veröffentlicht von Martin Lorber am 07. Juli 2012

Initiative „sicher online gehen – Kinderschutz im Internet” (Update)

Teilen auf:

In Zeiten der zunehmenden digitalen Verbreitung von Informationen und Inhalten wird es immer wichtiger, Wege und Maßnahmen zu entwickeln, um Kinder und Jugendliche vor nicht altersgemäßen Inhalten zu schützen. In den letzten Monaten und Jahren wurde eine ganze Reihe von technischen Möglichkeiten erarbeitet, wie dies zu bewerkstelligen sein könnte. Verschiedene Jugendschutzprogramme, wie das von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) anerkannte JusProg, können schon jetzt das Risiko reduzieren, dass Kinder während ihrer Streifzüge durch das Internet auf ungeeignete Inhalte stoßen. Allerdings sollen und können solche Programme nicht das alleinige Mittel zum Schutz der Jugend im Internet sein. Mindestens genauso wichtig, wenn nicht noch wichtiger, ist die Förderung der Medienkompetenz bei Jugendlichen und ihren Erziehungsberechtigten.

Die Charta der Initiative "sicher online gehen"
Die Charta der Initiative „sicher online gehen“

Diese beiden Ansätze soll die Initiative „sicher online gehen – Kinderschutz im Internet“, die heute Mittag in Berlin vorgestellt wird, fördern. Bund, Länder und Wirtschaft möchten mit dieser Kampagne eine breitere Öffentlichkeit für das Thema Kinderschutz im Internet sensibilisieren. Kernpunkt der Kampagne bildet, neben dem wirksamen Schutz von Kindern vor beeinträchtigenden Inhalten, die Förderung der Erziehungsverantwortung der Eltern.

Die Teilnehmer der Kampagne wollen, gemeinsam mit Organisationen und Einrichtungen des Kinder- und Jugendschutzes im Internet, mit sicheren Surfräumen und einer weiteren Verbreitung von anerkannten Jugendschutzprogrammen allen Kindern ermöglichen, die Chancen der digitalen Welt so gefahrlos wie möglich zu nutzen. Basis der Kampagne wird die Website www.sicher-online-gehen.de bilden, auf der Informationen und Angebote im Bereich des Jugendmedienschutzes gebündelt angeboten werden, um Eltern die Begleitung ihrer Kinder beim Aufwachsen mit den neuen Medien zu erleichtern.

Das Ziel eines sicheren Surfraums soll durch die Bereitstellung eigener Kinderangebote und durch die Unterstützung bereits bestehender Dienste, die das Kindernetz erschließen, gelingen. Die Förderung attraktiver Angebote für Kinder wie fragFINN e.V., eine Suchmaschine für kindergerechte Inhalte, wird verstärkt durch Initiativen des Bundes, wie z. B. „Ein Netz für Kinder“, geschehen. Auf der Website www.sicher-online-gehen.de sollen Eltern ausführlich mit Informationen zu den Möglichkeiten, einen sicheren Surfraum für ihre Kinder zu schaffen, versorgt werden. Als zentrale Anlaufstelle werden hier jederzeit die aktuellsten Informationen gesammelt und zur Verfügung gestellt.

Die Initiative„sicher online gehen“ ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Sie fördert Angebote, die genutzt werden können um Kindern und Jugendlichen einen sicheren Surfraum zu bieten und sie so von nicht altersgemäßen Inhalten fern zu halten. Dabei setzt die Kampagne eben nicht nur auf technische Maßnahmen, sondern bietet auch viele Informationen an, die Kindern und ihren Eltern helfen, den richtigen Umgang mit den neuen Medien zu erlernen. Denn der beste Schutz vor unangemessenen Inhalten ist immer noch ein verantwortungsvoller Umgang mit den digitalen Medien. Eltern sollten die notwendigen Informationen an die Hand gegeben werden, die sie benötigen, um sich mit dem Medienverhalten ihrer Kinder zu beschäftigen und sie beim Aufwachsen mit dem Internet zu begleiten.

