veröffentlicht von Martin Lorber am 07. Juli 2012

Steuerung und Controllerentwicklung – Kulturtechnik vs. Nadelöhr: Teil 3 – Gamepad: Körper

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Im zweiten Teil der Beitragsreihe über Steuerung und Controllerentwicklung habe ich mit einem der am weitest verbreiteten Eingabegeräte befasst. Dem Gamepad. Hier konnte man feststellen, dass sich in dessen Entwicklung schon relativ früh bestimmte Elemente und Funktionen durchgesetzt haben, die noch heute in den modernsten Varianten eingesetzt werden. Fast alle aktuellen Gamepads weichen schon seit Mitte der 90er nur noch marginal in Aussehen und Funktion voneinander ab. Der Standard scheint hier festgelegt zu sein. Innovationen sind hier wahrscheinlich nicht mehr unbedingt zu erwarten. Diese gab es auf einem ganz anderen Feld. Zu Beginn des neuen Jahrtausends entwickelten sich verschiedene Bewegungssteuerungen zur Marktreife. Diese verabschieden sich von alten Mustern und bieten völlig neue Möglichkeiten und Spielkonzepte.

Gamepad: Körper

Den Anfang macht das Eye-Toy von Sony. Dies erscheint schon 2003 für die Playstation 2 und erlaubt den Spielern, mit einfachen Gesten in das Spielgeschehen einzugreifen. Sicherlich eine Revolution im Spielebereich. Das Eye-Toy bekommt 2007 mit dem Playstation Eye einen Nachfolger. Auch Microsoft bringt 2010 seine eigene Bewegungssteuerung an den Markt. Mit ihrer Kamera und den Tiefensensoren ermöglicht die Kinect nun auch auf der Xbox 360 Spiele mit dem eigenen Körper zu steuern. Doch nicht nur Besitzer der Xbox 360 können dieses neue Eingabegerät nutzen, da Microsoft auch Software für Windows veröffentlicht, die die Nutzung der Kinect an PCs erlaubt. Hier kann man das große Potential erkennen, das hinter dem Prinzip der Bewegungssteuerung steckt. Schon kurz nach der Veröffentlichung der Kinect kursierten im Internet eine ganze Reihe von (explizit durch Microsoft erwünschten) Hacks, die alternative Anwendungen aller Art zeigen. Die Bandbreite reicht vom Erzeugen von Musik, bis hin zur Steuerung von Robotern.

Mit dem Knüppel in der Hand

Eine etwas andere Richtung schlägt Nintendo 2006 mit der Einführung der neuen Wii Konsole ein. Diese setzt auf Bewegungssensoren, die in einer Sensorleiste über oder unter dem TV platziert werden und die Infrarotquelle an der Vorderseite der Wiimote erfassen. So kann die relative Lage der Fernbedienung zum TV erfasst werden und das Spiel wie mit einer Maus am TV gespielt werden. Ein integrierter Beschleunigungssensor erkennt sowohl die Intensität der Bewegung als auch etwaige Drehungen des Controllers. Der Wii liegt zum Verkaufsstart das Spiel „Wii Sports“ bei, das die Mechanik mit Spielen wie Tennis oder Bowling eindrucksvoll demonstriert. Das Andrehen der Bowlingkugel war ebenso möglich wie das Schlagen des Tennisballs per Top-Spin oder Slice. Das neue Steuerungskonzept ist revolutionär und relativ einfach zu erlernen. Der große Erfolg der Wii schafft es, neue Spielerschichten für das Hobby zu begeistern. 2010 zieht Sony nach und erweitert das Konzept der Playstation Eye um einen der Wiimote nachempfundenen Controller: Der Playstation Move. Die Steuerung funktioniert, indem eine Leuchtkugel an der Spitze des Controllers von der Kamera erkannt und die Bewegungen im Spiel umgesetzt werden.

Spiele streicheln

Eine weitere Neuerung bei der Steuerung von Spielen ermöglicht es den Spielern erstmals, ihre Zuneigung zum Spiel nun auch durch körperliche Liebkosung auszudrücken. Dank Touchscreens wird in Spielen gewischt, gedrückt und gestreichelt, was das Zeug hält. Neben dem 2004 erscheinenden Nintendo DS ist hierfür hauptsächlich die Firma Apple verantwortlich. Ihr iPhone und das iPad geben Spielern auf der ganzen Welt die Möglichkeit, immer und überall kleine Spiele für Zwischendurch zu spielen. Die erfolgreichsten Spiele in diesem Segment sind Angry Birds und Doodle Jump, kleinere Geschicklichkeitsspiele, die sich leicht nebenher und in kurzen Zeiträumen spielen lassen.

Die meisten Spiele für die in diesem Beitrag vorgestellten Steuerungsvarianten lassen sich eher dem Segment Casual Games zuordnen. Geschicklichkeits- oder Partyspiele, die alleine oder gemeinsam für jede Menge Spaß sorgen oder durch ein schnelles Spiel zwischendurch für Kurzweil sorgen. Durch ihre leichte Zugänglichkeit und den geringen Zeitaufwand, der benötigt wird um im Spiel fortzuschreiten, haben diese Spiele und Steuerungskonzepte fast im Alleingang einen sehr großen Teil der Bevölkerung zu Spielern gemacht, die vorher eher weniger mit diesem Hobby anfangen konnten.

Im nächsten Teil der Beitragsreihe möchte ich mich mit all den Absurditäten und sehr speziellen Ideen befassen, die während der Entwicklung von Steuerungsmöglichkeiten erdacht wurden.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Steuerung und Controllerentwicklung – Kulturtechnik vs. Nadelöhr: Teil 1 – Die graue Vorzeit

Blog: Steuerung und Controllerentwicklung – Kulturtechnik vs. Nadelöhr: Teil 2 – Evergreen Gamepad

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 1 – von Pong bis zum Atari 2600

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 2 – der erste Crash und die Weiterentwicklung der Industrie

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 3 – die Goldenen Neunziger

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 4 – Die Jahre nach 2000

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