Weil das Thema Computerspielsucht immer wieder aufkommt, hier erneut ein paar Thesen zum Thema.
veröffentlicht von Martin Lorber am 10. Oktober 2012

Sportspiele: Vom Rasen auf den Bildschirm

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In fast allen Gesellschafts- und Kulturkreisen spielt Sport in seinen verschiedensten Ausprägungen eine sehr große Rolle und ist über alle Kulturen hinweg ein Ausdruck des friedlichen Wettbewerbs. Dabei leiten sich die modernen Sportarten zu einem großen Teil aus den altertümlichen martialischen Wettbewerben ab, die in Friedenszeiten zum Erhalt der kriegerischen Fähigkeiten ausgerichtet wurden. Schon in der Antike begeisterten die Olympischen Spiele die Menschen und brachten eine Vielzahl von Superstars hervor. Auch in der jüngeren Vergangenheit entwickelten sich Sportereignisse und Sportarten, die ein weltweites Publikum ansprechen. Beispielhaft hierfür kann die Wiederaufnahme der neuzeitlichen Olympischen Spiele und die Entwicklung des modernen Fußballs im 19. Jahrhundert genannt werden. Die Bedeutung von Sport für die moderne Gesellschaft lässt sich nicht zuletzt daran festmachen, dass große Sportereignisse zu den größten Medienereignissen unserer Zeit gehören. Regelmäßige Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele, der NFL Super Bowl, die Fußball Weltmeisterschaft oder die Weltmeisterschaft im Cricket schaffen es mehr als 1. Mrd. Menschen vor dem TV zu versammeln. So ist es natürlich nicht verwunderlich, dass der Sport auch in der digitalen Spielkultur Einzug gefunden hat.

Pong, das erste Spiel, das die Massen begeisterte, kann als eine digitale Variante des Tennis oder Tischtennis angesehen werden. Das Spiel ist für zwei Spieler ausgelegt und hat ein stark kompetitives Element, was sicherlich auch einer der Gründe für den Erfolg von Pong und damit auch für den Siegeszug des Mediums Computer- und Videospiel ist. Dabei ist es natürlich nicht geblieben, denn schon in der frühen Ära des Commodore 64 oder des Amigas erschienen viele weitere, sehr erfolgreiche Sportspiele. Spiele wie Summer oder Winter Games, die verschiedene klassische Disziplinen der Olympischen Spiele simulieren, oder California Games und „Skate Or Die!“, die den zeitgenössischen Hype um Skateboard und Surfen bedienen, begeistern in den 1980er-Jahren die Spieler. Dabei war die Grafik den damaligen Standards entsprechend simpel und die Handlungsmöglichkeiten der Spieler durchaus rudimentär. Diese beschränkte sich oft auf rhythmische Bewegungen mit dem Controller und dem besonders schnellen Drücken von Knöpfen.

Im Laufe der inzwischen schon recht langen Geschichte der digitalen Spielkultur haben fast alle größeren Sportarten ihr eigenes Spiel bekommen. Ob Fussball, Eishockey, Basketball, Baseball, Tennis oder Golf: Für fast alle Geschmäcker ist etwas dabei. Für viele der auch heute noch erfolgreichen Spielereihen wurde schon Mitte der 1990er-Jahre der Grundstein gelegt. Beste Beispiele sind hierfür die Fußballsimulationen FIFA und Pro Evolution Soccer (hervorgegangen aus der International Superstar Soccer Reihe), die heute das Genre dominieren. Diese entwickelten sich, wie auch andere Reihen, seit ihrem ersten Erscheinen stetig weiter, da sie Jahr für Jahr auf bereits Etabliertem aufbauen und kontinuierlich Kernbereiche des Spiels verbessern. So waren in den Anfangstagen der Sportspiele Teams und Sportler meist frei erfunden. Mit der Zeit wurden immer mehr reale Mannschaften und Personen implementiert, was eine viel stärkere emotionale Bindung der Spieler erzeugte. Wer seine Lieblingsmannschaft oder Spieler verkörpert erreicht eine deutlich höhere Immersion in das Spielgeschehen. Dank zunehmender Leistung der Hardware und dem gesteigerten Aufwand bei der Produktion können heute nicht nur die Namen der Spieler sondern auch Statur, Gesichtszüge sowie Stärken und Schwächen der realen Gegenstücke simuliert werden. Das Geschehen auf dem Bildschirm wird von Jahr zu Jahr realistischer.

Die große Beliebtheit der Sportsimulationen lässt sich sicherlich nicht zuletzt dadurch erklären, dass hier der Wettkampfgedanke die Spieler fasziniert und begeistert. Deshalb ist auch der Mehrspieleraspekt eine zentrale Mechanik, die aus den aktuellen Spielen nicht mehr wegzudenken ist. Ob gemeinsam mit Freunden auf der Couch oder über das Internet: Täglich tragen Millionen von Menschen gemeinsam oder gegeneinander Matches in ihren Lieblingssportarten aus. Dem Genre entsprechend ist es wenig verwunderlich, dass Sportspiele auch in der E-Sport-Szene einen sehr prominenten Platz einnehmen. Auf großen Turnieren treten weltweit die besten ihrer Disziplinen gegeneinander an und spielen um große Preisgelder oder den Triumph des Sieges. In Zusammenarbeit mit der DFL wird inzwischen sogar eine virtuelle Bundesliga ausgerichtet, die offiziell in die Strukturen der DFL eingebettet ist.

Das Genre der Sportspiele lässt sich guten Gewissens als eines der beliebtesten und erfolgreichsten seiner Zunft bezeichnen. Zwar gibt es durchaus regionale und kulturelle Unterschiede in der Präferenz der Sportarten – Die in Europa sehr erfolgreichen Fußballsimulationen spielen in den USA so gut wie keine Rolle, da hier vor allem Spiele wie Madden NFL die Verkaufscharts dominieren – eines jedoch scheint allen gemeinsam: Die Liebe zum friedlichen Wettstreit mit Gleichgesinnten. Sportsimulationen sind somit ein sehr schönes Beispiel für kooperative Computer- und Videospiele, die Menschen weltweit zusammenbringen.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 1 – von Pong bis zum Atari 2600

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 2 – der erste Crash und die Weiterentwicklung der Industrie

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 3 – die Goldenen Neunziger

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 4 – Die Jahre nach 2000

Blog: Das Genre Survival-Horror

Blog: Strategiespiele: Von Schach bis Command & Conquer

Blog: eSport: Virtueller Sport in Schulen

Blog: Von der Couch auf den Sportplatz

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