2014 besuchten rund 335.000 Menschen aller Altersklassen die gamescom. Für den Jugendschutz sorgt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Quelle: gamescom
veröffentlicht von Martin Lorber am 06. Juni 2014

Felix Falk zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jugendmedienschutzes

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Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) feiert heute ihren 20. Geburtstag. Zu diesem Anlass hatte ich die Gelegenheit, ein kleines Interview über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jugendmedienschutzes in Deutschland mit dem amtierenden Geschäftsführer Felix Falk zu führen.

Interview mit Felix Falk, Geschäftsführer der USK zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Jugendmedienschutzes

Felix Falk, Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware
Felix Falk, Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK)

 

Herr Falk, seit nun fast 5 Jahren sind Sie Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Wie würden Sie die Entwicklung des Jugendmedienschutzes in dieser Zeit beschreiben?

Felix Falk: Vor fünf Jahren waren wir in Deutschland gesellschaftlich, politisch und medial noch inmitten der Killerspieldebatte, in der viel zu häufig populistisch, unsachlich und falsch über Computer- und Videospiele geurteilt wurde. Ich bin froh, dass das inzwischen vorbei ist und wir sachlich und produktiv über das Medium und damit auch ebenso sinnvoll über einen guten Jugendschutz sprechen können. Die USK hat sich in den letzten 5 Jahren neu aufgestellt und sich professionalisiert, um die Herausforderungen der Weiterentwicklung des Jugendschutzes angehen zu können. Computerspiele gehören zu den innovationsreichsten Medien. Hier muss Jugendschutz mithalten können.

Hat sich in den 5 Jahren ihrer Tätigkeit die gesellschaftliche Debatte um die Aufgaben der USK in Ihren Augen verändert?

Felix Falk: Ja. Wie gesagt, ist die Debatte deutlich sachlicher und positiver geworden. Inzwischen scheint den meisten klar zu sein, dass das Medium per se vorurteilsfrei zu betrachten ist und je nach Inhalt, sehr positive Effekte auch auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen haben kann. Gleichzeitig ist auch klar, dass es einen starken Jugendschutz geben muss, damit Inhalte, die sich an Erwachsene richten, nicht in Kinderhände geraten.

Was sind die zukünftigen Herausforderungen des Jugendmedienschutzes beim Thema Computer- und Videospiele?

Felix Falk: Zu den Computerspielen, die im Laden stehen, sind die hinzugekommen, die online über das Internet, zum Beispiel im Browser, über Konsolen oder Plattformen wie den App Stores, zugänglich gemacht werden. Hier greifen die traditionellen Jugendschutzmechanismen nicht mehr. Genau auf diese Entwicklungen müssen wir Antworten finden und wir als USK haben hier bereits gute Konzepte, die wir mit unseren internationalen Partnerorganisationen gemeinsam entwickeln. Hier brauchen wir allerdings eine mutige Politik, die nicht an dem Stand von 2003 festhält – so alt sind die derzeitigen Gesetze nämlich – sondern eine Politik, die mutig die neue mediale Situation angeht und uns den Spielraum gibt, uns hier aktiv für den Jugendschutz einzusetzen.

Erst kürzlich ist ein neuer Entwurf für den Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) veröffentlicht und zur Diskussion gestellt worden. Welche Punkte bei einer Novellierung des (JMStV) wären aus Ihrer Sicht besonders notwendig?

Felix Falk: Es gibt einige Punkte, die an den vorliegenden Regelungen verbessert werden müssen. Aber das wichtigste ist, dass die momentanen Vorschläge insgesamt noch viel zu kurz greifen. Bisher werden die Regelungen von 2003 nur leicht nachjustiert. Das bringt den gesetzlichen Jugendschutz im Internet vielleicht auf den Stand von 2007 aber noch lange nicht nach 2014, von der Zukunftsfähigkeit ganz zu schweigen. Hier müssen wir gemeinsam mutig nach vorn denken und die Regelungen so flexibel gestalten, dass auch neue und insbesondere internationale Entwicklungen, die es bereits gibt und bei denen es auch jedes Jahr wieder neue geben wird, ermöglicht werden. Wir haben hier ganz konkrete Vorschläge gemacht und hoffen, dass diese diskutiert werden.

Die USK feiert dieser Tage ihr 20jähriges Bestehen. Wo sehen Sie die USK in 20 Jahren?

Felix Falk: Die USK steht weiterhin für einen guten Jugendschutz, der immer auch bei den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern ankommen muss. Unser Aufgabenbereich wird sich auch in den kommenden Jahren weiter vergrößern, wir werden auf internationaler Ebene vernetzter arbeiten, dabei aber weiterhin immer mit unseren Kennzeichen aufklären, informieren und Jugendschutz ermöglichen.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Gastbeitrag Dr. Murad Erdemir: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ – Kunstvorbehalt und Altersfreigabe durch die USK

Blog: Games und Gesellschaft: Ein Interview mit Andreas Lange (Direktor Computerspielemuseum in Berlin)

Blog: Neuer USK-Bericht zur Klassifizierung von Spielen

Blog: Fleißige USK: Prüfstatistik 2013 veröffentlicht

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