Quelle: www.pegi.info
veröffentlicht von Martin Lorber am 08. August 2011

PEGI und der Jugendschutz in Europa: Ein Blick über den Tellerrand

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In diesem Blogbeitrag möchte ich einen Ausblick über den nationalen Tellerrand der deutschen Lösung zur Altersklassifizierung von Videospielen geben. In großen Teilen des europäischen Auslands wird das einheitliche PEGI-System eingesetzt, dass sich in einigen Punkten von der deutschen Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) unterscheidet. PEGI steht für Pan European Game Information und bietet heute schon 30 Staaten ein einheitliches Klassifizierungssystem für Videospiele. Aufgrund seiner internationalen Verbreitung und der angestoßenen Diskussion um ein einheitliches und simples europäisches Jugendschutzsystem, möchte ich die Funktionsweise und den Aufbau von PEGI in diesem Beitrag näher erläutern.

Das PEGI-System gehört der Interactive Software Federation of Europe (ISFE) mit Sitz in Belgien. Die ISFE wurde 1998 gegründet und vertritt die Interessen von Herstellern interaktiver Software gegenüber der EU. Die grundlegende Verwaltung und Entwicklung des PEGI-Systems wird von einer unabhängigen, nicht gewinnorientierten Organisation mit sozialer Zielsetzung – der PEGI S.A. – durchgeführt. Das System selbst wird von zwei PEGI-Administratoren verwaltet, dem niederländischen Institut für die Klassifizierung audiovisueller Medien und dem britischen Video Standards Council.

PEGI: Selbstklassifizierung in drei Schritten

Die Einstufung eines Spiels für eine Altersklasse funktioniert im PEGI-System durch Selbstklassifizierung der Hersteller.

Die PEGI-Klassifizierung für Videospiele läuft in drei Schritten ab:

  1. Im ersten Schritt erhält der Publisher einen von der PEGI vorgefertigten Fragebogen, welcher in zwei Teile gegliedert ist: Der erste Teil besteht aus Fragen, die auf den rechtlichen Rahmenbedingungen in Großbritannien basieren. Diese Fragen sind nur bei einer Veröffentlichung in Großbritannien auszufüllen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit konkreten Angaben zum Spiel selbst. Als Ergebnis des Fragenkatalogs erfolgt eine vorläufige Einschätzung der Alterskennzeichnung.

Außerdem wird eine Inhaltsbeurteilung abgegeben, welche die Spielinhalte durch zusätzliche Symbole beschreibt. Anders als bei einer Kennzeichnung durch die USK können Käufer im Laden durch verschiedene Symbole auf der Produktverpackung nachvollziehen, welche jugendschutzrelevanten Inhalte in einem Spiel enthalten sind. So gibt es beispielsweise Symbole, die auf Schimpfwörter, Gewalt oder die Darstellung von Sex hinweisen.

  1. Im zweiten Schritt übermittelt der Publisher das Ergebnis sowie eine komplett spielbare Version und repräsentatives Videomaterial an die PEGI-Administration.
  1. Auf Basis der vorläufigen Einschätzung der Alterskennzeichnung durch das niederländische Institut für die Klassifizierung audiovisueller Medien (für Spiele mit einer Kennzeichnung von PEGI 3 oder PEGI 7) oder dem britischen Video Standards Council (Spiele mit einer Kennzeichnung von PEGI 12, PEGI 16 oder PEGI 18). Nach erfolgter Klassifizierung erhält das Spiel die finale Berechtigung zur Nutzung des entsprechenden PEGI-Logos. Dieses wird dann beidseitig auf der Verpackung abgedruckt. Zusätzlich zur Altersklassifizierung werden schließlich ebenfalls die entsprechenden Inhaltssymbole auf der Rückseite des Produkts angebracht.

Einflüsse nationaler Besonderheiten auf das PEGI-System

Bei der Bewertung in Altersklassen werden Videospiele aufgrund ihres Inhalts in fünf Altersstufen gegliedert: PEGI 3, 7, 12, 16 und 18 – wobei eine Indizierung von Spielen ist im Grundgerüst des Systems nicht vorgesehen ist. Die Systembasis von PEGI ist jedoch anpassbar und wurde bereits mehrfach auf Grund nationaler Unterschiede verändert. So zum Beispiel in Portugal, wo die Altersstufen für Kinderspiele verändert wurden: PEGI 3 wurde dort auf PEGI 4 angehoben, während PEGI 7 auf PEGI 6 verringert wurde. Die Fragen für die Einstufung des Inhalts wurden jedoch nicht verändert.

In Großbritannien hingegen etablierte man die bis 2009 verantwortliche BBFC (The British Board of Film Classification) als nationale Kontrollstelle auf Augenhöhe mit der Kontrollinstanz der PEGI. Das BBFC bewertet zusätzlich alle Titel mit einer zu erwartenden PEGI 18-Einstufung oder solche, die nicht direkt zum Spiel gehörende Videos (beispielsweise Trailer oder Making-Ofs) beinhalten und als verpackte Ware in Großbritannien veröffentlicht werden. Bei digitalen Inhalten hingegen übernimmt die PEGI heute schon die Bewertung für Großbritannien und die restliche EU (außer Deutschland). Die Sonderregelung mit dem BBFC als Kontrollstelle auf Augenhöhe besteht noch bis zum Passieren  einer entsprechenden Gesetzesänderung in Großbritannien. Irland verfolgt mit dem Irish Film Classification Office (IFCO) den gleichen Ansatz.

Mit Blick auf solche länderspezifischen Detailanpassungen wäre ebenso ein entsprechendes Indizierungssystem für eine deutsche PEGI-Umsetzung denkbar.

Onlinezertifikat für besseren Schutz im Internet

Damit auch in der Online-Spieleumgebung der Schutz Minderjähriger gewährleistet werden kann, wurde im Jahr 2007 zusätzlich PEGI Online eingeführt. Im Rahmen eines Regelkatalogs, zu dem sich teilnehmende Anbieter verpflichten, stellt das System eine Lizenz zur Führung des PEGI Online Logos aus. Dieses Logo findet bei Spielen Anwendung, die auch oder nur online gespielt werden können.

Zu dem Regelkatalog für die Führung des Logos gehören beispielsweise das Vorhandensein von Melde- und Beschwerdemöglichkeiten auf der Webseite, die Bewertung der Inhalte nach einem anerkannten europäischen Altersempfehlungssystem oder eine effektive und einheitliche Datenschutzrichtlinie gemäß EU-Recht und nationalen Datenschutzgesetzen. Erhält ein Produkt die Lizenz zur Führung des Logos, wird es auf die Spieleverpackung gedruckt oder auf der Webseite des Spiels integriert und zeigt damit Käufern, dass der Hersteller dieses Spiels den Jugendschutz ernst nimmt und durch verschiedene Maßnahmen kontrolliert.

Weitere Informationen können auf den offiziellen Seiten der PEGI, PEGI Online und PEGI Europe nachgelesen werden.

Weitere Links zum Thema

Web: Homepage der PEGI (pegi.info)

Web: Homepage von PEGI Online (pegionline.eu)

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