Interview mit Kurt Beck (Ministerpräsident Rheinland-Pfalz) über seine Sicht zu Jugendschutzprogrammen

19. März 2012, Martin Lorber

Vor Kurzem hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) erstmals zwei Jugendschutzprogramme offiziell anerkannt. Eines vom Verein JusProg und eines der Deutschen Telekom. Die Programme sollen Eltern dabei unterstützen, ihre Kinder vor ungeeigneten Inhalten im Internet zu schützen. Dazu nutzt die Software einen Filter, welcher die Alterseinstufung der aufgerufenen Seiten überprüft und diese, sollten sie der eingestellten Altersfreigabe nicht entsprechen, gegebenenfalls sperrt.

Zu diesem Thema habe ich dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, einige Fragen stellen können.

Welchen Stellenwert schreiben Sie Jugendschutzprogrammen als Maßnahme eines modernen Jugendmedienschutzes zu?

Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz

Jugendschutzprogramme sind ein wichtiger Baustein für einen modernen Jugendmedienschutz. Damit kommt der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet einen großen Schritt voran. Jugendschutzprogramme können den Eltern dabei helfen, ihren Kindern altersgemäße Angebote im Netz anbieten zu können.

Welchen entschiedenen Vorteil haben Jugendschutzprogramme aus Ihrer Sicht?

Diese Programme können eine Unterstützung für die Eltern liefern, um ihren Kindern altersgerechte Inhalte im Netz anzubieten. Sie sind ein Baustein, um die Eltern in ihrer Verantwortung für den Schutz ihrer Kinder im Netz zu unterstützen. Dennoch ist es für die Eltern weiterhin notwendig und sinnvoll, sich mit dem Medienverhalten ihrer Kinder zu beschäftigen und sie dabei zu begleiten.

Wie müssen sich diese in den nächsten Jahren weiterentwickeln, damit sie für Verbraucher aber auch Anbieter eine sinnvolle Unterstützung darstellen?

Die neuen Technologien und mobilen Zugangsmöglichkeiten stellen uns vor immer neue Herausforderungen. Entscheidend ist, dass die Jugendschutzprogramme beständig weiterentwickelt werden und es so bald als möglich auch mobile Lösungen geben wird. Das, was wir bisher haben, ist eine gute Basis, es muss aber weiter gehen.

Sowohl JusProg als auch die Software der Deutschen Telekom stammen von der Industrie. Wie beurteilen Sie dies und sehen Sie für die Zukunft noch andere Bereiche, in denen die Industrie zu einer erfolgreichen Umsetzung des Jugendmedienschutzes beitragen kann?

Ich begrüße diese Entwicklungen und freue mich über die Anerkennung durch die KJM. Daneben gibt es aus meiner Sicht zwei weitere Punkte, mit denen die Industrie helfen kann: Es ist einerseits wichtig, die Eltern über ihre Möglichkeiten zu informieren, damit sie die Programme auch nutzen. Außerdem ist es unerlässlich, dass die Anbieter ihre Inhalte für die Jugendschutzprogramme klassifizieren. Nur dann können die Programme nach und nach immer mehr kinder- und jugendgemäße Inhalte erkennen und ihre volle Wirkung entfalten.

Was denken Sie ist notwendig, um die Etablierung von Jugendschutzprogrammen langfristig voranzutreiben?

Zunächst einmal müssen die Eltern wissen, dass es solche Programme gibt. Laut einer aktuellen Studie vom Hans-Bredow-Institut  sind 93 % der befragten Eltern der Meinung, dass ein Jugendschutzprogramm eine Hilfestellung für sie sein kann. Deswegen ist es nun die Aufgabe von Politik und Wirtschaft diese Möglichkeiten an die Eltern heran zu tragen.

Die Weiterentwicklung ist wie bereits gesagt dabei ebenfalls ein entscheidender Faktor. Denn die Eltern werden die Programme nur dann annehmen, wenn sie langfristig gute Erfahrungen damit machen.

Weitere Links zum Thema:

Blog: KJM erkennt erstmals zwei Jugendschutzprogramme an

Blog: Computerspiele: Eltern sollten Interesse zeigen und Regeln aufstellen

Web: Kommission für Jugendmedienschutz

Web: JusProg

Web: Kurt Beck




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Kommentare

  1. Pingback: “Zu

  2. Jürgen schreibt am 20. März 2012 um 02:38

    Also ich finde diese Berichterstattung (immer) einigermaßen manipulativ und verzerrend: was heißt hier denn auch schon “ungeeignet”.
    Das hier ist ja eine sehr anspruchsvolle und höchst intelligente Seite – für Menschen die Ahnung von der Materie haben. Von den Gesetzen, was in der (Medien-)Wissenschaft vielfältig geschieht, von den politischen Verhältnissen usw. Und eine Seite die (hoffentlich) auch wirklich weltoffen ist.