Schon die Europäische Kommission wies im Rahmen der „Digitalen Agenda“ darauf hin, dass der Jugendmedienschutz in vielen Ländern Europas durchaus verbesserungswürdig sei. Hier gehen die Teilnehmer der Kampagne mit gutem Beispiel voraus. Doch wie die Europäische Kommission auch anmerkte, sei die Fragmentierung der Maßnahmen in den einzelnen Ländern nicht förderlich für einen wirksamen Jugendmedienschutz. In Zeiten der zunehmenden Internationalisierung von Informationen und digitaler Inhalte könnte ein einheitliches System, wie es zum Beispiel PEGI für die Altersklassifizierung anbietet, mittelfristig Abhilfe schaffen.

Ich werde bei der heutigen Vorstellung der Kampagne vor Ort sein und den Beitrag später um meine Eindrücke und einige O-Töne erweitern.

Update:

Unter reger Beteiligung der Presse wurde heute auf der Veranstaltung in Berlin von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, dem Vorsitzenden der Rundfunkkommission der Länder, Ministerpräsident Kurt Beck, und seinem Stellvertreter in dieser Funktion, Ministerpräsident Stanislaw Tillich, sowie zahlreichen namhaften Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft und des Kinder- und Jugendschutzes die Charta zur Initiative unterzeichnet.

Jugendschutzsoftware aus Sicht der Eltern Quelle: Forsa "Jugendschutzprogramme aus Elternsicht"
Jugendschutzsoftware aus Sicht der Eltern Quelle: Forsa „Jugendschutzprogramme aus Elternsicht“

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder betonte die Bedeutung der Charta, indem sie Zahlen einer aktuellen Studie heranzog, die besagen, dass 95% der Eltern es wichtig finden, dass es Jugendschutzsoftware gibt und rund 20% sie auch schon einsetzen. Ihrer Meinung nach bieten die anerkannten Jugendschutzprogramme weitere Möglichkeiten, den Eltern technische Mittel an die Hand zu geben, ohne allerdings das Interesse und Engagement der Eltern ersetzen zu können.

Laut Ministerpräsident Kurt Beck reflektiert die Charta der Kampagne sowohl die Freiheit des Internets als auch die Verantwortung der Anbieter. „Elterliche Verantwortung für die Kinder, die im Netz unterwegs sind, ist durch nichts zu ersetzen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Eltern technische Hilfe bekommen.“ so Ministerpräsident Kurt Beck.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich stimmt mit Kurt Beck überein. „Mit der Kampagne soll der bewusste Umgang mit dem Internet befördert werden. Damit soll aber keine Reglementierung verbunden sein.“

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder stellt die Initiative der versammelten Presse vor

Durch die Unterzeichnung der Charta „sicher online gehen – Kinderschutz im Internet“ erklären sich die Partner dazu bereit, in Zukunft vielfältige Beiträge zum Erreichen des gemeinsamen Ziels beizutragen. Ihr Engagement reicht vom Aufbau eines vielfältigen Netzes für Kinder, über Elterninformationen bis hin zur Weiterentwicklung und Verbreitung von Jugendschutzprogrammen. Insgesamt kann die Veranstaltung als sehr gelungen bezeichnet werden. Auf dem Weg zum erstrebenswerten Ziel, einen sicheren Surfraum für Kinder und Jugendliche zu schaffen, wurde mit der Unterzeichnung der Charta ein wichtiger Schritt vollzogen. Die Medienresonanz war der großen Bedeutung des Anlass entsprechend.

Weitere Links zum Thema:

 

Blog: Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder

Blog: KJM erkennt erstmals zwei Jugendschutzprogramme an

Blog: Interview mit Kurt Beck (Ministerpräsident Rheinland-Pfalz) über seine Sicht zu Jugendschutzprogrammen

Blog: Computerspiele: Eltern sollten Interesse zeigen und Regeln aufstellen

Blog: Rückblick auf 2011 aus Sicht des Jugendmedienschutzes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *