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veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2015

Computerspielbranche in Köln: Zu Besuch bei EA

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Die Computerspielbranche in Köln bildet ein Zentrum der deutschen Computerspielbranche. Insbesondere zur gamescom schaut die Welt auf die Stadt am Rhein. Darüber hinaus hat Köln in Sachen digitale Spiele jedoch viel mehr zu bieten. Hier sitzen viele wichtige Unternehmen und Institutionen wie Electronic Arts, die TH Köln mit dem Cologne Game Lab sowie Turtle Entertainment und die ESL. Gleichzeitig entwickelt sich in Köln eine lebhafte Szene kleiner Entwicklerstudios wie „The Good Evil“, die zum Beispiel das mehrfach ausgezeichnete Kinderspiel „Squirrel & Bär“ entwickelten. Köln hat das Potential, ein internationaler bedeutsamer Standort für digitale Spiele zu werden.

Rahmenbedingungen der Computerspielbranche in Köln

Um über dieses Potential der Computerspielbranche in Köln und Deutschland im internationalen Vergleich zu sprechen, luden wir gestern Kölner Bundestagsabgeordnete zu uns ein. Denn eines ist sicher: Die politischen, gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen für die Computerspielbranche könnten besser sein. Dies wollten wir der Politik aufzeigen und mit ihr diskutieren. Heribert Hirte (CDU) und Matthias W. Birkwald (Die Linke) nahmen unsere Einladung an und diskutierten fleißig mit.

v.l. Heribert Hirte (MdB CDU), Nadine Monschau (Senior Manager Localization), Matthias W. Birkwald (MdB DIE LINKE) und Jens Kosche (Geschäftsführer Electronic Arts Deutschland) beim Besuch der Kölner Bundestagsabgeordneten in der Unternehmenszentrale von EA Deutschland um sich über die Potentiale der Computerspielbranche in Köln zu unterhalten.
v.l. Heribert Hirte (MdB CDU), Nadine Monschau (Senior Manager Localization), Matthias W. Birkwald (MdB DIE LINKE) und Jens Kosche (Geschäftsführer Electronic Arts Deutschland) beim Besuch der Kölner Bundestagsabgeordneten in der Unternehmenszentrale von EA Deutschland um sich über die Potentiale der Computerspielbranche in Köln zu unterhalten.

Computerspielbranche in Köln mit großem Potential

Bei dem Besuch erhielten die Abgeordneten einen Eindruck von der wachsenden Relevanz der Branche als Arbeitgeber sowie Technologie- und Innovationstreiber. In der deutschen Computer- und Videospielbranche sind rund 30.000 Menschen beschäftigt. Der Umsatz digitaler Spiele sowie Spielekonsolen betrug 2014 in Deutschland 2,67 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr wurden elf Prozent mehr umgesetzt. Die Branche ist damit der wachstumsstärkste Medien- und Unterhaltungsmarkt hierzulande. Deutschland zählt zu den größten Absatzmärkten weltweit. Damit dies auch so bleibt, diskutierten wir folgende Themen:

Digitale Spiele als Innovationsmotor

Die Computer- und Videospielbranche ist die innovativste und internationalste Branche der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft. Jeder zweite Deutsche spielt inzwischen – mit dem Smartphone, PC oder der Konsole. Technologien unserer Branche, sogenannte Applied Interactive Technologies, finden weit über die Branche hinaus Anwendung. Die Technik beschäftigt Unternehmen aus den Bereichen Pharma, Chemie, Automotion und Bildung. Zum Beispiel nutzen große Automobilunternehmen unsere Expertise, um das Thema User-Interface voranzubringen.

Deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb

Da sich deutsche Unternehmen hier im weltweiten Wettbewerb befinden, wäre die Politik gut beraten, den Standort zu stärken. Als digitale Industrie hat der Ausbau der digitalen Infrastruktur eine enorme Bedeutung für die Computerspielbranche in Köln und Deutschland. Ein rascher, flächendeckender Ausbau der Netze mit schnellen Internetanschlüssen ist geradezu Pflicht. Gleichzeitig darf die Innovationskraft des Internets nicht blockiert werden und müssen wir die Vielfalt digitaler Geschäftsmodelle bewahren. Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) fordert deshalb eine Festschreibung der Netzneutralität. Zur Schaffung eines innovations- und investitionsfreundlichen Klimas muss die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung ausgebaut und Venture Capital systematisch gefördert werden.

Nachwuchskräfte schwer zu finden

Nicht nur wirtschaftlich steht die Computerspielbranche in Köln und Deutschland im internationalen Wettbewerb. Fachkräfte, insbesondere aus dem Kreativ- und IT-Bereich, werden rund um die Welt gesucht. In Deutschland ausgebildete Spezialisten für die Entwicklung von Computer- und Videospielen sind rar gesät. Es fehlen Studienplätze für die Berufsfelder der Computer- und Videospielindustrie und entsprechend qualifizierte Absolventen. Bei der Anwerbung im Ausland erschweren langwierige Visaverfahren und aufwendige Prüfungs- und Anerkennungsverfahren den Prozess. Das macht die Personalplanung schwer kalkulierbar. Dem steigenden Fachkräftebedarf der Branche müssen wir uns stellen. Wir brauchen Auf- und Ausbau von spezifischen Studiengängen, Qualifizierung hiesiger Fachkräfte sowie Erleichterungen bei der Einstellung ausländischer Spezialisten.

