veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2012

Strategiespiele: Von Schach bis Command & Conquer

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Zu Beginn der Reihe zu den wichtigsten Computerspiel-Genres habe ich Ihnen vor kurzem schon das Genre Survival-Horror in einem Beitrag vorgestellt. Nun möchte ich mich mit einem weiteren beliebten Genre auseinandersetzen: dem Strategiespiel.

Denn schon seit Menschen spielen, sind Strategiepiele sehr populär. Da die Ursprünge klassischer Strategiespiele wie Schach, Go, Backgammon oder Mühle teilweise bis weit vor die Geburt Christi zurückreichen, kann man sicherlich von einem der ältesten Spielegenres der Menschheit sprechen. Alle diese Spiele haben eine Gemeinsamkeit: Sie simulieren mehr oder weniger abstrahiert die Kriegsführung. In alten Zeiten ein sehr bestimmender Teil des alltäglichen und politischen Lebens. Sozialer Status ging oftmals eng mit dem Beweis martialischer Fähigkeiten und des strategischen Geschicks einher. In Friedenszeiten dienten Spiele dazu, sich freundschaftlich mit anderen zu messen und die eigenen Fähigkeiten zu schärfen.

In der heutigen Zeit hat sich der martialische Aspekt glücklicherweise reduziert. Die Faszination und Begeisterung jedoch sind geblieben. Moderne Spiele wie die Klassiker Risiko, Schiffe versenken oder so genannte Tabletop-Strategiespiele, lassen Spieler auch heute noch Schlachten in historischen oder fiktiven Szenarien nacherleben. Wenig verwunderlich also, dass Strategiespiele derart tief in der digitalen Spielkultur verwurzelt sind.

Die Anfänge

Obwohl genreunabhängig fast alle Computer- und Videospiele strategische und taktische Elemente beinhalten, hat sich schon sehr früh ein eigenständiges Genre gebildet. Orientierten sich die ersten Spiele wie Battle Chess noch an realen Vorbildern, so entwickeln sich mit der Zeit eigenständige Spielideen und Mechaniken. In dem 1989 erschienenen „North and South“ stellt der Spieler auf satirische Art den amerikanischen Bürgerkrieg nach. Der eher rudimentären Verwaltung der eigenen Armeen und ihrer Nachschubwege auf einer großen Karte der USA, stehen Schlachten in Echtzeit und einige Geschicklichkeitspassagen gegenüber. Der strategische Aspekt ist hier zwar schon sehr ausgeprägt, jedoch noch nicht das bestimmende Spielmerkmal.

Ganz anders bei der berühmten Battle Isle-Reihe: In dem 1991 erschienenen Titel übernimmt der Spieler die Kontrolle über eine gewaltige futuristische Armee und muss sich Runde für Runde unter der Berücksichtigung komplexer Regeln und wechselnder taktischer Umstände gegen seine Gegner durchsetzen.

Zur gleichen Zeit erschien der erste Teil einer der legendärsten digitalen Spieleserien: Sid Meiers‘ Civilization. Der Spieler hat die Aufgabe seine Zivilisation aus einer kleinen Keimzelle in ein Kontinente umspannnendes Weltreich zu verwandeln. Durch kluge Stadtplanung, Landschaftsbesiedlung und Erforschung neuer Technologien weitet der Spieler Schritt für Schritt seinen Einfluss aus, bis er schließlich eines der vorgegebenen Ziele erreicht. Das Spiel basiert auf historischen Vorbildern und lässt den Spieler reale Zivilisationen durch alle Epochen hindurch begleiten. Durch erklärende Texte mit historischen Fakten zu verschiedenen Stadtverbesserungen, Einheiten und Forschungsfortschritten, kommt es zusätzlich zu einem Lerneffekt.

Rundenbasierte Strategiespiele beginnen meistens recht gemächlich, wachsen jedoch im fortscheitenden Spielverlauf zu wahren Komplexitätsriesen heran. An jeder Ecke lauern Probleme und jede kleine Drehung an einzelnen Stellschrauben hat große Auswirkungen auf das Gesamtgefüge. Eine ausgeprägte Abstraktionsfähigkeit und eine hohe Kombinationsgabe sind für die erfolgreiche Bewältigung der Spiele unerlässlich.

