veröffentlicht von Martin Lorber am 03. März 2014

Wird Deutschland als Produktionsstandort für digitale Spiele abgehängt?

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Schon länger werde ich nicht müde zu betonen, dass Deutschland Gefahr läuft, als Standort für die Entwicklung von digitalen Spielen von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Viele Länder zeigen, wie mit der gezielten Wirtschaftsförderung der eigenen Games-Branche die gesamte Wirtschaft gestärkt wird und technische Innovationspotentiale geschaffen werden können. Die jüngste Entwicklung zu diesem Thema bestätigt mich noch einmal in meinem Wunsch nach mehr Förderung für Computer- und Videospiele in Deutschland. Die Europäische Kommission hat nämlich nun die Pläne von Großbritannien abgesegnet, die inländische Spielebranche zu fördern. Über Steuererleichterungen sollen so bis zu einer Förderhöchstsumme von ca. 1,2 Mio. Euro je geförderten Titel möglich sein.

Hintergrund der Geschichte: Obwohl Großbritannien wohl unbestritten als Produktionsstandort Nummer 1 für digitale Spiele innerhalb der EU zu bezeichnen ist, muss auch hier um den Anschluss an die Spitze hart gekämpft werden. Denn GB steht in einem harten internationalen Wettbewerb. Gezielte Förderungen der Games-Branche in Kanada zum Beispiel haben für einen gewaltigen Aderlass und eine Abwanderungswelle ins attraktive Kanada gesorgt. Einem Trend, den die Verantwortlichen in GB nicht mehr länger zuschauen wollten.

Hier zeigt sich eindeutig, dass in Deutschland ein großer Nachholbedarf in Sachen Games-Förderung herrscht. Zwar wird sicherlich auch der Standort Deutschland von den Fördermitteln in GB profitieren, da eine Vorgabe der EU auch Entwicklungsleistungen in einem anderen EU-Mitgliedsstaat berücksichtigt. Allerdings ist das sicherlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Um hier nicht den Anschluss zu verlieren, sind vergleichbare Programme innerhalb Deutschlands fast schon Pflicht. Sie würden den Standort Deutschland gleich in zweierlei Weise viel nützen. Zum Einen sollte Deutschland seinen Platz als Wirtschaftsnation Nummer 1 und Innovationsmotor des europäischen Wirtschaftsraums verteidigen und ausbauen. Neben der Unterhaltungsindustrie profitieren auch weitere Branchen von technischen Entwicklungen und anderen Aspekten von digitalen Spielen. Gleichzeitig kann Deutschland, was sich ja gerne als Land der Dichter und Denker bezeichnet, seine Rolle als Kulturnation stärken und ausbauen. Digitale Spiele sind das Medium der Zukunft und werden das kulturelle Geschehen in den kommenden Jahren maßgeblich prägen. Eine Stärkung der heimischen Kreativbranche ist somit ein Muss.

In die gleiche Kerbe schlagen auch die beiden großen Branchenverbände BIU und G.A.M.E. in ihrer Reaktion auf die Nachrichten aus GB. Generell sieht der BIU es als positiv an, dass die EU einem Fördersystem für die Gamesbranche nicht im Wege steht. Allerdings bringe dies die Verantwortlichen in Deutschland unter Zugzwang es als Signal zu sehen selber zu handeln, um den zwangsläufig entstehenden Wettbewerbsnachteil gegenüber GB zu negieren. Das sieht der G.A.M.E. ähnlich. Dieser fordert sogar eine Förderung der Branche auf europäischer Ebene, um so gegenüber der großen internationalen Konkurrenz wettbewerbsfähig zu sein.

Eines zeigt die Entwicklung in England auf jeden Fall. Die Konkurrenz schläft nicht! Bereits am ersten Tag an dem die Förderungsmaßnahmen greifen, ruft der zuständige Staatssekretär für Kultur, Kommunikation und die kreativen Branchen die Wirtschaft auf diese eifrig zu nutzen. Der Standort Großbritannien solle sich so gegen die Konkurrenz aus Übersee behaupten und junge Menschen für einen naturwissenschaftlichen Berufsweg begeistern. Das Thema wird also sehr ernst genommen.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Interview mit Prof. Dr. Müller-Lietzkow über die Gründung eines Kompetenzzentrums für Game Studies und der Positionierung der Industrie.

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