veröffentlicht von Martin Lorber am 02. Februar 2012

Anerkennung für ein wertvolles Kulturgut

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Die Geschichte der Computer- und Videospiele ist durch massive Entwicklungssprünge gekennzeichnet. Oberflächlich betrachtet lassen sich diese vor allem an einer immer realistischer wirkenden Grafik festmachen. Doch die Weiterentwicklung greift tiefer. Oft sind es heute große Entwicklerteams, die das Zusammenspiel von Bild, Ton und Handlung perfektionieren und dem Spiel eine innere Logik verleihen. Eine Kreativleistung, die der von großen Hollywood-Produktionen mindestens nahekommt – manche würden sogar sagen, diese übertrifft. Nicht ohne Grund gelten Computer- und Videospiele mittlerweile als wertvolles Kulturgut.

Auch die Europäische Kommission erkennt die Bedeutung von Computer- und Videospielen inzwischen an: In ihrem Vorschlag für das Rahmenprogramm „Kreatives Europa“ betont sie ausdrücklich den Beitrag, den die Kultur- und Kreativwirtschaft zu Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Innovation und sozialem Zusammenhalt leistet. Die Computerspieleindustrie, als wichtiger Teil dieser Branche, wird dabei explizit hervorgehoben. Diese Haltung wird auch in Deutschland geteilt: In einer entsprechenden Stellungnahme begrüßte der Deutsche Kulturrat die Würdigung, die der Computerspieleindustrie durch die Aufnahme in das EU-Rahmenprogramm entgegengebracht wird.

Diese Entwicklung ist sehr erfreulich: Sie verdeutlicht die kulturelle Anerkennung, die Computer- und Videospiele mittlerweile genießen. Vor diesem Hintergrund unterstützen wir als Computerspielehersteller den Vorschlag der Europäischen Kommission. Er ist in jeder Hinsicht zukunftsweisend. Die deutsche Politik sollte das klare Signal der Europäischen Kommission nun zum Anlass nehmen, um sich den Stellenwert von Computerspielen für den Standort Deutschland bewusst zu machen.

Computer- und Videospiele gehören längst zu den modernen Leitmedien. Die Industrie besitzt ein immenses wirtschaftliches Potential. Im netzpolitischen Tagesgeschäft finden diese Vorzüge der Branche bislang jedoch nur wenig Beachtung. Es wäre an der Zeit, dass Politiker den gesellschaftlichen Nutzen von Computerspielen anerkennen und ihre Unterstützung öffentlich ausdrücken.

Im Zuge einer stärkeren Wertschätzung der Branche, könnten längst veraltete gesetzliche Rahmenbedingungen überdacht werden: Die Zweiteilung des Jugendmedienschutzes in Jugendschutzgesetz (offline) und Jugendmedienschutzstaatsvertrag (online) bedarf schon seit langem einer Modernisierung. In diesem Zusammenhang sollte die deutsche Politik in Erwägung ziehen, das bereits in 30 Ländern etablierte System der Alterskennzeichnung PEGI einzuführen. Somit würde sie zu einer europäischen Harmonisierung des Jugendschutzes beitragen. Die deutsche Computerspieleindustrie verfügt über ein sehr großes Entwicklungspotenzial. Sie erfreut sich zudem einer enormen Popularität bei Jugendlichen. Die wachsende Anerkennung der Branche sollte daher genutzt werden, um Karrieremöglichkeiten für junge Menschen aufzuzeigen. Hier wäre eine stärkere Vernetzung zwischen Unternehmen und dem Staat sehr wünschenswert.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 4 – Die Jahre nach 2000

Blog: PEGI und der Jugendschutz in Europa: Ein Blick über den Tellerrand

Blog: Muss ein strenges Jugendschutzsystem wirklich auch kompliziert sein?

Web: Rahmenprogramm „Kreatives Europa“

Web: Homepage Deutscher Kulturrat

Web: Homepage der PEGI (pegi.info)

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