veröffentlicht von Martin Lorber am 06. Juni 2012

Spiele in Museen

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Viele verschiedene Kunstformen locken immer wieder große Menschenmengen in die Museen dieser Welt. Dabei sind es nach wie vor die „klassischen“ Kunstformen wie Gemälde, Plastiken oder Fotografien, die in einem Großteil der Ausstellungen präsentiert werden. Doch in den letzten Jahrzehnten werden vermehrt auch unkonventionelle „jüngere“ Medienformen ausgestellt, die ursprünglich nicht unter rein künstlerischen Gesichtspunkten geschaffen wurden. Ob Musik- oder Werbevideos, Kleidungsstücke berühmter Designer wie Alexander McQueen und Vivienne Westwood, Comics oder Inhalte besonders kreativer Werbekampagnen, sie alle können mit ihrer ungewöhnlichen Ästhetik und großen Bandbreite in thematisch eigenständigen Ausstellungen ein großes Publikum begeistern.

Dies gilt natürlich auch für Computer- und Videospiele. Dank einer, nehmen wir einmal das Erscheinen von Pong als Startpunkt, schon 40 Jahre andauernden Tradition und rasanten Entwicklung des Mediums Computer- und Videospiel, bietet es sich als Ausstellungsinhalt an. Computer- und Videospiele spiegeln mit ihren Inhalten und ihrer Ästhetik gesellschaftliche Themen, Entwicklungen und Befindlichkeiten der jeweiligen Zeit wider. Gleichzeitig können Computer- und Videospiele als Leinwand für kreative Produktionsprozesse genutzt werden. Inzwischen sind die Anforderungen an die Programmierung von einfachen Spielen so weit gesunken, dass der Aufwand, seine kreativen Ideen über Programmcode zu verwirklichen, halbwegs überschaubar ist.

Aktuelle Ausstellungen

Beispielhaft für Ausstellungen mit dem Themenschwerpunkt Computer- und Videospiele sind aktuell die Ausstellungen „Playtime – Videogame mythologies“ im Maison d’Ailleurs in Yverdon-les-Bains / Schweiz und „The Art of Video Games“ im renommierten Smithsonian American Art Museum in Washington, DC. / USA.

Die Ausstellung zur Kultur der Computer- und Videospiele „Playtime“ findet nun schon seit März dieses Jahres statt und wird noch bis Dezember die Beziehung zwischen Spielen, den verschiedenen Spielweisen und der Technologie erkunden. Dazu werden historische Dokumente, Beispiele für durch Spiele inspirierte Kunstwerke und innovative Spiele und Spielideen vorgestellt. Spiele werden bei dieser Ausstellung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Rules of Play / The Game of Life stellt die große Bandbreite unterschiedlicher Spielemechaniken und deren ganz unterschiedliche Nutzung vor. Game Geographies and PlayNations befasst sich mit der räumlichen Dimension von Spielen. Die Rubrik Bodies and Mind stellt die Frage, inwiefern sich die eigene Wahrnehmung während des Spiels verändert und welchen Einfluss die Immersion auf mein Verhalten nimmt während ich spiele. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei die Interaktionsmöglichkeit zwischen Spieler und Spiel. Neben der Evolution von einfachen Controllern hin zu der Bewegungssteuerung von Kinect und Wii werden noch weitere alternative und experimentelle Steuerungen vorgestellt, die den Körper verstärkt in das Spiel mit einbeziehen. Die Grenzen zwischen Spiel und Realität verschwimmen immer mehr. Location-based- und Augmented-Reality-Spiele nutzen schon heute reale Orte als Spielwelten, während reale Begebenheiten in die Inhalte und Settings vieler Spiele einfließen. An Serious Games, wie jenes auf der Clash of Realities von Kurt Squire vorgestellte Spiel zur Diagnose und Behandlung von Krebs, kann man sehen, dass der Einfluss von Spielen auf die reale Welt durchaus noch steigen kann. Ein Assault on Reality findet statt. Mit Archeology of Fun zeigen die Aussteller, wie sich Spiele im Laufe der Jahrzehnte entwickelten und wie wenig sich doch eigentlich an den Grundkonzepten verändert hat. Zum Beispiel gibt es Strategiespiele im Stile von Civilization schon lange vor der Entwicklung von Videospielen. Diese sind einfach die jüngste Manifestation einer langen menschlichen Tradition des Spiels und des Bedürfnisses nach Unterhaltung oder friedlichen Wettstreits.

Die Ausstellung „The Art of Video Games“ im Smithsonian American Art Museum sieht Computer- und Videospiele als zunehmend bedeutendes Medium moderner Gesellschaften. In ihrer etwa 40jährigen Geschichte haben sie eine ganze Reihe herausragender kreative Köpfe für sich begeistern können. Da zu ihrer Schaffung eine ganze Reihe traditioneller Kunstformen, wie Zeichnen, Schreiben, Musik und die Kunst „Geschichten zu erzählen“ benötigt werden, bieten sie Künstlern und Kreativen ein sehr großes Betätigungsfeld. The Art of Video Games beleuchtet die Evolution der Computer- und Videospiele unter dem Aspekt der visuellen Effekte und dem kreativen Nutzen neuer Technologien. Rund 80 Spiele aus allen Epochen des Computer- und Videospiels wurden als Beispiele ausgewählt, um den Besuchern diese Evolution aufzuzeigen. Von Space Invaders, über Star Wing, bis hin zu Fallout 3. Sämtliche Plattformen und Genres sind vertreten und werden durch Bilder und Videos präsentiert. Dazu kommen fünf Spiele, jeweils eins aus jeder Epoche, die von den Besuchern angespielt werden können. Diese sind Pac-Man, Super Mario Brothers, The Secret of Monkey Island, Myst und Flower. Die Ausstellung findet noch bis Ende September statt und wird danach noch weitere Jahre durch verschiedene Museen der USA ziehen. Bilder der Ausstellung finden Sie auf Flickr.

Sehr interessante Ausstellungen, die beispielhaft für die wachsende Bedeutung der Spiele für Popkultur und Gesellschaft stehen. Man kann gespannt sein, wie solche Ausstellungen in 20-30 Jahren aussehen werden. Sicherlich wird man mit einem Lächeln darüber sinnieren wie gewöhnungsbedürftig Spiele damals doch waren.

Wem die beschriebenen Ausstellungen zu weit weg sind, der kann natürlich auch gerne dem Computerspielemuseum in Berlin einen Besuch abstatten. Hier finden Sie ebenfalls eine der größten Ausstellungen rund um Computer- und Videospiele. Ein Besuch lohnt sich auch, wenn man nicht so tief in der Materie steckt.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 1 – von Pong bis zum Atari 2600

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 2 – der erste Crash und die Weiterentwicklung der Industrie

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 3 – die Goldenen Neunziger

Blog: Geschichte der Videospiele: Teil 4 – Die Jahre nach 2000

Blog: Computer- und Videospiele inspirieren Kunst

Blog: Computerspiele und Kunst

Web: Playtime

Web: The Art of Video Games

Web: Computerspielemuseum

Web: Spielhölle für die ganze Familie (Spiegel Online – 29.05.2005)

Kommentare
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