Weil das Thema Computerspielsucht immer wieder aufkommt, hier erneut ein paar Thesen zum Thema.
veröffentlicht von Martin Lorber am 12. Dezember 2011

Rückblick auf 2011 aus Sicht des Jugendmedienschutzes

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Fast genau ein Jahr ist es her, dass der Landtag Nordrhein-Westfalen der Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrags (JMStV) seine Zustimmung verweigerte. Damit scheiterte ein Vertragswerk, dass für 16 Bundesländer die Alterskennzeichnung von Inhalten im Internet zeitgemäß und zukunftssicher gestalten sollte. Vorerst beendet waren damit auch die Bestrebungen der Länder, die Option der freiwilligen Alterskennzeichnung von Internetinhalten durch Anbieter in einem Gesetzestext festzuhalten. Denn der JMStV-2011 hätte bisherige Schutzmaßnahmen, wie Sendezeitbegrenzungen oder die Abfrage von Personalausweisnummern durch eine sinnvolle Alternative ergänzt. Die Anbieter hätten somit bestimmte Angebote mit einem Alterskennzeichen versehen können, was nicht zuletzt auch praktische Vorteile für Eltern mit sich gebracht hätte. Dennoch: Die Abgeordneten konnten sich nicht einigen. Damit kam der Staatsvertrag nicht zustande – vor allem aus politischen Gründen.

Einen neuen Anlauf für eine Novellierung des JMStV hat in diesem Jahr niemand gewagt. Aber 2011 war in Sachen Jugendmedienschutz auch ohne dies ereignisreich genug. Denn die Debatte über den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet ging unverändert weiter.

Für ausreichend Diskussionsstoff sorgte zum Beispiel die Enquete-Kommission des Bundestags „Internet und digitale Gesellschaft“. Das Gremium aus Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen und Sachverständigen hatte im Sommer einen Zwischenbericht zur Medienkompetenz veröffentlicht. Die Kernaussage: Eine hundertprozentige Sicherheit im Internet kann es nicht geben. Jugendmedienschutz sei daher vielmehr als Risikomanagement zu verstehen. Nicht auf Filter und Sperren solle der Fokus gelegt werden, sondern auf die Kinder und Jugendlichen selbst. Sie müssten dazu befähigt werden, selbstständig und verantwortungsvoll mit den neuen Medien umzugehen, kurz: Medienkompetenz auszubilden.

Einen weiteren Beitrag zur Diskussion leistete 2011 die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM): Sie hatte das Jugendschutzprogramm JusProg und die Kinderschutz-Software der Deutschen Telekom grundsätzlich positiv bewertet. Eine formale Anerkennung könnte schon im Februar 2012 erfolgen. Beides schöne Beispiele dafür, wie das Prinzip der regulierten Selbstregulierung funktionieren kann. Jugendschutzprogramme geben den Eltern die Möglichkeit, Internetinhalte individuell zu filtern – ohne Beteiligung des Providers. Die Kontrolle greift vor Ort und schert nicht alle Internetnutzer über einen Kamm.

Selbstverständlich ging die Debatte auch auf europäischer Ebene weiter: Im September veröffentlichte die Europäische Kommission im Rahmen der digitalen Agenda den Bericht „Schutz der Kinder in der digitalen Welt“. Fazit: Die Mitgliedstaaten verfolgen höchst unterschiedliche und teilweise gegensätzliche Konzepte, um den Jugendmedienschutz zu gewährleisten. Die Kommission hat durch ihren Bericht verdeutlicht, dass die Maßnahmen und Regulierungen dringend länderübergreifend vereinheitlicht werden sollten.

Politik, Gesellschaft und Wirtschaft haben die vergangenen zwölf Monate genutzt, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit modernen Medien weiter zu verbessern. Eine zentrale Erkenntnis lautet: In einem künftigen Staatsvertrag wird die Förderung von Medienkompetenz eine wichtige Rolle spielen. Soviel ist sicher.

Wir als Unternehmen glauben, dass unsere Branche bei der Ausgestaltung und Umsetzung des Jugendmedienschutzes in Deutschland eine wichtige Rolle spielen kann und deshalb auch spielen sollte. Die Entwicklung von geeigneter Filter-Software und die damit verbundene Selbsteinschätzung von Online-Inhalten ist dabei nur eine von vielen Maßnahmen. Darüber hinaus können wir auch den Altersfreigabeprozess unterstützen. Erfahrungen damit konnten wir in anderen europäischen Ländern bereits im Rahmen des PEGI-Systems sammeln – und es waren gute Erfahrungen, die wir in Deutschland gern wiederholen möchten.

Kommentare
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