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Politiker zu Besuch bei Electronic Arts in Köln

Über all diese Themen haben wir mit Heribert Hirte und Matthias W. Birkwald gesprochen. Nach einer kurzen Einführung zur Branche und Medium gab es eine kleine Führung durch unser Unternehmen. In der Lokalisation erklärte Nadine Monschau, welche Herausforderungen hier warten. Unterschiedliche Kulturen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden. Danach gab es den neusten „Need for Speed“ Trailer zu sehen. Das Produktionsteam zeigte den beiden Gästen, wie solche Kurzfilme entstehen und wie viel Arbeit dahinter steckt. Das Marketing erklärte dann anhand des Trailers, wie modernes Online-Marketing funktioniert. Schmunzeln mussten die beiden MdBs bei ihrem Besuch des FIFA-Datenbank-Teams. Doch nicht etwa über den immensen Aufwand der nötig ist, um Spieler realistisch darzustellen, sondern über die lebhafte Erzählung eines Mitarbeiters über Lukas Podolski. Der wohnte in seiner Kölner Zeit quasi nebenan und kam gerne mal vorbei, um mit uns über seine FIFA-Werte zu diskutieren.

Förderung der Computerspielbranche in Köln wichtig

Insgesamt war es ein sehr schöner und fruchtbarer Termin für uns und unsere Gäste. Matthias W. Birkwald zeigte sich besonders an der Art der Arbeitsverhältnisse interessiert. Gleichzeitig konnten wir ihm, glaube ich, das Medium ein wenig näher bringen. „Ich hätte nicht gedacht, wie detailreich und vielfältig die digitalen Spiele heutzutage sind. Das ist faszinierend“, so Birkwald. Auch Heribert Hirte zeigte sich beeindruckt. „Ich finde es sehr spannend, wie multikulturell sie hier arbeiten.“ Er versicherte uns, die angesprochenen Themen und Probleme noch einmal intensiver mit uns zu besprechen. „Die Themen Industrieförderung, Investitionsklima und Nachwuchsförderung liegen mir besonders am Herzen.“

Kommentare
  1. Hier sieht man alle Seiten der Lobbyarbeit. Natürlich verfolgt EA damit als erstes eigene Interessen. Nichtdestotrotz, ob nun als flache Marketingkampagne oder ernstgemeintes Anliegen, setzt EA weiter auf den Netzausbau und die notwendige Netzneutralität. Hier sieht man das Lobbyarbeit durchaus nicht nur einseitig und negative Auswirkungen hervorbringen kann, wenn ein Unternehmen bereit ist aus Fehlern zu lernen. In den letzten Jahren schadete EA sich ja selbst mit der Schaffung eines neue Marktes – dem Markt der Serverfiles und damit der kommerziellen Ausschlachtung der Gamesserver, welches neben neuen Kapital dem Unternehmen auch schlechte Schlagzeilen einbrachte – in Gestalt des „Netcode“ Shitstorms bei ihren Titeln, die die Frostbite Engine nutzen.
    Lächeln musste ich bei dem „Venture Capital“. Warum hat man hier nicht den Mut es einfach Risikokapital zu nennen. Es ist nunmal ein Risiko neue Spiele, die von alten Mustern und Reihen abweichen, auf den Markt zu bringen. Wer jetzt direkt an Hardline denkt, liegt da nicht unbedingt falsch. Es hat aber mit der eigentlich fehlenden Förderung der Branche in Deutschland nichts zu tun. Der Flop war in dem Fall eigenverschuldet.
    Trotz Wiederholung aller Lobbyisten haben wir in Deutschland keine Fachkräftmangel, sondern eine fehlende Bereitschaft der Bildung und Weiterbildung aus einer Spezialisierung heraus. Dies betrifft gerade im Einstieg in eine neue Branche, die Branche in erster Linie selbst. Und hier sehe ich vorallem großen Nachholebedarf bei den Unternehmen selbst, nicht EA.

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Sie haben Recht, wenn sie bei der Schaffung neuer Spiele von Risikokaptal sprechen. Im Bereich der Unterhaltungskultur kann man einen Erfolg nie garantieren, man muss sich immer wieder aufs Neue anstrengen, innovativ sein und auch bereit sein, ein Risiko einzugehen. Wenn mal ein Spiel nicht erfolgreich ist, macht es keinen Sinn, andere dafür verantwortlich zu machen. Meist hat man schon selbst Schuld.
      Wenn wir von Förderung sprechen, geht es uns auch mehr darum, gute Rahmenbedingungen vor allem für junge und kleine Studios zu schaffen.

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