Sollte die USK das Suchtpotential bei digitalen Spielen berücksichtigen?
veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2016

Sollte die USK das Suchtpotential bei digitalen Spielen berücksichtigen?

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In einem Interview mit der Funke Mediengruppe fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU) insbesondere Belohnungs- und  Bestrafungsmechanismen von Onlinespielen künftig bei den Alterseinstufungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zu berücksichtigen. Felix Hilgert und Philipp Sümmermann zeigen bei spielerecht.de sehr gut auf, warum diese Verschärfungsvorschläge kontraproduktiv seien.

Verfassungsrechtliche Bedenken

Die beiden Autoren fassen die Problematik sehr anschaulich zusammen und weisen insbesondere auf den Konsens hin, dass die Intensität des Nutzungsverhaltens kein Kriterium für eine Entwicklungsbeeinträchtigung oder Jugendgefährdung sein kann. Sie sehen sogar verfassungsrechtliche Probleme bei einer Aufgabe dieses Prinzips. Inzwischen würden Eltern den bewährten Alterskennzeichen vertrauen, gerade weil diese Auskunft über Inhalte von Computerspielen geben würden, die sie häufig nicht selbst einschätzen könnten. Wie viel Zeit die Kinder tatsächlich vor dem Rechner verbringen, könnten Eltern aber selbst ohne inhaltliches Wissen um die Spiele kontrollieren.

Mögliche Folge: Verwässerung des Jugendschutzes

Eine Umsetzung der Forderung der Drogenbeauftragten würde der Meinung der Autoren nach also schlicht zur Folge haben, dass für Eltern der Inhalt eines Spiels anhand der Alterskennzeichnung gar nicht mehr einschätzbar wäre. Ernst nehmen würden viele Eltern ein derart beliebiges Alterskennzeichen sicher nicht. Somit liefe die Forderung Mortlers auf eine Verwässerung des Jugendschutzes hinaus. Das könne niemand der Beteiligten wollen. Schon 2011 habe ich auf diesem Blog darauf hingewiesen, dass Rechtsexperten sich in folgender Sache einig sind: Das Suchtkriterium ist bei jugendschutzrechtlicher Betrachtung nicht gültig.

Kommentare
  1. Zockerfreund sagt:

    Es macht meiner Meinung nach keinen Sinn den Eltern die Bahnen vorzugeben, denn die Orientieren sich eh schon an den ganzen Richtlinien. Ein Fifa oder Need for Speed FSK 12 oder so einzuschätzen nur weil es Spaß macht zu zocken wäre doch auch unfair gegenüber dem, der das Spiel entwickelt und vertreibt.

    Stellt euch mal vor, FIFA wäre ab 12, nur weil viele gerne mehrere Stunden am Tag FUT spielen oder Päckchen ziehen. Das wäre doch auch echt nicht fair. Denn die Eltern würden ein gutes Spiel ohne Gewalt womöglich genauso gefährlich wie ein schlechtes, nicht fesselndes Action Spiel mit Waffen einstufen…

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