Games-Förderung: BIU startet Umfrage
veröffentlicht von Martin Lorber am 05. Mai 2017

Interview mit BIU-Geschäftsführer Felix Falk: Politische Themen im Fokus der Gamesbranche

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Seit Anfang Januar ist Felix Falk neuer Geschäftsführer des BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware. Als langjähriger Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ein alter Bekannter. In diesem Rahmen sprach ich schon 2014 über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jugendmedienschutzes mit ihm. Nun interessierten mich Felix Falks Erfahrungen während ersten Monaten im Amt als Geschäftsführer des BIU und seine Einschätzung zu den bedeutendsten Entwicklungen in der deutschen Gamesbranche. Spannend sind im Wahljahr 2017 vor allem die Forderungen der deutschen Spieleindustrie an die Politik, insbesondere zur Gamesförderung in Deutschland.

Felix Falk, Geschäftsführer des BIU - Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware. Copyright: Dirk Mathesius
Felix Falk, Geschäftsführer des BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware. Copyright: Dirk Mathesius

 

Martin Lorber: Hallo Felix, wie waren die ersten Monate im Amt als Geschäftsführer des BIU?

Felix Falk: Die ersten Monate waren sehr spannend und erlebnisreich: Als Geschäftsführer der USK habe ich zwar zuvor schon eng mit dem BIU zusammengearbeitet. Aber dabei konnte ich natürlich immer nur Eindrücke als Außenstehender gewinnen. Nach den ersten Monaten hat sich für mich bewahrheitet, dass das Neue und auch das besonders Spannende an der Position des BIU-Geschäftsführers die Themenvielfalt ist. Während ich mich bei der USK stark auf das Thema Jugendschutz und die daran angrenzenden Bereiche konzentrieren konnte, gilt es jetzt, zwischen vielen Themenfeldern und Aufgaben zu wechseln: Die Themen reichen von der Situation Deutschlands als Entwicklungsstandort für Games über Fragen zu Jugend- und Verbraucherschutz bis hin zur Weiterentwicklung der gamescom. Und dazu kommt, dass ich diese und andere Themen meistens auch noch alle gleichzeitig auf dem Tisch habe.

Martin Lorber: Mit welchen Themen haben sich der BIU und du in dieser Zeit primär beschäftigt?

Felix Falk: Im Wahljahr stand und steht die politische Arbeit für mich ganz oben auf der Tagesordnung. Hier müssen wir als Branche wichtige Grundsteine für die kommenden vier Jahre legen. Im Kern geht es dabei um eine verbesserte Situation der Games-Entwickler und damit unserer Branche insgesamt in Deutschland. Mit der International Games Week Berlin und der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises im April standen zudem zwei wichtige Branchen-Events vor der Tür, mit denen ich ebenfalls intensiv beschäftigt war. Und zu guter Letzt galt es auch, die interne und strategische Aufstellung des Verbandes zu überprüfen und da, wo nötig, anzupassen.

Martin Lorber: Welche Entwicklungen beschäftigen die Branche dieses Jahr besonders?

Felix Falk: Vor dem Hintergrund der Bundestagwahl stehen vor allem politische Themen im Fokus der Games-Branche. Außer den Entwicklungsbedingungen für Spiele in Deutschland gehören dabei auch Themen wie die Anerkennung von eSports als Sport in den Mittelpunkt unserer Arbeit, aber auch die dringend benötigte Reform des Jugendmedienschutzes, der flächendeckende Ausbau schneller Internetanschlüsse und die Weiterentwicklung des Deutschen Computerspielpreises.

Martin Lorber: Was sind in deinen Augen die wichtigsten Themen in der Zukunft?

Felix Falk: Computer- und Videospiele entwickeln sich unglaublich schnell, sowohl technologisch, wie Virtual Reality derzeit zeigt, als auch bei der Vermarktung. Die unglaublich starke Entwicklung von eSports in den vergangenen Jahren ist hierfür nur ein weiteres Beispiel. Unsere wichtigste Aufgabe in der Zukunft wird daher weiterhin sein, für Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa einzustehen, die diese Entwicklungen fördern anstatt sie zu behindern. Gleichzeitig wollen wir natürlich weiter unermüdlich für Games werben und auf die vielen besonderen Möglichkeiten und positiven Effekte hinweisen, die unser Medium bietet.

Martin Lorber: Es ist immer wieder die Rede davon, dass Deutschland als Entwicklungsstandort für Spiele an Bedeutung verliert. Was wäre aus deiner und der Sicht des BIU nötig, um die richtigen Voraussetzungen für die Gamesbranche zu schaffen?

Felix Falk: Das größte Problem für Games-Entwickler in Deutschland sind die fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten. Länder wie Kanada, Großbritannien, Frankreich und Polen haben die große wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung von Games früher erkannt und unterstützen die Entwicklung vor Ort mit großen Förderprogrammen. So kostet die Entwicklung eines Computerspiels in Kanada bis zu 30 Prozent weniger als in Deutschland. Diesen Kosten-Vorteil können deutsche Games-Entwickler kaum aufholen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Games-Entwickler hierzulande die gleichen Chancen bekommen wie in Kanada oder Frankreich.

Martin Lorber: Die Bundestagswahl 2017 rückt immer näher: Welche Herausforderungen und Möglichkeiten sieht der BIU in diesem Zusammenhang?

Felix Falk: Wir müssen auf politischer Ebene die Bedeutung von Games und die Notwendigkeit einer substantiellen Entwicklungsförderung auf Bundesebene deutlich machen und auch für unsere anderen politischen Forderungen werben. Hier ist es allerdings sehr wichtig, dass wir als Branche gemeinsam dafür einstehen, egal, ob kleine oder große Unternehmen. Es geht eben um eine Stärkung des gesamten Games-Standorts. Wenn wir jetzt geschlossen auftreten, kann die Bundestagswahl in diesem Jahr eine große Chance sein und wir können dafür sorgen, dass Computer- und Videospiele und damit Geschichten, Technologien und Zukunftsideen zukünftig wieder stärker aus Deutschland kommen. Seit meiner ersten Woche beim BIU führe ich intensive Gespräche mit vielen politischen Akteuren und nicht zuletzt die ersten Wahlprogramme zeigen, dass die großen Potentiale immer besser gesehen werden.

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