele-Code direkt bei den Entwicklerstudios besser gesichert werden kann. Ein Thema, dem sich Stefan Serbicki bei EA intern bereits seit mehr als 10 Jahren widmet und mit dem ich dazu ein sehr interessantes Interview führen konnte.

Archivierung von digitalen Spielen: Das Thema gewinnt an Bedeutung

Videospiele haben längst ihren Platz in Museen gefunden: Sei es das Museum für digitale Kultur in Dortmund, oder das Computerspielemuseum in Berlin. Auch Wissenschaftler setzten sich auf internationalen Fachtagungen wie die Clash of Realities mit Themen rund um Videospiele und deren Archivierung auseinander. Es ist allerdings anzumerken, dass digitale Spiele die Kuratoren in Museen vor besondere Herausforderungen stellen. Sie entfalten ihre volle Wirkung auf den Betrachter erst durch den Akt des Spielens.

Aus diesem Grund hat sich beispielsweise das Computerspielemuseum in Berlin dazu entschieden in allen Teilen der Ausstellung, neben Klassikern wie Pacman von 1980 und modernen Klassikern wie Grand Theft Auto IV von 2008,  interaktive Kunstwerke einzubinden. So können die Besucher beispielsweise mit einem Riesenjoystick, der durchaus Körpereinsatz erfordert, spielen.

Ein weiteres Beispiel für die Einbindung der Besucher in die Ausstellung ist der Verein RetroGames aus Karlsruhe. Seit dem 15. Juni 2002 betreiben die Verantwortlichen ein Arcade-Museum in dem über 50 lauffähige Spielautomaten, sieben Flipper sowie verschiedene Heimcomputer und Videospielkonsolen nicht nur ausgestellt sind, sonder an ihnen kann auch ausgiebig gespielt werden. Die Sammlung besteht aus raren Originalen, funktionstüchtigen Klassikern und Kunstwerken der besonderen Art, die entdeckt, bewundert und bestaunt werden wollen.

Falls jemand Interesse hat, sich mit mir oder Stefan Serbicki zu dem Thema auszutauschen, oder auf eine fantastische Initiative aus diesem Bereich hinweisen möchte, kann er sich gerne bei mir melden.

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