veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2012

Inhaltsklassifizierung aus europäischer Sicht

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Die Europäische Kommission beschäftigt sich schon seit längerem mit dem Thema Jugendmedienschutz in der digitalen Welt. Im Rahmen der „Digitalen Agenda“, einem Maßnahmenplan zur Schaffung eines echten digitalen Binnenmarktes für Inhalte und Dienste, wurden 2011 rund 30 der führenden Online-Unternehmen von der zuständigen EU-Kommissarin Neelie Kroes zum Thema Jugendmedienschutz mit einer wichtigen Aufgabe betraut. Die so genannte CEO-Koalition soll Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor nicht altersgerechten Inhalten in der digitalen Welt erarbeiten, die von allen Mitgliedern gleichermaßen getragen und umgesetzt werden. Bis 2013 soll das Gremium konkrete Vorschläge zu soliden Meldemöglichkeiten, altersgerechten Datenschutzeinstellungen, breiterer Inhaltsklassifizierung, elterlichen Kontrollmöglichkeiten und der Entfernung von Kinderpornografie im Netz erarbeiten.

Als fester Bestandteil meiner täglichen Arbeit, liegt mir als Jugendschutzbeauftragten von Electronic Arts das Thema Inhaltsklassifizierung natürlich besonders am Herzen. Eine transparente und nachzuvollziehende Inhaltsklassifizierung kann einen sehr wichtigen Beitrag zum Jugendmedienschutz leisten. Um Kindern ein sicheres Online-Erlebnis zu ermöglichen, arbeiten wir seit einiger Zeit mit dem Bundesfamilienministerium zusammen und haben all unsere Webseiten und unsere Spielplattform Origin mit einem Label versehen, das von der deutschen Jugendschutzsoftware JusProg ausgelesen werden kann. Wir wissen jedoch aus eigener Erfahrung, dass Einzelinitiativen verschiedener Anbieter nicht ausreichen, um das Internet für Kinder sicherer zu machen. Die Klassifizierung von Online-Inhalten ist nur dann sinnvoll, wenn sich möglichst viele Anbieter auf einen Standard einigen und sich daran beteiligen. Aus diesem Grund begrüßen wir es ausdrücklich, dass sich die EU-Kommission dem Thema auf supranationaler Ebene annimmt und es zusammen mit der Industrie vorantreibt.

Nun wurde am 19. Juli 2012 in Brüssel eine erste Zwischenbilanz gezogen. Um sich einen Überblick zu verschaffen, wurden zunächst Best-Practice-Beispiele von Klassifizierungssystemen in den jeweiligen EU-Ländern gesammelt und hinsichtlich ihrer Effektivität verglichen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in ein Pilotprojekt ein, das in den kommenden Monaten möglichst viele App-Anbieter zur freiwilligen Klassifizierung ihrer Inhalte bewegen soll. Auch die technischen Möglichkeiten für das Zusammenspiel zwischen Kennzeichnung und Jugendschutzsoftware werden neu evaluiert.

Zwar dienen alle Maßnahmen dem Zweck, in möglichst vielen Staaten der EU vergleichbare Standards zu schaffen, jedoch lassen die Ergebnisse des Zwischenberichts darauf schließen, dass eine vollständige Harmonisierung des Jugendmedienschutzes in Europa vorerst nicht angestrebt wird. Es stellt sich jedoch die Frage, ob ein einheitliches Klassifizierungssystem die Ziele der Europäischen Kommission nicht weitaus mehr befördern würde. Denn gerade die Fragmentierung auf europäischer Ebene wurde als eines der größten Hindernisse für einen wirksamen Jugendmedienschutz identifiziert. Die Einführung einheitlicher Systeme zur Einstufung medialer Inhalte, wie das PEGI-System, würde den Jugendmedienschutz in den einzelnen Ländern nicht aufweichen, sondern die europäischer Ebene vereinheitlichen und somit insgesamt stärken.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder

Blog: Initiative „sicher online gehen – Kinderschutz im Internet”

Blog: KJM erkennt erstmals zwei Jugendschutzprogramme an

Blog: Rückblick auf 2011 aus Sicht des Jugendmedienschutzes

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