Das Logo der International Age Rating Coalition (IARC)
veröffentlicht von Martin Lorber am 03. März 2015

Internationaler Jugendmedienschutz auf dem Vormarsch: Google etabliert IARC

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Internationaler Jugendmedienschutz im Google Play Store

Millionen App-Nutzer laden täglich Spiele aus dem Google Play Store. Apps generieren 50% des weltweiten Internet-Traffics. Der Google Play Store steigert die Verbreitung dieser Programme durch gratis Downloads. Die Folge für den internationalen Jugendmedienschutz: Die traditionellen Verfahren des Jugendmedienschutzes geraten an ihre Grenzen.

Neue Herausforderungen für den Jugendmedienschutz

Denn einzelne regionale Prüfungen, in denen Spiele gegen Gebühr individuell durch Gremien vorab bewertet werden, sind zu kompliziert, zu langsam und zu teuer für die Online-Welt. Die Herausforderung für den Jugendmedienschutz: Die Entwicklung eines internationalen Systems zur Altersbewertung von Apps- und Online-Spielen, welches auch für den gewohnt hohen Standard des Jugendschutzes bei Apps und Games sorgen kann.

Google etabliert IARC

Mit der International Age Rating Coalition (IARC) haben sich verschiedene internationale Institutionen aus Brasilien (ClassInd), Australien (Classification Board), USA (ESRB), Europa (PEGI) und Deutschland (USK) dieser Aufgabe verpflichtet. Erfolgreich, denn seit heute hat Google dieses internationale System in seinen Google Play Store integriert.

Felix Falk, Geschäftsführer der USK im Interview

Ich finde: Eine wirklich tolle Sache, denn auf diese Weise verhilft der Suchmaschinengigant Google dem Thema „Internationaler Jugendschutz“ nicht nur zu mehr Aufmerksamkeit, sondern macht es zu gelebter Online-Praxis. Da auch die deutsche USK Mitbegründer der IARC ist, habe ich direkt einmal Felix Falk, Geschäftsführer der USK angerufen und mit ihm zur aktuellen Entwicklung des internationalen Jugendschutzes und der Kooperation der IARC mit Google und Co. zu sprechen:

Felix Falk, Geschäftsführer der USK im Interview
Felix Falk, Geschäftsführer der USK im Interview

 

Wie kam es zu der Kooperation mit Google und deren Ankündigung das IARC-System zu integrieren und wie sieht diese Integration genau aus?
Felix Falk: Es hat über Monate viele Gespräche mit Google gegeben. Ich freue mich, dass sie die Vorteile des Systems erkannt und IARC nun implementiert haben. IARC ist direkt in den Einreichprozess für Entwickler eingebaut, so dass diese den IARC-Fragebogen ausfüllen und im Anschluss direkt die unterschiedlichen Alterskennzeichen erhalten.

Was erwarten Sie durch diese Integration von Google für die weitere internationale Harmonisierung des Jugendschutzes?
Felix Falk: Nicht nur Google ist Partner von IARC. Auch Mozilla ist dabei und Sony, Microsoft und Nintendo planen die Integration ebenfalls. Man kann also schon jetzt sagen, dass IARC zum neuen globalen Standard zur Alterseinstufung von Spielen und Apps wird. Das tolle ist, nur das System und dessen Abwicklung international harmonisiert werden, nicht aber die regionalen und kulturellen Unterschiede des Jugendschutzes, die weiterhin in den unterschiedlichen Alterseinstufungen ihren Ausdruck finden.

Wo sehen Sie den großen Vorteil von IARC – für Games-Entwickler aber auch Eltern und Erziehungsberechtigte?
Felix Falk: Für Entwickler ist der IARC-Prozess global, einheitlich, kostenlos, schnell und unkompliziert. Dafür erhalten sie die jeweils regional bekannten Alterskennzeichen. Das ist gleichzeitig auch der große Vorteil für Eltern und andere Nutzer. Sie erhalten in Deutschland die USK-Kennzeichen, die mit den USK-Kriterien übereinstimmen. Außerdem generiert das System zusätzliche Inhaltsdeskriptoren wie Informationen über die jugendschutzrelevanten Aspekte und über die Möglichkeit der Weitergabe des Standortes oder der Nutzerinteraktion. Bei einem System wie Google kommt der große Vorteil für Eltern hinzu, dass sie die Nutzung von Inhalten für ihre Kinder auf Grundlage der USK-Kennzeichen beschränken können.

