veröffentlicht von Martin Lorber am 05. Mai 2014

Wieder Rummel um den Deutschen Computerspielpreis: Sind digitale Spiele nur Kulturgut 2. Klasse?

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Nur noch zwei Tage, dann werden in München wieder die Gewinner des Deutschen Computerspielpreises bekanntgegeben. Doch wie so oft in den letzten Jahren, wird im Vorfeld der Preisverleihung auch in diesem Jahr weniger darum spekuliert, wer denn nun den Preis verdient hat, sondern eher um gesellschaftliche, kulturelle und politische Aspekte des Mediums „digitales Spiel“ gestritten. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass der Deutsche Computerspielpreis kaum ein Jahr ohne diesen besonderen Rummel auskommt.

Waren es in den letzten Jahren eher die Debatten um gewalthaltige Spiele, die mehr oder minder fundiert geführt wurden, geht es in diesem Jahr zum Glück nur am Rande um diesen Aspekt. Auslöser des aktuellen Rummels ist der Rücktritt der beiden Spielejournalisten Andre Peschke und Heiko Klinge aus der Jury des Preises. Per Video begründen sie diesen Schritt mit ihrem bisher vergeblichen Protest gegen einen Passus in den Vergabekriterien, nach denen sich die Jury zu richten hat.

Sie bemängeln die schon im letzten Jahr eingeführten Neuregelung, dass ein Spiel, wenn es mit der Alterskennzeichnung USK 18 (und nur dann!) ausgewiesen ist, eine negative Sonderstellung eingeräumt bekommt. Ein Sieger einer Kategorie kann in eine extra dafür eingeführte Kategorie „Jury Award“ abgeschoben werden, wenn drei Mitglieder der Hauptjury der Ansicht sind, dass das betreffende Spiel nicht im Sinne der Kriterien „pädagogisch und kulturell wertvoll“ ist. Das Preisgeld in dieser neuen Kategorie wird in diesem Fall nur von Wirtschaft und Verbänden getragen und der Preis nicht von politischen Akteuren vergeben, so die Kritik der Redakteure. Die Vermutung liege nahe, dass die politischen Akteure sich hier ein Hintertürchen offen halten wollen, um später im Ernstfall keinerlei Verbindung zu einem unerwünschten Preisträger zu haben. Es sei somit quasi ein Preis zweiter Klasse.

Der Schritt der Redakteure Klinge und Peschke, sich aus einer Jury zurückzuziehen, die an Vergaberegelungen gebunden ist, welche man nicht unterstützt, ist auf jeden Fall konsequent. Meine Hoffnung liegt nun darin, dass der öffentlich zelebrierte und begründete Rücktritt zu einer ernsthaften Debatte führt. Alle Verantwortlichen sollten noch einmal bedenken, welch seltsamen Eindruck eine solche Klausel in den Vergabekriterien erzeugt. Hat man Angst vor unliebsamen Entscheidungen einer unabhängigen Fachjury, die mehr nach kulturellen statt politischen oder sozial erwünschten Gesichtspunkten entscheidet? Hält man von dem Kulturgut Spiel so wenig, dass man in digitalen Spielen für eine erwachsene Zielgruppe etwas Anstößiges sieht? Der Aufschrei beim Grimme-Preis oder ähnlichen wäre immens, wenn hier ebenfalls eine Minderheit der Jury das Ergebnis so beeinflussen könnte. Davon halte ich nichts!

Der Passus sollte noch einmal sehr deutlich überdacht werden. Sonst liegt die Vermutung nahe, dass hier tatsächlich kulturelle Medien mit zweierlei Maß gemessen werden.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Wieder Killerspieldebatte bei Nominierungen zum deutschen Computerspielpreis

Blog: Deutscher Computerspielpreis 2013: Und der Gewinner ist…das Medium Computerspiel

Blog: Bridge Builder statt Spec Ops: The Line? Deutscher Computerspielpreis demnächst im Verantwortungsbereich des Verkehrsministeriums

Blog: Lesenswert #73: Barrierefreie Spiele und ein Plädoyer für das Verkehrsministerium