    Also: gemeint sind doch höchstens “jugendbeeinträchtigende” Inhalte, aber keine “Jugendgefährdenden”. Nach deutschen Gesichtspunkten -
    Diese (Jugendgefährdenden) werden doch vorsorglich von Staatswegen auf deutschen Servern bereits öffentlich unmöglich gemacht bis strafrechtlich verfolgt bevor diese freiwilligen Programme überhaupt greifen, da etwas herausfiltern – siehe auch zum Beispiel von der Website “jugendschutzprogramm.de” der Hinweis auf bloß “softerotische” Darstellungen, und nicht etwa “Pornografie”: “Laut Jugendmedienschutzstaatsvertrag JMStV § 11 sind Anbieter von sog. entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten (softerotische oder gewaltdarstellende Inhalte) dazu verpflichtet, entweder eine Sendezeitbegrenzung (Anzeige der Seite nur zwischen 22/23 Uhr abends und 6 Uhr morgens) zu beachten, ein technisches Mittel (z.B. Eingabe und Check der Personalausweis Nummer) einzusetzen, oder eine nach Jugendmedienschutzstaatsvertrag anerkannte Filtersoftware einzusetzen” http://www.jugendschutzprogramm.de/eltern.php
    Abgesehen davon, dass sie eine (Selbst-Zensur-)Situation massiv beschönigen (sollen?)
    Es geht hier offensichtlich eben nicht darum Freiheit wie in anderen Staaten (auch in Deutschland) möglich zu machen beziehungsweise aufrecht zu erhalten. Das ist eher ein Nachgedanke – um Schlimmeres zu verhindern. Das womöglich halt (irgendwann) droht – wenn der Jugendmedienschutzstaatsvertrag tatsächlich novelliert wird, wann immer das auch der Fall sein wird. Und das so eben verhindert werden soll
    Einmal war es ja schon fast so weit.
    Weshalb kann das nicht zumindest ansatzweise auch kommuniziert werden?

    Und nein, hier geht es eben nicht um Geschwindigkeitsgebote auf Autobahnen wie Herr Schneider-Johne mal meinte, sondern (nur) um Medien – überall.
    Die positive Rezension eines indizierten Videospiels wie von EA zum Beispiel “Army of Two” oder womöglich bald “Syndicate”, das jederzeit indiziert werden könnte, wird in Deutschland im Sinne eines diesbezüglichen Werbeverbots dadurch etwa keineswegs möglicher, sondern lediglich Berichterstattung(en) über USK-18 schon legitimierter Titel (rechtlich) abgesichert. Als emanzipatorisch denkender und freiheitsliebender Kulturkritiker kann ich vor diesen Unterscheidungen jedenfalls bloß warnen -

    Ich finde es politisch auch äußerst durchsichtig, wenn hier wie letztes Jahr geschehen breit getreten wird wie erfolgreich sich damals für “Dead Space 2″ eingesetzt worden ist, aber heutzutage gähnende Leere herrscht, geht es mit “Syndicate” um einen anderen AAA-Titel der halt nur außerhalb Deutschlands in diesem Europa erschienen ist.
    Nur für Erfolgsmeldungen oder Leistungsspiralen scheint hier vornehmlich ein Platz zu sein – dafür sich Zeit genommen. Unter einer wahrhaftigen kulturellen Auseinandersetzung stelle ich mir jedenfalls etwas anderes vor.
    Wenn ich hier am Blog nach “Syndicate” suche erhalte ich überhaupt keinen Treffer – es ist so als gäbe es diese Entwicklung gar nicht: die sprichwörtliche Scheere im Kopf.
    Oder handelt es sich bei “Syndicate” etwa um gar keine Electronic-Arts-Marke? Eine tolle Paraphrase auf die Wirtschaftskrise wurde da in Schweden für Euch hergestellt – sicher nicht ohne Fehler und ein schwieriges Projekt obendrein, angesichts der langjährigen Iso-Fans vom PC, aber auch keines das so unterbelichtet bleiben sollte. Wo besteht hier eigentlich überhaupt noch ein Platz für freies Denken, oder Dichten, wenn zur Dichtung als Mittel etwa unliebsame Bilder aus Videospielen verwendet werden, das die Dichtbilder sind – wie Bilder die es etwa wagen Wirtschaft als Krieg darzustellen. Krieg der in den Suizid treibt -

    • Martin schreibt am 20. März 2012 um 12:38

      Hallo Jürgen, vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast vollkommen Recht, das Jugendschutzprogramm ist eine der in Deutschland gesetzlich vorgesehenen Möglichkeiten, als Anbieter von Online-Inhalten dafür zu sorgen, dass Kinder und Jugendliche Inhalte, die für sie beeinträchtigend sein könnten “üblicherweise” nicht wahrnehmen. Für jugendgefährdende Inhalte gelten strengere Regeln, hier muss man ein Altersverifikationssystem vorschalten. Die Grenze zwischen jugendgefährdend und jugendbeeinträchtigend ist sicherlich manchmal nur sehr schwer zu ziehen. Und richtig ist auch, dass der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag Beschränkungen in der Freiheit von Darstellungsmöglichkeiten im Internet vorsieht. Der Jugendschutz hat in Deutschland eben auch Verfassungsrang.

      Ich bin ebenso wie du entschieden dafür, Computerspiele aller möglichen Genre und Inhalte in den Medien viel umfangreicher und eingehender als bisher kulturkritisch zu begleiten, auch Spiele wie Army of Two oder Syndicate. Hier sollten die gleichen (weiten) Grenzen gelten wie für alle anderen Medien und kulturellen (Medien-)Erzeugnissen auch, also Theater, Literatur, Oper, Bildende Kunst, Film, mediale Darstellungen überhaupt.

      Generell halte ich mich in diesem Blog aber mit Verweisen auf einzelne Spiele von Electronic Arts sehr zurück, nicht aus Gründen der Selbstzensur, sondern weil ich hier zu einer gesellschaftlichen Diskussion einladen und nicht Werbung für einzelne Spiele machen möchte. Zu Syndicate habe ich mich hier aber auch deshalb nicht geäußert, weil die USK noch gar keine Entscheidung getroffen hat. (Darauf, dass das USK-Verfahren mitunter sehr kompliziert und langwierig ist, habe ich ja schon einmal hingewiesen: http://spielkultur.ea.de/kategorien/jugendschutz/muss-ein-strenges-jugendschutzsystem-wirklich-auch-kompliziert-sein).

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