Musik in Videospielen: Von Notenpapier und Pixeln

25. August 2011, Martin Lorber

Videospielentwickler ringen um immer realistischer anmutende Möglichkeiten, Spielgrafik darzustellen. Schon seit der Veröffentlichung von Nolan Bushnells Pong (Atari, 1972) entwickelten sich parallel dazu auch die Tonmöglichkeiten von Videospielen weiter: Aus einer Abfolge einzelner Töne wurden durch immer neue Plattform-Inkarnationen schließlich Midi-Kompositionen, Samples echter Instrumente und schließlich ganze Musik-Kompositionen, eingespielt von großen Orchestern.

Während jedoch im Grafikbereich im Halbjahrestakt weiterhin neue, leistungsfähigere Grafikprozessoren erscheinen, verschieben sich die technologischen Rahmendaten der Videospielmusik seit einigen Jahren kaum noch. Die Entwicklung findet eher auf einer inhaltlichen Ebene statt. Als Konsequenz lässt sich der Bereich der Videospielmusik besser unter einem künstlerischen Aspekt und gelöst von reiner Technologie betrachten.

Die Funktionen von Videospielmusik

Durch den hohen Grad der Interaktion unterscheidet sich Musik in Videospielen stark von eigenständigen Musikwerken oder der TV- und Leinwandunterhaltung. Betrachtet man Videospiele als erzählte Interaktionssequenz, erfüllt die Musik darin folgende Funktionen, die der US-amerikanische Assistenzprofessor Zach Whalen auch in seiner Master-Thesis mit dem Titel „Play Along – An Approach to Videogame Music“ offenlegt:

  1. Sie skizziert die Spielumgebung.
  2. Sie motiviert Spieler dabei, das Spielziel zu erreichen.
  3. Sie unterstützt den Narrativ von Spielen, wo er vorhanden ist.
  4. Sie verdeutlicht und verstärkt die Wahrnehmung virtueller Sicherheit und Gefahren.

Vorreiter – Sound mit Motorola-Chip

Whalen beschreibt in seiner Arbeit außerdem, welche psychologisch bestärkenden Effekte punktuell abgespielte Soundeffekte und Töne besitzen (siehe Punkt 2). Das Nintendo Entertainment System (1985) und der Titel Super Mario Bros. spielte dabei zum Beispiel eine Vorreiterrolle, denn in dem Spiel wurden zum ersten Mal musikalische Themen in unterschiedlichen Levels eingesetzt.

Produktion wie in Hollywood

Die Musik fällt in Videospielen interaktiver aus als im Filmbereich, da sie auf die Aktionen des Spielers reagiert und nicht zwangsweise einem vorgefertigten Ablaufplan folgt. Dennoch ähnelt sich ihre Produktionsweise stark mit anderen Medien. Das erklärt auch, warum bei großen Videospielproduktionen mittlerweile immer häufiger bekannte Hollywood-Komponisten wie Hans Zimmer, John Debney, Bear McCreary und Michael Giacchino zum Einsatz kommen.

Fest steht demnach, dass die Produktion von Videospielmusik – und auch die Verwertung (dem Thema Lizenzmusik widme ich mich einem anderen Mal) mittlerweile bereits enorm professionalisiert abläuft. Denn die Musik leistet in Videospielen einen enormen Beitrag dazu, Aktionen und Geschichten zu transportieren – und die mögliche Immersion der Spieler weiter zu treiben.

Weitere Links zum Thema:

Essay: Play Along – An Approach to Videogame Music (gamestudies.org)

Blog: Designing Sound (designingsound.org)

Web: Nolan Bushnells Pong (ideafinder.com)




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