veröffentlicht von Martin Lorber am 05. Mai 2012

Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder

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Im Rahmen der „Digitalen Agenda“, einer von sieben Leitinitiativen zur Förderung von Wachstum und Beschäftigung in Europa, welche unter der Wachstumsstrategie 2020 zusammengefasst sind, beschäftigt sich die Europäische Kommission schon seit längerem mit dem Thema Jugendmedienschutz in der digitalen Welt.

Europäische Kommission unzufrieden mit uneinheitlichen Standards beim Jugendmedienschutz

Im Sommer 2011 veröffentlichte die Kommission einen Bericht, der die aktuelle Lage des Jugendmedienschutzes in Europa aufzeigt. Dieser beruhte auf einem sehr umfangreichen Fragenkatalog, den die zuständigen Behörden der einzelnen Staaten beantworten mussten. Von besonderer Bedeutung war die Frage, ob die gegenwärtige Politik der einzelnen Mitgliedsstaaten noch immer geeignet und angemessen ist, um in ganz Europa ein hohes Niveau des Kinder- und Jugendschutzes zu gewährleisten. Die Ergebnisse des Berichtes waren in den Augen der Kommissare eher ernüchternd. Insgesamt seien die getroffenen Maßnahmen unzureichend, da die einzelnen Staaten entweder keine angemessenen Maßnahmen treffen oder aber sie verfolgen unterschiedliche und teilweise gegensätzliche Konzepte um zu verhindern, dass Kinder an beeinträchtigende Inhalte im Netz gelangen. Ein Wirrwarr von unterschiedlichen Alterseinstufungssystemen und technischer Schutzmaßnahmen verhindere einen effektiven Jugendmedienschutz auf supranationaler Ebene. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Europäische Kommission bei diesem Thema einen deutlichen Verbesserungsbedarf sah.

Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder

Nun hat die Kommission ihre Konsequenzen aus den Ergebnissen des Berichts gezogen und eine Strategie vorgestellt, durch die in den kommenden 18 Monaten ein höherer Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet sichergestellt werden soll. Die „Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder“ setzt vor allem auf eine enge Zusammenarbeit zwischen der Kommission, den Mitgliedsstaaten und der Online-Branche.

Da die nationalen Herangehensweisen zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen von Medienkompetenz bei Kindern und einem ungleichmäßigen Schutzniveau in den einzelnen Staaten führen, sollen die strategischen Maßnahmen einer weiteren Fragmentierung vorbeugen. Staatliche Regulierungsmaßnahmen seien zwar nicht ausgeschlossen, jedoch soll der Fokus auf der Selbstregulierung der beteiligten Unternehmen liegen.

Erste Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie werden von der Europäischen Kommission bereits konkret benannt. Es sei Aufgabe der Online-Branche ein allgemein anwendbares, transparentes und einheitliches Konzept für eine EU-weite Alterseinstufung für Online-Inhalte auszuarbeiten und dieses so zu gestalten, dass sie von einer entsprechenden Jugendschutzsoftware ausgelesen werden können.

Insellösungen nicht förderlich für die Gemeinschaft

Der Bericht der Europäischen Kommission zeigt, dass ein fragmentiertes Jugendmedienschutzgesetz in Europa zu ungleichen Ausprägungen von Medienkompetenz bei Kindern führt. Gleichzeitig variiert das Schutzniveau für Kinder von Land zu Land. In Zeiten des Internets machen Inhalte allerdings vor keiner Grenze halt, so dass nationale Insellösungen auf Dauer kaum haltbar sind. Die Ergebnisse sprechen für eine internationale Harmonisierung des Jugendmedienschutzes, da nationale Alleingänge das ganze Schutzsystem eher aufweichen und zu Ungleichheiten in der Medienkompetenz führen. Im Lichte dieser Entwicklung sollte Deutschland überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, sich möglichst bald dem europäischen PEGI-System anzuschließen. Dies würde den Jugendmedienschutz in Deutschland nicht aufweichen, sondern die europäischer Ebene vereinheitlichen und somit insgesamt stärken.

Weitere Links zum Thema:

Blog: PEGI und der Jugendschutz in Europa: Ein Blick über den Tellerrand

Blog: Wird der Jugendmedienschutz jetzt europaweit harmonisiert?

Blog: USK und FSK sind zukünftig auch für Online-Medien zuständig

Blog: Interview mit Kurt Beck

Blog: KJM bewertet Jugendschutzprogramm positiv

Blog: KJM erkennt erstmals zwei Jugendschutzprogramme an

Kommentare
  1. Julia sagt:

    Theoretisch könnte man einfach Spiele die ab 16 sind nur noch anbieten im Internet an Benutzer die sich vorher entsprechend registriert haben, z.b. über das Trusted Pro System der Electronic Sports League (Perso wird einmal in der Post überprüft und danach kann man dann Spiele im Internet kaufen/ spielen).

    1. Martin sagt:

      Grundsätzlich ist der Jugendschutz im Internet ein äußerst wichtiges Thema. Zugangsbeschränkungen (in der Art wie Sie sie beschreiben) sind Herangehensweisen, die überaus schwierig nachzuhalten und auch technisch zu überprüfen sind. Auch hier sollte neben der Aufklärung und Anleitung zur Medienkompetenz ein europaweites System installiert werden, dass auf der einen Seite Kinder vor bestimmten Inhalten schützt, auf der anderen Seite den Zugang zu digitalen Spielwelten für jedermann ermöglicht.

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