veröffentlicht von Martin Lorber am 02. Februar 2012

Politiker-LAN im Bundestag: Ein Jahr danach! (Update)

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Manuel Höferlin (rechts) probiert sich an Counter-Strike.
Manuel Höferlin (rechts) probiert sich an Counter-Strike.

Heute vor genau einem Jahr luden die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU),Manuel Höferlin (FDP) und Jimmy Schulz (FDP) ihre Kollegen zur ersten Politiker-LAN in die Räumlichkeiten des Bundestages. Rund 50 Abgeordnete und ihre Mitarbeiter informierten sich damals intensiv über das Thema Computer- und Videospiele. Einige sehr positive Stimmen zur LAN konnte ich noch am gleichen Abend einfangen. Diese finden Sie hier in meinem Beitrag dazu.

Ziel der Initiatoren war es, ihren Kollegen zu zeigen, welch künstlerische, kreative und wertvolle Arbeit die Branche leistet, um die Debatte um Computer- und Videospiele differenzierter führen zu können. Dabei reichte die Bandbreite der vorgestellten Spiele von Action-Spielen wie dem berühmt-berüchtigten Counter-Strike, über Sportspiele wie FIFA, bis hin zu Musik- und Tanzspielen.

Ein Jahr nach der Premiere frage ich mich, ob das Ziel erreicht wurde oder ob die positive Stimmung nur eine vorübergehende Erscheinung war. Dazu habe ich mich jetzt noch einmal an die Veranstalter der LAN gewandt, um sie rückblickend nach ihrem persönlichen Fazit und ihrer Einschätzung des LAN-Erfolgs zu fragen:

1.   Ein Jahr ist seit der breit in den Medien präsentierten „Politiker-LAN“ vergangen. Die Berichterstattung darüber zog breite Kreise, die Reaktionen vor Ort waren durch die Bank positiv. An welche Momente erinnern Sie sich heute noch besonders?

Dorothee Bär (CSU): Besonders gerne erinnere ich mich an die teilweise wirklich beeindruckenden spontanen  Gefühlsausbrüche einiger meiner Kolleginnen und Kollegen an den Konsolen, deren Namen ich jetzt aber der Höflichkeit halber nicht nennen möchte. Aber da haben schon manche einen Ehrgeiz entwickelt, den ich bei ihnen so auf diesem Gebiet nicht erwartet hätte…

Manuel Höferlin (FDP): Besonders beeindruckt hat mich persönlich, wie viele Abgeordnete dieses Angebot wahrgenommen haben, sich vor Ort über Computerspiele und deren Bedeutung zu informieren. Und besonders schön fand ich auch, dass sich nicht nur jüngere Kolleginnen und Kollegen eingefunden hatten, sondern auch diejenigen, die sonst Computerspiele eher mit Argwohn betrachten.

Jimmy Schulz (FDP): An die unglaubliche Resonanz, die unsere Veranstaltung erhalten hat. Wir konnten mit der Politiker-LAN auch Spielemagazine und somit Gamer direkt erreichen. So konnten wir zeigen, dass, wir das Thema ernst nehmen. Es hat mich zudem begeistert, dass Abgeordnete aller Altersklassen kamen und die Spiele ausprobierten.

2.   Gab es im Nachgang auch Feedback von Politikern, die nicht vor Ort sein konnten? Wie fiel das aus?

Dorothee Bär (CSU): Bei manchen kann ich nur sagen: Wären sie mal besser gekommen und hätten sich das angesehen. Wir haben natürlich – auch im Nachgang – einige kritische Stimmen bekommen. Es gab aber sehr viele Rückmeldungen, die voll des Lobes waren und die besonders geschätzt haben, dass hier ein Zugang zu einer Materie geschaffen wurde, die einigen Abgeordneten sonst eher verschlossen bleibt.

Besonders wichtig war mir, dass sich dann doch herumgesprochen hat, dass es sehr hochwertige Strategie-, Sport-, Kinder- und Familienspiele gibt, die auch einen erheblichen pädagogischen und therapeutischen Nutzen haben können.
Rückmeldungen über Albträume oder erhöhtes Aggressionspotenzial von Abgeordneten, die auch mal einen Shooter ausprobiert haben, blieben übrigens aus.

Manuel Höferlin (FDP): Im Nachgang hatten sich noch einige Kollegen gemeldet und bedauert, dass sie nicht dabei sein konnten. Aber sie hatten sich sehr über das Angebot gefreut.

Jimmy Schulz (FDP): Ich habe aus meiner Fraktion ein sehr positives Feedback erhalten. Einige die nicht da sein konnten, bedauerten das im Nachhinein, als sie die tollen Bilder und Videos sahen.

3.   Hat sich seitdem in ihren Augen das Wissen um die Vielfältigkeit von Computer- und Videospielen im Deutschen Bundestag verbreitet?

Dorothee Bär (CSU): Ich glaube schon. Wir haben noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, aber die kategorische Ablehnung wird deutlich weniger. Ich sehe das beispielsweise auch bei unseren CSU-Parteitagen, wo der BIU letztes Jahr einen eigenen Stand mit Konsolen hatte.
Wann immer ich dort vorbei kam, er war immer bestens besucht.

Auf dem Parteitag in München haben wir uns als CSU auch klar gegen Pauschalverbote von Computerspielen ausgesprochen und diese als Teil der Kultur unserer Gesellschaft anerkannt.

Aber ich bleibe dabei: Ich möchte, dass wir dahin kommen, dass die Entwicklung von Computerspielen nicht nur als notwendiges Übel akzeptiert, sondern dass Projekte auch staatlich gefördert werden – so, wie das bei Filmen ganz selbstverständlich ist.

Manuel Höferlin (FDP): Wir hatten auf die Veranstaltung selbst große Resonanz. Das Thema ist allerdings seitdem nicht mehr breit politisch bearbeitet worden.

Jimmy Schulz (FDP): Wir haben mit der Politiker-LAN einen wichtigen Beitrag dazu geleistet. Ich glaube, dass generell eine Öffnung hin zu neuen Medien und zur Digitalisierung stattfindet. Hier leistet die Internetenquete auch sehr gute Arbeit. Davon profitieren die Computer- und Videospiele ebenfalls.

4.   Stehen bereits Ideen für eine nächste Politiker-LAN im Raum?

Dorothee Bär (CSU): Derzeit nicht konkret. Aber wir planen im Moment etwas Ähnliches, das in Richtung Social Media geht. Dazu darf ich aber momentan noch nichts sagen….

Manuel Höferlin (FDP): Ja, aber die Details darüber möchte ich jetzt natürlich noch nicht verraten.

Jimmy Schulz (FDP): Ja auf Grund der sehr guten Resonanz planen wir eine Fortsetzung.

 

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Weitere Links zum Thema:

Blog: Politiker-LAN

Web: Dorothee Bär (MdB)

Web: Manuel Höferlin (MdB)

Web: Jimmy Schulz (MdB)

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