Game Art - Kunst und digitale Spiele: Super Mario Clouds von Cory Arcangel
veröffentlicht von Martin Lorber am 04. April 2019

Game Art – Kunst und digitale Spiele: Super Mario Clouds von Cory Arcangel

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In der Einleitung zu der Kunstgattung Game Art schrieb ich, dass zwischen Kunst und digitalem Spiel eine interessante Verbindung besteht. Künstler verwenden das digitale Spiel als Ausgangsmaterial ihrer Werke. Als eines der meist ausgestellten Kunstwerke der Game Art gilt die künstlerische Modifikation “Super Mario Clouds” des amerikanischen Künstlers Cory Arcangel, welches 2002 fertiggestellt wurde. Das Werk basiert auf einem der bekanntesten digitalen Spiele, dem Jump’n’Run Super Mario Bros. von der japanischen Firma Nintendo. Das Spiel erschien 1985 erstmals in Japan auf Nintendos eigener Heimkonsole Famicom, und anschließend mit einem Jahr Verzögerung auf der internationalen Version des Famicoms, dem Nintendo Entertainment System (NES). Der Erfolg des Spiels und der Konsole kurbelte den zu Beginn der 1980er Jahre einbrechenden Computer- und Videospielmarkt wieder an. Heute zählt Super Mario Bros. zu einem der Meilensteine in der Computer- und Videospielgeschichte und wird oft in der Popkultur rezipiert, beispielsweise im Rahmen von Videospielmusik.

Game Art: Kunstwerk macht Super Mario Bros. unspielbar

Vermutlich aufgrund des Bekanntheitsgrades des Spiels wählte Cory Arcangel es als Ausgangsmaterial für seine künstlerische Modifikation „Super Mario Clouds“ aus. So geht er sicher, dass die Betrachter die Verknüpfung zwischen Kunst und digitalem Spiel erkennen. Das Werk „Super Mario Clouds“ präsentiert ein beinah quadratisches Bild, entnommen aus den Spieldateien des japanischen Jump’n’Runs. In dem bewegten Bild der künstlerischen Modifikation schieben sich verschiedene Pixel-Wolkenformationen in Endlosschleife von links nach rechts durch den hellblauen Hintergrund. Aufgrund der rudimentären Auflösung durch die damaligen technischen Bedingungen sind deutlich die einzelnen Pixel des Motives erkennbar. Durch den Verzicht der Spiel-Interaktion mit dem digitalen Bild wird Super Mario Bros. unspielbar. Stattdessen wird es zu einem Video vorbeiziehender weißen Wolken vor hellblauen Hintergrund in Endschlossschleife.

Game Art im öffentlichen Raum: Super Mario Clouds im Ausstellungskontext

Das Kunstwerk wird gerne im Rahmen von Ausstellungen zur Medienkunst oder zu digitalen Spielen präsentiert. So war es unter anderem 2016 in der Ausstellung „Images“ im Fridericianum in Kassel zu sehen. Die Ausstellung geht der  der Bedeutung von Bildern im heutigen Medienzeitalter nach. Das Kunstwerk „Super Mario Clouds“ ist aber nicht Arcangels erste künstlerische Modifikation. Seit 2002 arbeitete er vermehrt mit Spielen für stationäre Heimkonsolen und erstellte auf dieser Basis verschiedene Modifikation, die auf der gleichen Technik basierten wie „Super Mario Clouds“: „I shot Andy Warhol“ (2002), „F1 Racer Mode“ (2004) und „Super Mario Movie“ (2005).

Game Art: Das unspielbare Spiel

Der Künstler transformiert Teile eines Produktes der Unterhaltungsindustrie in den Kunstkontext. Es ist nun eine künstlerische Modifikation, die über die medialen Aspekte des digitalen Spiels kritisch reflektiert. Dabei werden den Betrachtern des Werkes Prozesse im Spiel sichtbar gemacht, die ihnen beim Spielen des Ausgangsmaterials zuvor vermutlich nicht aufgefallen wären. Das digitale Spiel wird damit zu einem Kunstwerk.

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