veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2014

Die Spiele, die aus der Kälte kommen – Nordic Region ist Partner der gamescom 2014

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Wenn ein Entwickler ein Spiel erschafft, das mehr Spieler als sein Heimatland Einwohner hat, dann ist entweder das Land sehr klein oder aber das Spiel weltweit extrem erfolgreich. Im Falle von Crowd Control Productions (CCP) aus Island treffen beide genannten Faktoren aufeinander. Seit über 10 Jahren wird ihr erfolgreiches Weltraum MMO EVE Online von über 500.000 Abonnenten gespielt. Island hat hingegen nur rund 320.000 Einwohner. Diese Art Erfolgsgeschichten werden sicherlich im Mittelpunkt stehen, wenn die gamescom in diesem Jahr nach Kanada (2010), Großbritannien (2011), Korea (2012) und Frankreich in 2013 mit der „Nordic Region“ Skandinavien als Partnerregion begrüßt. Neben dem bereits angesprochenen Island gehören auch Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden zu diesem Verband.

Nun verbindet man ja mit den skandinavischen Ländern nicht sofort eine starke Gamesbranche oder große Spieletitel. Das ist allerdings ein Trugschluss. Obwohl sie gemessen an der Einwohnerzahl eher klein sind, besitzen die einzelnen Länder allesamt eine Historie des digitalen Spiels, die sich sehen lassen kann. Besitzen doch die skandinavischen Länder trotz ihrer unterschiedlicher Sprach- und Kulturräume einige Gemeinsamkeiten, die sich förderlich auf eine erfolgreiche und lebendige Gamesbranche in Skandinavien auswirken.

Alle Länder besitzen eine sehr gut ausgebaute technische Infrastruktur und eine sehr technikaffine Bevölkerung. Gemeinsam mit einem hervorragenden Bildungssystem, welches auch zunehmend speziell auf die Spieleindustrie zugeschnittene Programme anbietet, ist somit für einen steten Fluss an qualifizierten Nachwuchs gesorgt. Zwar sind die einzelnen Märkte für sich genommen recht klein, jedoch liegen die skandinavischen Länder weltweit ganz vorne bei dem Vergleich des pro Kopf BIP. Alle 5 Länder der Nordic Region haben zum Beispiel ein höheres pro Kopf BIP als Deutschland. Trotzdem geben sich skandinavische Firmen meist von Beginn an eine sehr internationale Ausrichtung. Gleichzeitig gibt es in vielen der Länder verschiedenartige Förderprogramme für die Spieleindustrie. Die Bandbreite reicht von Steuervorteilen bis hin zu konkreter Förderung durch öffentliche Institutionen.

Um diese gute Ausgangslage weiter auszubauen, haben die Verbände von Dänemark, Island, Schweden, Norwegen und Finnland ein gemeinsames Projekt ins Leben gerufen. 2012 gründeten sie das „Nordic Game Institute“ um Aktivitäten grenzüberschreitend zu koordinieren. Gemeinsam vertreten Sie einen Markt von knapp 26 Mio. Einwohnern, was für Europa den 7. Platz bedeutet.

Die „Nordic Region“ ist ein schönes Beispiel dafür, wie eine kleine Region sich international behaupten kann. Hierzulande ist das alles etwas schwieriger. Wir haben hier in Deutschland zwar einen der absatzstärksten Märkten, doch im Relation dazu werden hier aber nur recht wenige neue Spiele entwickelt. Eine Förderung nach skandinavischem Beispiel wäre hier sicherlich ein gangbarer Weg.

Hier ein kleiner Einblick zu den Ländern der Nordic Region.

Dänemark:

Dänemarks Spieleindustrie befindet sich aktuell im Wandel. War die Branche früher von wenigen großen Firmen geprägt, so gibt es inzwischen zusätzlich auch immer mehr kleine Teams, die mobile Games oder aber Serious Games programmieren. 2012 zählte die Branche rund 150 Firmen mit knapp 1.000 Mitarbeiter. Die bekanntesten Spiele aus Dänemark sind sicherlich die Hitman Reihe und das eindrucksvoll schwermütige Indiegame LIMBO. Dazu kommen noch die zahlreichen Spiele aus dem LEGO-Universum, die allerdings fast ausschließlich nicht in Dänemark produziert werden.