Warum wurde IARC in Deutschland noch nicht ins Gesetz aufgenommen?
Felix Falk: Um es kurz zu machen: IARC ist neu und die Gesetze sind zu alt. Gesetzeskonform und damit rechtssicher nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sind die IARC-Kennzeichen aber dennoch. Trotzdem braucht es dringend eine Novellierung der Gesetze. Bund und Länder müssen endlich gemeinsam Anstrengungen unternehmen, die Konvergenz der medialen Welt, die in IARC einmal mehr deutlich wird, endlich in einem einheitlichen, konvergenten Gesetz abzubilden. IARC zeigt, dass Jugendschutz nach deutschen Kriterien auch international funktioniert. Das sollte auch gesetzlichen Wiederhall finden.

Welches Feedback gibt es von der australischen Regierung, die das System in einer Probephase testen möchten? Gibt es noch andere Länder, die ähnlich vorgehen?
Felix Falk: In Australien hat der Gesetzgeber IARC für eine Probephase voll anerkannt. Nach 12 Monaten werden die Ergebnisse evaluiert. Ich gehe davon aus, dass das System dann vollständig anerkannt wird. Brasilien hat das System bereits fest im Gesetz verankert. Ebenso ist IARC in Resteuropa (PEGI) und in Nordamerika voll im Einsatz. Wir sind mit weiteren Ländern im Gespräch, die sich dem System auch anschließen wollen. Bis weitere angeschlossen sind, wird in diesen Regionen ein generisches IARC-Kennzeichen generiert.

Ist Google nur der Startschuss? Wie sehen Sie die Chancen, dass weitere Unternehmen folgen? Oder haben die nur darauf gewartet, dass einer vorprescht?
Felix Falk: Wir waren und sind im Kontakt mit sehr vielen Unternehmen. Bei Sony, Microsoft und Nintendo erwarten wir den Anschluss in der nächsten Zeit. Die Tatsache, dass Google dieses System nun implementiert hat, ist natürlich eine starke Aussage über die hohe Qualität und Leistungsfähigkeit von IARC aus der Perspektive eines dritten. Das wird hoffentlich noch weitere Unternehmen überzeugen, die bislang vielleicht eher abgewartet haben.

Wie laufen denn die IARC-Sitzungen ab? Da sind ja Selbstkontrollen aller Herren Länder dabei. Geht es da sehr turbulent zu?
Felix Falk: Momentan sind es fünf Partner. Europa, Nordamerika, Brasilien, Australien und Deutschland. Gerade weil ganz unterschiedliche Institutionen dabei sind, wie ESRB als reine Selbstkontrolle der Industrie bis hin zu ClassInd als Behörde des Ministeriums in Brasilien, könnte man denken, dass hier grundsätzliche Konflikte entstehen. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben alle gemeinsam an den Entwicklungen der letzten Jahre mitgearbeitet, so dass eine enge Arbeitsebene und ein besondere Vertrauensbasis entstanden sind. Insofern sind die Sitzungen und die tagtäglichen Abstimmungen sehr zielorientiert und partnerschaftlich. Wir allen wissen, dass diese Weiterentwicklung der Jugendschutzsysteme notwendig war und freuen sich jetzt über den großen Erfolg der Initiative.

Wie stark ist der Einfluss der USK auf die Regeln und Kriterien und die Arbeit generell der IARC?
Felix Falk: Der Einfluss der USK ist ebenso groß wie der von allen anderen Partnern. IARC ist eine gemeinnützige Organisation, die zu gleichen Teilen aus ihren einzelnen Mitgliedern besteht. Als USK konnten wir uns jedoch an mehreren Stellen besonders stark einbringen. Erstens ist der Testbereich der USK weltweit einmalig. Nirgendwo sonst werden Spiele so professionell und detailliert geprüft wie bei uns. Bei der Entwicklung der Qualitätsverfahren von IARC war das ein großer Vorteil. Zweitens arbeiten wir durch das besondere System in Deutschland sowohl mit Industrie als auch mit staatlichen Behörden zusammen. Hier konnten wir schon mehrfach gut zwischen den anderen Institutionen vermitteln, die entweder staatlich oder wirtschaftlich organisiert sind. Drittens haben wir durch unsere zahlreichen Mitglieder der USK.online wie Electronic Arts, Gameloft, Netzkino oder King bereits zahlreiche Erfahrungen mit Online-Spielen und Apps gesammelt, die wir einbringen konnten als es um die Erweiterung des Systems auf alle Arten von Apps ging. Ich freue mich über die Tatsache, dass wir als USK den stellvertretenden Vorsitzenden von IARC stellen dürfen, auch Ausdruck dieses Engagements ist.

 

Weitere Links zum Thema:
IARC Website

Paper IARC Felix Falk

Pressemeldung USK

Kommentar von Online.Spiele.Recht

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