veröffentlicht von Martin Lorber am 12. Dezember 2010

Paradigmenwechsel im Jugendschutz – Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ermöglicht Selbstklassifizierung

Teilen auf:

In dieser Woche haben wir gemeinsam mit der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle USK (www.usk.de) in Berlin das Alterskennzeichnungsverfahren für rein online vertriebene Computer- und Videospiele, das die USK entwickelt hat, der Presse und der Politik vorgestellt.

Felix Falk, Geschäftsführer der USK, bei seiner Präsentation im Rahmen der "Political Gamers 2.0" am 30. November 2010 in Berlin
Felix Falk, Geschäftsführer der USK, bei seiner Präsentation im Rahmen der „Political Gamers 2.0“ am 30. November 2010 in Berlin

Der neue Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, der voraussichtlich Anfang nächsten Jahres in Kraft treten wird, bietet ja die Möglichkeit, auch Spiele, die nur online vertrieben wurden, mit einem Alterskennzeichen zu versehen. Die USK hat für die Anbieter hierzu ein eigenständiges Verfahren entwickelt, das auf der Systematik des in fast ganz Europa etablierten Systems der Alterskennzeichnung PEGI (www.pegi.info) basiert. Das bedeutet auch, dass es eine Form der Selbstklassifizierung geben wird. Dies folgt einer Änderung im Staatsvertrag, mit der im Jugendmedienschutz in Deutschland nichts weniger als ein Paradigmenwechsel eingeläutet wird. Noch vor kurzem ist man davon ausgegangen, dass Computer- und Videospiele hinsichtlich des Jugendschutzes nur von einem Gremium begutachtet werden können, wie das in dem etablierten USK-Verfahren der Fall ist. Über die Jahre wurde in diesem Gutachterverfahren zwar eine relativ stringente Spruchpraxis entwickelt, es ist aber relativ aufwändig, teuer und unflexibel. Für den ständig wachsenden und sehr dynamischen Bereich der nur online vertriebenen Spiele wäre das sehr unpraktisch. Daher hat der Gesetzgeber hier die Möglichkeit eröffnet, ein Selbstklassifizierungsverfahren einzuführen. Das bedeutet, es gibt einen festen Fragen- und Kriterienkatalog, den der Anbieter selbst ausfüllen muss, um zu einem Alterskennzeichen zu gelangen. Die USK hat diesen Frage- und Kriterienkatalog zusammen mit den Obersten Landesjugendbehörden federführend entwickelt. Felix Falk, der Geschäftsführer der USK:

„Wir haben das PEGI-Verfahren so weiterentwickelt und an die in Deutschland geltenden Kriterien angepasst, dass es uns gelungen ist, ein System zu entwickeln, dass der Spruchpraxis der USK entspricht.“

Einige Vertreter der Politik, die sich das System in Berlin haben zeigen lassen, waren beeindruckt. Jimmy Schulz (Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion und Mitglied der EnqueteKommission Internet und digitale Gesellschaft) zum Beispiel sagte:

„Das System zur Alterskennzeichnung von Onlinespielen, das die USK entwickelt hat, scheint mir wegweisend zu sein. Ich finde es sehr gut, dass die USK und die Inhalteanbieter auf Industrieseite ihre Hausaufgaben jetzt schon gemacht haben und ein System entwickelt haben, das den Anforderungen des Jugendschutzes gerecht wird, aber auch praktikabel für die Hersteller ist. Und für die Eltern ist es wichtig, dass eine bekannte und vertrauenswürdige Institution wie die USK hinter dieser Alterskennzeichnung steht.“

Die medienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis ´90/Die Grünen, Tabea Rößner, dagegen sagte:

„Die USK hat in der Klassifizierung von Spielen eine sehr hohe Kompetenz, ein gutes Verfahren und professionelle Prüfer. Ich halte es für wichtig, dass sich diese Kompetenz auch bei der Einordnung von Online-Games widerspiegelt.“

Die einleitende Begrüßung zur Veranstaltung von Dr. Olaf Coenen (Geschäftsführer Electronic Arts Deutschland) finden Sie hier als PDF zum Download.

Weitere Links zum Thema:

Web: Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (www.usk.de)

Web: PEGI (www.pegi.info)

Web: EnqueteKommission Internet und digitale Gesellschaft (www.bundestag.de)

Kommentare
  1. UPfu sagt:

    Nun hat aber der Landtag von Nordrhein-Westfalen der Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag nicht zugestimmt und somit kann dieser neue Staatsvertrag nicht zum Jahresbeginn 2011 in Kraft treten.

    Welche Auswirkungen hat das jetzt auf das, von der USK vorgestellten, Alterskennzeichnungsverfahren für rein online vertriebene Computer- und Videospiele?

    Da wir zu dem Thema PEGI jeweils drei deutsche und englische Produktionen (http://www.hoerlehrbuch.de) realisiert haben, wäre doch die Frage, wenn man sich schon mit PEGI so nahe kommt, warum macht man es dann nicht gemeinsam? Muss es denn einen deutschen Alleingang geben?

    Die fachliche Kompetenz, die bei der USK vorhanden ist, sollte doch dann auch im Rahmen einer Zusammenarbeit mit PEGI zum Tragen kommen können.

    1. Martin sagt:

      Ich gehe davon aus, dass die USK das Projekt des Alterskennzeichungsverfahrens für online vertrieben Computer- und Videospiele zunächst auf freiwilliger Basis weiterführen wird. EA wird das unterstützen. Ich teile die Meinung, dass ein deutscher Alleingang in Sachen Jugendmedienschutz auf die Dauer nicht durchzuhalten sein wird. Die zunehmende Verknüpfung über das Internet auch im Bereich Computer- und Videospiele erfordert einfach internationale Standards.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *