„Zentrum für Kinderschutz im Internet“ I-KiZ
veröffentlicht von Martin Lorber am 01. Januar 2015

I-KiZ Jahrestagung: Jugendschutz „ab Werk“ – Safety by Design

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Die moderne Informationsgesellschaft mit ihrer theoretischen Möglichkeit eine unüberschaubare Menge an Informationen zu jeder Zeit und überall abzurufen und ihrer zunehmenden Grenzenlosigkeit der Informationsflüsse, stellt den Jugendmedienschutz vor eine große Herausforderung. Dank Smartphones und Tablets sind digitale Medieninhalte immer griffbereit. Besitzen doch laut einer Studie des Hans-Bredow-Instituts ein Viertel der Sechs- bis 13-Jährigen und fast neun von zehn der Zwölf- bis 19-Jährigen ein Smartphone. Ohne eine kontinuierliche Anpassung der Regelung und Maßnahmen, wird er zunehmend schwieriger zu gewährleisten, uneinheitlicher und löchriger. Dies gilt auch für die Verbreitung von digitalen Spielen.

I-KiZ als zentrales Forum zum Jugendmedienschutz

Als eine tragende Maßnahme zur Bewältigung dieser Aufgabe stellte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im September 2012 das „Zentrum für Kinderschutz im Internet“ (I-KiZ) vor. Inspiriert von internationalen Vorbildern, wie dem britischen Child Exploitation and Online Protection Centre (CEOP), bietet das I-KiZ seitdem zentrales Forum für eine umfassende Problemanalyse und die konkrete Entwicklung zeitgemäßer Lösungen. Um dieses Ziel zu erreichen, treffen sich regelmäßig Experten aus Kinder- und Jugendschutz, Wissenschaft, Unternehmen und Staat um ihr Know-How, ihre Erfahrungen und ihre aktuellen Informationen zusammenzutragen. So zuletzt am 15.01.2015 im Rahmen der I-KiZ Jahrestagung 2015, bei der auch der Jahresbericht 2014 vorgestellt wurde.

Als Jugendschutzbeauftragter von Electronic Arts und Mitglied der Fachkommission Wissen, Forschung und Technikfolgenabschätzung war auch ich vor Ort und sprach mit einigen Experten zum Thema „Safety by Design“. Hierunter wird Jugendschutz von Anfang an oder „ab Werk“ verstanden. Hersteller/Produzenten medialer Inhalte berücksichtigen Jugendschutzaspekte schon während der Produktentwicklung. Die von Beginn an geplanten und integrierten Maßnahmen wirken somit nicht wie nachträglich aufgesetzte Fremdkörper. Das spart Kosten bei den Herstellern und verbessert die Qualität für die Rezipienten. Das I-KiZ erarbeitet aktuell ein Konzept, das Unternehmen in ihre Arbeitsabläufe implementieren können.

Da EA schon umfassende und verbindliche Prozesse etabliert hat, um eine in der Planungsphase angestrebte Alterszertifizierung auch zu erreichen, konnte ich hier unsere Erfahrung mit dem Thema einbringen. Die Computerspielindustrie berücksichtigt von vorneherein die Tatsache, dass wir Angebote für alle Altersgruppen anbieten. Daher gibt es bei allen Spielplattformen, Möglichkeiten, bestimmte Inhalte zu sperren. Dies ist ja nur möglich, weil nicht nur die Hersteller der Hardware entsprechende Möglichkeiten vorsehen, sondern auch wir Entwickler der Software unsere Inhalte entsprechend kennzeichnen. Eines der zentralen „Probleme“ in diesem Feld für ein international agierendes Unternehmen wie EA sind natürlich die national unterschiedlichen Anforderungen des Jugendmedienschutzes. Daher begrüßen wir die internationale Initiative der International Age Rating Coalition ausdrücklich. Auch das war ein Thema bei der I-KiZ-Tagung.

© I-KiZ / m2fotografie – Maren Strehlau
© I-KiZ / m2fotografie – Maren Strehlau

Die Veranstaltung war ein Erfolg. In meinen Augen konnten die Teilnehmer viele neue Anregungen und Praxisbeispiele mitnehmen. Das gilt sowohl für die eigene Arbeit als auch für die Arbeit in den Fachkommissionen des I-KiZ. Hier können wir in Zukunft sicherlich mit konkreten Ideen rechnen, die auf das Zentrum für Kinderschutz im Internet zurückgehen. Weitgehend einig war man sich auch darin, dass der klassischer Jugendmedienschutz, der sich auf die Eindämmung des Risikos einer Konfrontation mit beeinträchtigenden Inhalten konzentriert, in Zeiten der umfassenden Internetnutzung (siehe oben) zu kurz springt. Genauso wichtig sind begleitende medienpädagogische Maßnahmen. Warum nicht auch in Fach „Medienkunde“ in den weiterführenden Schulen?

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