veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2013

Skandal!!!

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Die WASD ist wieder da. Das von Christian Schiffer herausgegebene „Bookazine“ flattert nun schon zum dritten Male in die Briefkästen der zahlreichen Abonennten.

Das Format der WASD lässt Autoren Essays zu wechselnden Oberthemen verfassen. Die thematische Vorgabe ist sehr weit gefasst und lässt viel Raum für Darstellungsform und die individuellen Spezialgebiete der Autoren. Auf die Hommage an trashige Spiele folgten Gedankenspiele zu Politik und Games.

Für die dritte Ausgabe werden nun die heißen Eisen angepackt. „Skandal!“, so der Titel der neusten WASD. Auch hier gibt es wieder allerlei Interessantes zu lesen. Die übertriebene Skandalisierung der öffentlichen Debatte wird ebenso thematisiert, wie ein schon zusammengestelltes Quartett der Skandale aus der Geschichte der Computer- und Videospiele.

Auch ich hatte die Ehre und das Vergnügen, mich an der Produktion der neuesten Ausgabe aktiv mit einem eigenen Beitrag zum Thema Skandal beteiligen zu dürfen. Mein Artikel handelt von dem steinigen Weg, den das Medium Computer- und Videospiel während seiner Entwicklung vom Gefahrengut zum Kulturgut zurücklegen musste. Skandalös war in diesem Zusammenhang nicht nur die Debatte um die negativen Wirkungen von Games, sondern auch die Tatsache, dass es erst einer skandalisierten Debatte bedurfte, um diese langsam in den Augen der Öffentlichkeit als Kulturgut zu etablieren.

Denn als Medienprodukt, das von einer großen Anzahl kreativer Köpfe aus den verschiedensten Bereichen geschaffen wird, sollte dies eigentlich selbstverständlich sein. Trotzdem schaffte erst eine teilweise hysterisch geführte Debatte um gewalthaltige Computer- und Videospiele die Bühne für die Unterstützer des Mediums. Der „Skandal“ wirkte quasi als Katalysator und brachte Akteure ins Rampenlicht, die eine ungleiche Behandlung des Mediums nicht länger hinnehmen wollten.

So gesehen kann man im Nachgang sogar all denjenigen danken, die in ihrer verkürzten und einseitigen Argumentation die Hysterie der Debatte befeuert haben. Ohne sie wären wir vielleicht nicht an dem Punkt, an dem wir jetzt sind. Eine vornehmlich sachlich geführte Debatte, bei der die Akteure eben kein manichäisches Weltbild an den Tag legen und beide Seiten sich sowohl über das Potential als auch die Schwächen des Mediums bewusst sind. Die polarisierenden Stimmen sind weitestgehend verstummt oder werden ignoriert.

Zumindest in diesem Bereich wird man hoffentlich wohl so schnell keinen Skandal mehr erleben.

Weitere Links zum Thema:

Blog: WASD 2 – Select System

Blog: WASD – Texte über Games

Web: Homepage WASD

Kommentare
  1. Malte Elson sagt:

    Mein Eindruck ist leider nicht, dass die Debatte momentan sachlich geführt wird, jedenfalls nicht in der Wissenschaft. In der Öffentlichkeit in Deutschland sehe ich dagegen eher einen positiven Trend. Seit dem Beschluss des US Supreme Court in Brown v. EMA (2010) sind die Fronten in der Wissenschaft ziemlich erhärtet, und wir sind momentan ziemlich an dem Punkt stehen geblieben, an dem in wissenschaftlichen Artikeln Personen, und nicht ihre Forschung, kritisiert werden. Die Wissenschaft zu den negativen Auswirkungen von Computer- und Videospiele erfährt zwar momentan auch deutliche Verbesserungen in Sachen Theorie und Methoden, die Wissenschaftler führen jedoch einen Grabenkrieg. Was das für eine Auswirkung auf die öffentliche Debatte, oder sogar politische Entscheidungen in Sachen Medienregulation gibt – das bleibt abzuwarten.

  2. Vielen Dank Herr Elson für diesen aufschlussreichen Kommentar. In meinem Beitrag beziehe ich mich vor allem auf den öffentlichen Diskurs in unserer Gesellschaft. Hier findet meiner Meinung nach inzwischen ein relativ rationaler Austausch von Argumenten statt. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse beider Positionen finden in der Berichterstattung Platz.
    Den von ihnen angesprochenen (und sicherlich auch vorhandenen) Grabenkrieg bekommt die Öffentlichkeit kaum mit. Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass einer Verbesserung der Methodik und der Theorien auch eine Verbesserung des von Ihnen bemängelten Diskussionsklimas folgt. Vielleicht brauch auch die wissenschaftliche Debatte den Skandal als Katalysator um aus dieser polarisierend geführten Debatte gestärkt hervorzukommen.

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