Die Weiterentwicklung

Mit zunehmender Leistungsfähigkeit der Hardware konnten neue Spiele immer dynamischer gestaltet werden. Ein Trend, der auch im Genre der Strategiespiele Einzug gehalten hat. Mit den so genannten Echtzeitstrategiespielen entwickelte sich ein völlig neues Subgenre. Obwohl auch schon andere Spiele Elemente der Echtzeitstrategie (RTS) enthielten, gilt das 1992 erschienene Dune II als das erste RTS-Spiel, an dessen Spielmechanik nachfolgende Titel nur noch geringfügige Änderungen vornahmen. Dune II brach mit der rundenbasierten Mechanik und lässt das Spielgeschehen in Echtzeit ablaufen. Der Spieler kann zwar das Spiel pausieren, ist in dieser Zeit jedoch auch nicht handlungsfähig. Durch die Notwendigkeit des Basenbaus und des dazu benötigten Rohstoffmanagements, wurde dem Spiel ein wirtschaftliches Element hinzugefügt.

Zum großen Durchbruch wurde dem Genre durch die Einführung zweier neuer Spielserien verholfen: Warcraft (1994), das die Welt des immer noch beliebtesten Online-Rollenspiels „World of Warcraft“ erschuf, und Command & Conquer (1995), eine bis heute gepflegte und sehr beliebte Marke. Diese nahmen das bewährte Spielprinzip von Dune II auf und verbesserten durch die Einführung einiger Komfortfunktionen und eine packende Inszenierung der Hintergrundgeschichte das Spielerlebnis. Im Gegensatz zu rundenbasierten Spielen, steht der Spieler stets unter dem Druck schnelle Entscheidungen treffen zu müssen. Eine Pausenfunktion, die es dem Spieler ermöglicht, Entscheidungen gemächlich zu planen, gibt es nicht. Demnach sind schnelle Auffassungsgabe, gute Reflexe und sehr flinke Finger notwendig, um sich gegen seine Mitspieler durchzusetzen.

Strategiespiele heute

Heute dominieren RTS-Spiele und Hybriden das Genre. Das hat einen einfachen Grund: Titel wie die Total War-Reihe vereinen die besten Elemente rundenbasierter Games und der Echtzeitstrategie in einem Spiel. Erfolgreiche Reihen wie Command & Conquer erfinden sich immer wieder neu und erfreuen sich dank aktueller Titel immer noch reger Beliebtheit. Zwar erscheinen immer noch neue rundenbasierte Strategiespiele, diese sind jedoch in den meisten Fällen hochkomplexe Titel wie Hearts of Iron oder Europa Universalis und sprechen damit hauptsächlich eine Gruppe von Liebhabern an.

Einen sehr weitreichenden Einfluss hat das Genre auf den elektronischen Sport genommen. Denn neben Sportspielen wie FIFA, nehmen RTS-Spiele einen sehr prominenten Platz beim E-Sport ein. Vor allem StarCraft (1998) und sein aktueller Nachfolger begeistern die Massen rund um den Globus. Gerade in Südkorea werden die Stars der Szene gefeiert wie hierzulande Lionel Messi oder Mesut Özil. Die erfolgreichsten Spieler sind Profis, da für den erfolgreichen Abschluss eines Turniers ein Trainingsprogramm notwendig ist, das sich in keiner Weise vor dem Pensum der Spitzensportler klassischer Sportarten verstecken muss.

Strategiespiele fordern sehr viel von ihren Spielern, doch wo sie fordern, da fördern sie auch. Durch Strategiespiele lernen Spieler Probleme zu knacken und komplexe Systeme zu analysieren und zu verstehen. Während des Spiels müssen zahlreiche Prozesse gleichzeitig im Kopf ablaufen, so dass interaktives, analytisches und operatives Denken von Nöten ist. Alles Fähigkeiten, die in unserer modernen Gesellschaft in vielen Bereichen sehr hilfreich sein können.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 1 – von Pong bis zum Atari 2600

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 2 – der erste Crash und die Weiterentwicklung der Industrie

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 3 – die Goldenen Neunziger

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 4 – Die Jahre nach 2000

Blog: Der virtuelle Sportplatz – Korea: Partnerland der Gamescom

Blog: Das Genre Survival-Horror

Kommentare
  1. Niklas sagt:

    Strategiespiele sind einfach super. Da kann man endlich mal auch seine Zellen nutzen. Das bringt ganz viel Spass.

  2. Maci sagt:

    Bei Strategiespiele ist es nicht so, dass es den Kick an Adrenalin gibt wie bei Actionshooter. Strategiespiele sind über längere Zeiten Spielbar.

  3. Schach Fan sagt:

    Da es auch für mich als alter Schachfan was dabei. Sehr cool!

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