2014 besuchten rund 335.000 Menschen aller Altersklassen die gamescom. Für den Jugendschutz sorgt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Quelle: gamescom
veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2013

Neuer USK-Bericht zur Klassifizierung von Spielen

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Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) hat gestern den Abschlussbericht eines Pilotprojekts veröffentlicht, in dem die Klassifizierung von Computerspielen mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens an knapp 1.000 Spielen getestet wurde. So werden über ein technisches System Fragen zu Jugendschutzaspekten von Spielen beantwortet, woraus automatisch eine Altersbewertung generiert wird. Die meisten Staaten mit einem eigenen System des Jugendmedienschutzes (darunter 30 in Europa und die USA) arbeiten mit einem vergleichbaren System zur Bewertungen der möglichen Jugendbeeinträchtigung von Computerspielen auf Grundlage eines feststehendes Kriterienkatalogs. Das Ausfüllen dieser die Kriterien beinhaltenden Fragebögen obliegt in den meisten Fällen dem Anbieter selbst, teilweise gibt es jedoch auch eine Zusammenarbeit mit der zuständigen Institution bzw. der Selbstkontrolle. Die Einstufungen werden in Zweifels- oder Beschwerdefällen häufig durch Gremien überprüft.

„Das Pilotprojekt hat gezeigt, dass sich der überwiegende Anteil der Spiele über einen eigenen Kriterienkatalog korrekt einstufen lässt.“, so Felix Falk, Geschäftsführer der USK in einer Pressemitteilung. „Gleichzeitig ist jedoch klar geworden, dass Klassifizierungssysteme nur wirksamen Jugendschutz ermöglichen, wenn eine Qualitätskontrolle stattfindet, bei der die Arbeit von Gremien ein wichtiger Faktor ist.“

Bei den derzeitigen Prüfverfahren kommt dieses System zwar nicht zur Anwendung, allerdings nutzt die USK die gesammelten Erfahrungen bereits für Online-Games. „Die Klassifizierung ist der einzige Weg, der für die große Masse an Spielen, die über unterschiedlichste technische Plattformen auf internationaler Ebene verbreitet werden, einen effektiven Kinder- und Jugendschutz über Alterskennzeichen ermöglicht“, so Felix Falk weiter.

Zwischen Juni 2010 und November 2011 wurden in drei Phasen insgesamt 931 Computer- und Videospiele ausgewertet und verglichen. Die Fragebögen wurden dabei sowohl von Mitarbeitern der USK als auch von Mitarbeitern von Spieleunternehmen ausgefüllt, auch von EA.

Dabei wurde festgehalten:

  • Die Klassifizierungskataloge ergaben ähnliche Ergebnisse wie die Gremienentscheidungen, allerdings seien die Abweichungen insbesondere in den höheren Altersstufen zu beachten
  • Die Klassifizierungsergebnisse bleiben vergleichbar, unabhängig davon wer sie durchgeführt hat – Referenten der Selbstkontrolle (Phase I), geschulte Sichter der Selbstkontrolle (Phase II) oder geschulte Coder der Spiele-Unternehmen (Phase III)
  • Die Übereinstimmungsrate der Ergebnisse steigt deutlich, sobald spezifisch deutsche Kriterien in den Klassifizierungskatalog integriert wurden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Klassifizierung von Inhalten eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Jugenschutzsystem ist, auch wenn in Teilen noch nachgebessert werden muss. So lieferte die Abgrenzung von jugendbeeinträchtigenden und jugendgefährdenden Inhalten noch keine befriedigenden Ergebnisse.

Ich selbst habe auch daran teilgenommen. Die Eingaben von uns wurden natürlich vorgenommen, bevor das Ergebnis des Prüfgremiums bekannt war und erst anschließend verglichen. Wir lagen immer richtig – lediglich eine Demo-Version und einen Xbox Live-Download-Titel hatten wir im einen Fall zu hoch und im anderen zu niedrig bewertet hatten.

Der gesamte Bericht steht unter www.usk.de/service/presse/abschlussbericht zum Download.

Weitere Links zum Thema:

Blog: PEGI und der Jugendschutz in Europa: Ein Blick über den Tellerrand

Blog: Wird der Jugendmedienschutz jetzt europaweit harmonisiert?

Blog: USK und FSK sind zukünftig auch für Online-Medien zuständig

Kommentare
  1. der Frank sagt:

    Jetzt wird auch schon USK automatisiert oder sehe ich das falsch? Anbieter müssen aber auch verpflichtet werden die Fragebögen ehrlich auszufüllen ansonsten sollte den Anbietern eine Strafe drohen.

    1. Vielen Dank erst einmal für ihren kritischen Beitrag. Bei dem beschriebenen Prozess handelt es sich zum jetzigen Zeitpunkt um ein Pilotprojekt, das helfen soll den Ablauf der Altersklassifizierung für alle Beteiligten zu vereinfachen. Natürlich ohne den Jugendschutz zu beeinträchtigen. Die Ergebnisse zeigen ja gerade, dass hier noch nachgebessert werden könnte, es allerdings bei der täglichen Arbeit schon eine große Hilfe ist. Insbesondere bei der Klassifizierung von Online-Spielen. Die große Masse an Spielen kann so deutlich schneller bewältigt und klassifiziert werden. Darüber, wie eine potentielle zukünftige Umsetzung aussehen könnte, ist zum jetzigen Zeitpunkt nur zu spekulieren. Das es hier allgemeingültige Regularien geben muss, die wahrheitsgemäße Angaben garantieren, steht hierbei außer Frage.

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