veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2013

Die große Koalition und die Games

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Ganz Deutschland schaute in den letzten Wochen gespannt auf die Koalitionsverhandlungen von CDU, SPD und CSU in Berlin. Kein Wunder! Entscheidet sich hier für viele Themen die Richtung der kommenden Jahre. Doch natürlich wurde nicht nur über Mindestlohn und Steuererhöhung diskutiert, sondern auch das Thema „digitale Spielkultur“ ausführlich behandelt. Dies spiegelt die wachsende Bedeutung von Computer- und Videospielen als Leitmedium der digitalen Generation und großer Wirtschaftsfaktor für den Standort Deutschland wider. Insgesamt lassen sich die „spielerischen“ Punkte des Koalitionsvertrags unter den drei Punkten Archivierung, Jugendmedienschutz und Förderung zusammenfassen.

Digitale Spiele werden explizit dem kulturellen Erbe zugewiesen, das gesichert werden muss, damit es auch nachfolgenden Generationen erhalten bleibt. Geeignete Archivierungsmöglichkeiten sollen gefunden werden. Zu diesem Thema denkt der geneigte Leser natürlich sofort an das Berliner Computerspielmuseum oder das Archiv der USK, das mit über 30.000 Titeln eines der größten der Welt ist. Da bei der Archivierung alter Spiele durchaus einige Schwierigkeiten zu überwinden sind, wie auch ein im letzten Lesenswert vorgestellter Artikel zeigt, freut es mich zu hören, dass hier Handlungsbedarf gesehen wird.

Regelmäßige Leser werden wissen, dass mir als Jugendschutzbeauftragter von EA Deutschland das Thema Jugendmedienschutz sehr am Herzen liegt. Nicht nur beruflich ist es in meinen Augen wichtig hier optimale Rahmenbedingungen für alle Beteiligten zu schaffen, um gemeinsam die besten Ergebnisse für die betroffenen Jugendlichen zu erzielen. Denn die moderne Informationsgesellschaft mit ihrer theoretischen Möglichkeit eine unüberschaubare Menge an Informationen zu jeder Zeit und überall abzurufen und ihrer zunehmenden Grenzenlosigkeit der Informationsflüsse, stellt den Jugendmedienschutz vor eine schwierige Aufgabe. Der Koalitionsvertrag betont die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft um Instrumente zu entwickeln, die den neuen Herausforderungen gewachsen sind. Eine Gesamtstrategie soll her, die sich nicht nur auf eine einzelne Maßnahme konzentriert, sondern Regulierung; Anbieterverantwortung und – in meinen Augen ganz besonders wichtig – die Stärkung der Medienkompetenz bei Eltern und Jugendlichen verknüpft. Dabei sollen alle Maßnahmen nicht nur auf nationaler Ebene geschehen, sondern auch in internationaler Zusammenarbeit realisiert werden. Gut so! Wies doch schon die die Europäische Kommission im Rahmen ihrer „Digitalen Agenda“ darauf hin, dass die Fragmentierung der Maßnahmen in den einzelnen Ländern nicht förderlich für einen wirksamen Jugendmedienschutz auf supranationaler Ebene sei.

Auch ein weiteres meiner Steckenpferde wird im Koalitionsvertrag festgehalten. Die Förderung der Gamesbranche. Die Große Koalition bekennt sich zu dem Umstand, dass die Entwicklung von Computer- und Videospielen einer großen kreativen Leistung und technischer Kompetenz bedarf. Diese soll gefördert und weiterentwickelt werden. Zwar werden hier über eine Stärkung des Deutschen Computerspielpreis hinaus keine konkreten Punkte oder Maßnahmen benannt, allerdings hoffe ich sehr, dass die Beteiligten die Bedeutung einer insgesamt größeren und strategischeren Förderung für die Branche erkennen und daraus ihre Schlüsse ziehen. Als kreativer Innovations- und Technologiemotor ist die Gamesbranche ein wichtiger Bestandteil für die zukünftige Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Es wäre ein weiterer wichtiger Schritt dahin, dass der deutsche Standort seine Attraktivität für Spielentwickler langfristig steigert und gegenüber anderen Ländern wie beispielsweise den USA, Kanada, Frankreich und Japan aufholt. Denn diese haben das Potential schon längst erkannt und fördern gezielt ihre Kreativwirtschaft. Um das zu erreichen müssen politische Rahmenbedingungen angepasst und vorhandene Potenziale ausgeschöpft werden.

Man kann gespannt sein, wie diese Vorhaben in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt werden. Persönlich würde es mich sehr freuen, wenn hier dem Sinne des Vertrags auch Taten folgen, die diesem entsprechen. Denn sie gehen schon in die richtige Richtung und würden sowohl Gesellschaft und Wirtschaft zugutekommen.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Interview mit Prof. Dr. Müller-Lietzkow über die Gründung eines Kompetenzzentrums für Game Studies und der Positionierung der Industrie.

Blog: Inhaltsklassifizierung aus europäischer Sicht

Blog: Tag der offenen Tür bei der USK in Berlin

Kommentare
  1. Übrigens freut sich auch das Team der Stiftung Digitale Spielekultur, dass unsere Arbeit gewürdigt wird und als unterstützungsfähig in den Vertrag aufgenommen wurde: „Die gemeinsam durch den Deutschen Bundestag, die Bundesregierung und die Computerspielewirtschaft initiierte und mittlerweile gegründete Stiftung Digitale Spielekultur soll gemeinsam mit den Marktteilnehmern weiter ausgebaut werden,
    um in den Schwerpunkten Wirtschaft und Ausbildung, Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur sowie Forschung und Wissenschaft neue Impulse setzen zu können.“ So steht es auf Seite 137.

    1. Da kann ich nur zustimmen. Die Würdigung der Stiftung Digitale Spielkultur ist ganz wunderbar und hilft sicherlich bei der künftigen Arbeit.

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