veröffentlicht von Martin Lorber am 10. Oktober 2013

Tag des Nacherzählten Spiels

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Eine der ureigensten kulturellen Ausdrucksformen der Menschheit ist das Erzählen von Geschichten. Unabhängig von Kulturkreisen oder zeitlichen Epochen sind Menschen von ihnen fasziniert, lassen sich von ihnen aus dem Alltag entführen und ihre Sehnsüchte erfüllen. Zu Beginn vor allem mündlich von Generation zu Generation weitergegeben, wurden doch immer auch die neusten technischen Möglichkeiten genutzt, um Geschichten zu transportieren und sie für die Nachwelt zu konservieren. Jedes neue Medium, egal ob Buch, Radio, Film, Comic oder Videospiel wurde mit all seinen Stärken und Schwächen adaptiert und als Rahmen für spannende Erzählungen herangezogen.

Als vielleicht jüngstes Medium zum Transport von Geschichten bieten Spiele zahlreiche Ansätze und Möglichkeiten diese zu erzählen. Einige davon bekannt und für das Medium neu interpretiert, andere aufgrund der Interaktivität von Spielen in ihrer Wirkungsweise und Struktur einzigartig. Nicht alle Spiele legen ihren Schwerpunkt auf die Geschichte. Es gibt genügend Games die ihren Spielspaß aus Geschicklichkeitsprüfungen oder der Spielmechanik ziehen. Grundlegende oder zumindest rudimentäre Handlungsrahmen haben sie jedoch fast alle.

Am vergangenen Samstag fand in Berlin-Friedrichshain im Filmclub K18 eine interessante Veranstaltung statt, die gleichermaßen dem Erzählmedium Spiel als auch der ursprünglichen oralen Tradition des Geschichtenerzählens huldigte. Bei der „Nacht des nacherzählten Spiels“ blieben die Bildschirme aus, stattdessen mussten Besucher ihr Kopfkino spielen lassen. Drei geladene Erzähler boten sich einen kleinen Wettstreit im Nacherzählen der Handlung eines Spiels. Gemeinsam mit drei weiteren Nacherzählern aus dem Publikum, stellten sie sich dem Urteil der Zuschauer.

Inhalte wurden den Teilnehmern selbst überlassen. Vorgaben für die Erzählungen gab es keine. Alles war möglich. Zum Beispiel handelte eine Geschichte von dem apokalyptischen Fallout Universum, eine andere Story befasste sich mit dem Western-Epos Red Dead Redemption.

Hier wurde gezeigt, dass sich die unterschiedlichsten Medien untereinander ergänzen und in ihrer Entwicklung weiterbringen können.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Die Identifikation mit Protagonisten

Blog: Narrative Strukturen in Computer- und Videospielen

Blog: Die Reise des Helden im Videospiel

Web: Stiftung Digitale Spielkultur

Web: Gamestorm Berlin

Kommentare
  1. Stan sagt:

    Hier wurde nicht nur gezeigt, dass sich die unterschiedlichsten Medien untereinander ergänzen und in ihrer Entwicklung weiterbringen können, sondern auch, dass Herr Lorber in der Lage ist, Dinge zu bewerten, bei denen er selbst gar nicht vor Ort gewesen ist.

    1. Hallo,

      ich stelle in regelmäßigen Abständen Projekte und Veranstaltungen aus der Welt der digitalen Spielkultur vor, die mir spannend oder vorbildlich erscheinen. Unabhängig davon, ob ich persönlich anwesend sein konnte oder nicht. Hiermit versuche ich einen Beitrag dazu zu leisten, dass Computer- und Videospiele in der öffentlichen Wahrnehmung als vielfältiges und spannendes Kulturgut akzeptiert werden. Natürlich wäre ich gerne auf viel mehr Veranstaltungen anwesend, aber leider geht das nicht immer ohne weiteres. Wenn Sie in einem meiner Blog Beiträge lesen „Gestern war ich…“ oder „Besonders gefallen hat mir…“ dann können Sie auch sichergehen, dass ich selber vor Ort war…=)

      Beste Grüße

      Martin Lorber

  2. Gamer sagt:

    Ich finde es grundsätzlich gut, dass auch mal die kulturelle Seite von Computer-Spielen beleuchtet wird. Irgendwie ist das Thema „Gaming“ in der breiten Bevölkerung doch nach wie vor (negativ) vorbelastet und wird als absonderlich abgetan. Jetzt kann man sicherlich stark zwischen dem kulturellen Wert verschiedender Genres unterscheiden, aber allein was an handwerklichen Fertigkeiten für die Erstellung eines Computerspiels erforderlich ist ist zumindest auf der schöpferischen Seite beeindruckend. Das steht in keinster Weise klassischen Künstlern wie Autoren, Malern, Bildhauern, Musikern etc. nach – im Gegenteil. Bei genauerer Betrachtung wird jedes Game von exakt diesen Leuten zum Leben erweckt – vereint also all die Berufe, die auch in der breiten Masse als „Kulturelle“ oder „Kulturschöpfer“ angesehen werden. Das ist aber offensichtlich den wenigsten klar und es bedarf (leider) derartiger Veranstaltungen, um den kulturellen Anspruch von Computer-Games auch der weniger reflektierten Masse vorzuführen.

    In diesem Sinne, frohes Schaffen!

    1. Eigentlich ist ihrer Einschätzung des Themas nichts mehr hinzuzufügen. Ich würde sie so unterschreiben. Mit einer kleinen Einschränkung bezüglich der von Ihnen angesprochenen negativen Vorbelastung. Diese sehe ich aktuell so gut wie gar nicht mehr. Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan und Viele legen inzwischen eine ähnliche Meinung wie Sie an den Tag. Trotzdem haben Sie recht, wenn Sie sagen, dass Veranstaltung wie der Tag des nacherzählten Spiels wichtig sind. Sie halten das Bild aufrecht und zeigen, welche Bandbreite das Medium haben kann.

      1. Gamer sagt:

        Hallo Herr Lorber,

        ich muss Ihnen Recht geben in dem Punkt, dass sich in den letzten Jahren sehr viel getan hat und sich die Branche ein gutes Stück aus der „dunklen/verrufenen“ Ecke herausbewegen konnte. Auch ist sicherlich im Gesamtbevölkerungsdurchschnitt die Meinung zu Computerspielen eine bessere als zuvor. Man sollte sich aber auch nicht täuschen lassen – gerade die populären Stimmen (z.B. Politiker, Verlage etc.) , die Gamer mittlerweile fast überschwinglich und offenkundig willkommen heissen, tun natürlich gut daran, sich dieses Publikum warm zu halten. Fragt man dann nochmal abseits der Öffentlichkeit, sieht die persönliche Meinung vielleicht schon wieder anders aus. Aber im Wesentlichen haben Sie natürlich Recht – und das ist auch gut so.

        Ein schönes Wochenende.

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