Finnland:

Es kann wahrscheinlich kaum jemand von sich behaupten noch nie ein Spiel aus Finnland gespielt zu haben. Einer der bekanntesten Exporte des Landes ist nämlich das weltweit gespielte Angry Birds. Das mobile Game ist allerdings nur eines aus seiner ganzen Reihe von mobile Games, die Spieler in der ganzen Welt begeistern. Auch Clash of Clans oder Hay Day sind finnische Spiele. Doch auch im Bereich “klassischer” Spiele gibt es hier einige bekannte Namen, wie Trine oder Alan Wake, zu nennen. Digitale Spiele sind finanziell gesehen, Finnlands wichtigster kultureller Export. So verwundert es auch nicht, dass die finnische Industrie von einem öffentlichen Förderprogramm profitiert, auf das Entwickler anderer Länder neidisch blicken. Neben einer rein monetären Förderung, es stehen etwa 70 Mio. Euro zur Verfügung, werden auch Hilfestellungen bei der Ausarbeitung von Geschäftsplänen oder Netzwerken angeboten. Sicherlich ein gutes Vorbild für andere Länder.

Island:

Auch wenn die Behauptung, die isländische Gamesindustrie und der EVE-Online Entwicler CCP wären ein und dasselbe, sicherlich übertrieben ist, so kommt sie zumindest nahe an die Wirklichkeit heran. Der Verband der „Icelandic Game Industry“ hat aktuell ganze acht Mitglieder. Darunter viele von ehemaligen Mitarbeitern CCPs gegründete Unternehmen. Allerdings ist der Verband durchaus aktiv bei der Vertretung der Interessen der Spieleindustrie in Island. Eine interessante Maßnahme ist die Ausrichtung des Wettbewerbs GameCreator, bei dem alle Teilnehmer einen Einblick in die Mechanismen der Start-Up-Industrie bekommen sollen.

Norwegen:

Die norwegische Spieleindustrie umfasste 2012 fast 80 Studios mit knapp 500 Mitarbeitern. Das größte und wohl auch bekannteste Studio ist Funcom, Entwickler bekannter MMOs wie „Age of Conan“ oder „The Secret World“. Zwar gibt es in Norwegen schon länger eine staatliche Förderung über das Norwegian Film Institute (NFI), diese wird jedoch vor allem kleineren Projekten gewährt, wo schon kleine Beträge einen großen Effekt haben. Große Firmen wie funcom haben schon jetzt einen großen Teil der Entwicklung ihrer Spiele nach Kanada ausgelagert. Die dortige Förderung der Spieleindustrie ist vorbildlich. Die Entwicklung in Norwegen sollte allen anderen Ländern eine Mahnung sein.

Schweden:

Das Land mit den meisten Einwohnern der Nordic Region hat zumindest personell die größte Spieleindustrie. 2012 arbeiteten rund 1900 Menschen für 174 Unternehmen. Der Fokus der vielen großen Entwickler und kleinerer Indie-Studios liegt ganz klar auf Unterhaltung. Zu den bekanntesten Studios aus Schweden gehören sicherlich DICE, das mit der Battlefield Reihe, für eine unserer größten Marken verantwortlich ist und Mojang, die Macher von Minecraft. Doch nicht nur bei der Entwicklung von Spielen, auch in der gelebten Spielkultur gibt es faszinierende Leuchtturmprojekte. In Jönköping, findt regelmäßig die größte LAN-Party der Welt statt. Der „Dreamhack„. Einer halbjährlich stattfindenden Mischung aus LAN-Party, Festival und eSport-Event mit rund 25.000 Teilnehmern.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Ein Porträt: Frankreich – Partnerland der gamescom 2013

Blog: Der virtuelle Sportplatz – Korea: Partnerland der Gamescom

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