veröffentlicht von Martin Lorber am 07. Juli 2012

Steuerung und Controllerentwicklung – Kulturtechnik vs. Nadelöhr: Teil 2 – Evergreen Gamepad

Teilen auf:

Im ersten Teil der Beitragsreihe über Controller und Eingabegeräte habe ich mich noch mit „steinzeitlichen“ Werkzeugen zur Steuerung von Computer- und Videospielen befasst. Zu Beginn waren die Steuerungsmöglichkeiten noch relativ rudimentär und boten wenige alternative Aktionen. Meistens erschöpfte sich das Repertoire schon mit der Richtungsangabe (hoch, runter, rechts und links) und vielleicht noch 1-2 Aktionstasten. Bis heute wurden die Optionen immer mehr erweitert. Zusätzliche Aktionstasten und eine präzisere Steuerung geben den Spielern mehr Handlungsspielraum und weiten die Komplexität der Spiele aus. Diese Entwicklung nahm mit der Einführung des Gamepads seinen Lauf. Über 20 Jahre war das Gamepad das dominante Design zur Steuerung von Spielen und auch jetzt ist es noch nicht aus den weltweiten Haushalten wegzudenken.

Steuerkreuz und Schultertasten

Das erste System mit Gamepad wird von Nintendo an den Markt gebracht. 1983 erscheint in Japan der Nintendo „Family Computer“ kurz Famicom, mit fest angebrachten Gamepads. Neben zwei Funktions- und zwei Aktionstasten wird die Spielfigur, statt wie bisher durch einen Steuerknüppel, mit einem so genannten Steuerkreuz dirigiert. Zwar ist die Ausstattung im Vergleich zu heutigen Modellen noch sehr spartanisch, jedoch können Spiele wie Super Mario Bros und Donkey Kong erstmals mit einer für damalige Verhältnisse sehr präzisen Steuerung gespielt werden. An diesem grundlegenden Design orientieren sich auch die nachfolgenden Konsolen. Sei es das Sega Master System, die Konsolen der 16 Bit Generation, wie das SNES oder der Sega Mega Drive oder aber die tragbaren Konsolen Game Boy und Game Gear, lediglich die Anzahl und Anordnung der Aktionstasten variiert. Mit der Einführung der Schultertasten für das Gamepad des SNES wird ein weiteres Standardelement heutiger Gamepads durch Nintendo entwickelt. Damit sind sie maßgeblich am Design heutiger Gamepads beteiligt.

Griffhörner und Analogsticks

Als nächste Innovation auf dem Weg zum heutigen Design der Gamepads haben sich Griffhörner durchgesetzt. So lässt schon das Gamepad des Sega „Mega Drive“ mit seinen abgerundeten Ausbuchtungen eine bestimmte Ähnlichkeit zum heutigen Aussehen der Gamepads erahnen. Doch erst mit der Einführung der Playstation durch Sony wird das bis heute bestehende Designelement bestimmend. Ihr Gamepad weicht eigentlich fast ausschließlich durch die neue Form von älteren Modellen Nintendos ab. Eine über die reine Optik oder Ergonomie hinausreichende Entwicklung legt kurze Zeit später mal wieder Nintendo an den Tag. Für ihre neue Konsole N64, die im Jahr 1996 erscheint und wie die Playstation die dritte Dimension erobert, statten sie die Gamepads mit einem so genannten Analogstick aus.  Dieser ermöglicht es den Spielern erstmals sich ohne Einschränkungen in der dritten Dimension zu bewegen. Neben der Richtung kann nun auch die Intensität der Bewegung vorgegeben werden. Da in der heutigen Zeit fast alle Spiele in drei Dimensionen spielen, ist der Analogstick trotz vieler neuer Ideen zur Steuerung von Spielen noch nicht wirklich wegzudenken.

Somit ist die Entwicklung des heutigen Gamepads an sich auch schon abgeschlossen. Seit der Einführung der Analogsticks wurden zwar hier und da kleinere Veränderungen eingearbeitet, allerdings beschränken diese sich hauptsächlich auf die Anzahl der Aktionstasten oder Analogsticks. Lediglich die Abschaffung der direkten Kabelverbindung zur Konsole und Einführung des Rumble-Features sorgen noch einmal für einen erhöhten Komfort und direkteres Feedback. Nimmt man das Erscheinungsdatum des N64 als Abschluss, so wurde im Design der Gamepads nun schon vor 16 Jahren der noch heute genutzte Standard entwickelt.

Im nächsten Beitrag meiner Reihe zu der Entwicklung der Eingabegeräte werde ich mich mit den aktuellen Bewegungssteuerungen befassen.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Steuerung und Controllerentwicklung – Kulturtechnik vs. Nadelöhr: Teil 1 – Die graue Vorzeit

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 1 – von Pong bis zum Atari 2600

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 2 – der erste Crash und die Weiterentwicklung der Industrie

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 3 – die Goldenen Neunziger

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 4 – Die Jahre nach 2000

Kommentare
  1. Pingback: Superlicious

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *