veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2011

Medienkompetenz-Förderung und Jugendschutz in Österreich

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Während in Deutschland das Prüfungsverfahren von Computer- und Videospielen immer wieder thematisiert wird, möchte ich Ihnen heute ein Konzept vorstellen, das derzeit die Praxis des Kinder- und Jugendschutzes in Österreich prägt.

In Wien testet die Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (kurz: BuPP) – separat vom dort implementierten PEGI-Rating für Videospiele – seit sieben Jahren Spiele für Kinder und Jugendliche und erstellt daraus eine öffentliche Datenbank mit empfehlenswerten Titeln. Durch diese Spiele-Liste erhalten Eltern, Verwandte und Bekannte von Kindern und Jugendlichen eine Orientierungshilfe, indem sie empfehlenswerte Spiele auszeichnet („prädikatisiert“) und unter „empfohlene Spiele“ auf der Website www.bupp.at veröffentlicht.

Ministerium fördert Medienkompetenz

Die BuPP ist ein zentrales Element der neuen österreichischen Service-Einrichtung Medien-Jugend-Info, die im August 2011 vom dortigen Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie  und Jugend ins Leben gerufen wurde. Ziel der Medien-Jugend-Info ist es, Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz als entscheidende Schlüsselfähigkeit in ihrer gesamten Bandbreite zu vermitteln und zu fördern. Die BuPP selbst beschreibt das Positivprädikat eines Spiels wie folgt:

„Wenn ein Spiel von der BuPP ein Positivprädikat erhalten hat, so bedeutet das: Dieses Spiel bietet einem Kind oder Jugendlichen der angegebenen Altersgruppe sehr viel Spaß, es ist für das Genre und die Zielgruppe technisch am Stand der Zeit und Eltern oder Pädagog/inn/en können sich darauf verlassen, dass von den Inhalten und der Gestaltung des Spiels keine negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen zu befürchten sind, sowie dass das Spiel vielmehr die positiven Potenziale die Computer- oder Konsolenspiele grundsätzlich bieten können, möglichst gut ausschöpft.“

Medienkompetenz für Erwachsene

Wer sich bisher kaum oder gar nicht mit dem Thema Computer- und Videospiele auseinandergesetzt hat, der findet auf der Webseite außerdem Hinweise zu Chancen und Risiken von Computerspielen. Zu den positiven Potenzialen verweist die BuPP auf eine Forschungsstudie des Institut für Medienpädagogik in München, die in folgenden Bereichen Verbesserungen durch Spiele sieht:

  • Bedienung eines EDV-Systems
  • Wahrnehmung, Reaktionsgeschwindigkeit und Auge-Hand-Koordination
  • Räumliche Vorstellungskraft und Orientierung
  • Problemlösung
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Teamwork und Kommunikation
  • Kreativität
  • Wissen

Ich halte diese unterstützenden Maßnahmen für sehr sinnvoll, weil sie eben jenen als Wertungskompass dienen, die sich bislang nie oder selten mit Computer- und Videospielen auseinandergesetzt haben. Gerade für Eltern kann dies eine wichtige Unterstützung sein. Denn häufig sind diese mit der Vielfalt und den Inhalten von Videospielen überfordert, schätzen diese falsch ein oder lehnen das Spielen aus Unsicherheit vor den Auswirkungen für ihre Liebsten komplett ab.

Diese Art und Weise, Medienkompetenz bei Erwachsenen zu fördern und gleichzeitig ausformulierte Empfehlungen in einer öffentlichen, leicht zu verstehenden Datenbank zu veröffentlichen, halte ich für einen wertvollen Beitrag zum Jugendschutz.

Weitere Links zum Thema:

Web: Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen (bmwfj.gv.at)

Web: Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie  und Jugend (bmwfj.gv.at)

Web: Institut für Medienpädagogik (jff.de)

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