veröffentlicht von Martin Lorber am 05. Mai 2011

Indie-Games als Quelle der Kreativität

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In meinem letzten Blog-Beitrag ging es um das Erzählen von Geschichten in Videospielen. Bei der Recherche dazu bin ich auf ein Indie-Game gestoßen, das mich faszinierte: Sleep is Death erzählt keine eigene Geschichte, sondern nutzt die zwei menschlichen Spieler, die ihre eigene Handlung vorantreiben. In einer sehr einfach gehaltenen Spielwelt steuern sie abwechselnd den Spielfortschritt durch die von der Umgebung selbst vorgegebenen Handlungsmöglichkeiten. Die Spieler wechseln sich also ab und reagieren dann auf die Vorgaben und Handlungen des anderen. Sleep is Death befeuert mit seiner minimalistischen Grafik die Kreativität seiner Spieler – und das hat mich beeindruckt.

Solche Spiele-Perlen sind keine Seltenheit mehr, denn die seit den 2000er-Jahren stark gewachsende Technisierung bietet selbst Programmier-Einsteigern immer mehr Möglichkeiten, ihre Ideen umzusetzen. Manchmal entstehen daraus Indie-Games, wie das (ebenfalls optisch minimalistische) Kreativspiel Minecraft, über das ich bereits im Zusammenhang mit Videospielen in der Grundschule berichtet hatte.

In Minecraft besteht die komplette Spielwelt aus Würfeln mit einem Meter Kantenlänge. Die Würfel können aus unterschiedlichen Materialien wie etwa Sand, Stein oder Holz bestehen, welche abgebaut und nach Belieben wieder platziert werden können. Aus Rohstoffen wie Erzen oder Holz entstehen beispielsweise Werkzeuge oder Waffen, mit denen man sich gegen Monster der Nacht verteidigt. Das Spiel verfolgt dabei keine Handlung, es dreht sich hauptsächlich um das Erkunden und Formen der zufallsgenerierten Spielwelt. Durch die vielen Handwerksmöglichkeiten kann jeder Spieler die Welt dabei nach seinen persönlichen Vorlieben formen. Und sollte Sie die Ego-Perspektive des Spiels  irritieren, bietet sich mit Terraria eine 2D-Variante mit ähnlichen Spielelementen an.

Als Beispiel für die Kreativät von Indie-Entwicklern eignet sich auch das Spiel Sword & Sworcery EP, das für iPhone und iPad erhältlich ist. Der Spieler erkundet darin eine aus wenigen Pixeln animierte Heldin mit einer zunächst unbekannten Aufgabe. Eine Handlung ist lose vorhanden, dafür können sämtliche der kryptischen, teils lustigen Dialogzeilen per Fingerzeig über Twitter verbreitet werden. Der Reiz des Spiels liegt aber nicht darin, sondern in der Kombination aus gut animierter, aber altbacken wirkender 8-Bit-Grafik, der dazu in Kontrast stehenden, realistischen Geräuschkulisse und dem fast schon melancholischen Soundtrack vom Musiker Jim Guthrie.

Sword & Sworcery EP kommt ohne Hochglanzgrafik aus und fesselt den Spieler mit seinem außergewöhnlichen Charme (Quelle: Screenshot iPhone)
Sword & Sworcery EP kommt ohne Hochglanzgrafik aus und fesselt den Spieler mit seinem außergewöhnlichen Charme (Quelle: Screenshot iPhone)

Durch kreative Alleinstellungsmerkmale erreichen Indie-Games manchmal auch ein internationales Publikum – schließlich kommen gute Ideen auch rund um den Globus gut an. Auf dem Independent Games Festival in San Francisco wurden die besten Indie-Games im vergangenen März bereits zum 13. Mal ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr wurde dort das Spiel Trauma des Kölner Diplom-Designers Krystian Majewski gleich mehrfach nominiert. In dem Point-and-Click-Adventure erlebt der Spieler die Träume einer Frau, die nach einem tragischen Unfall ihr Gedächtnis verlor und sich durch die Hilfe des Spielers langsam wieder erinnert.  Krystian Majewski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institut Cologne Game Lab der FH Köln. Ein älteres Interview zu seinem Spiel Trauma können Sie auf spielbar.de nachlesen, ein weiteres auf gamasutra.com.

 

Weitere Links zum Thema:

Web: Independent Games Festival (igf.com)

Web: Cologne Game Lab (colognegamelab.de)

Web: Trauma-Nominierung (igf.com)

Web: Sleep is Death (sleepisdeath.net)

Web: Minecraft (minecraft.net)

Web: Minecraft 1.6 Trailer (youtube.com)

Web: Sword & Sworcery EP (swordandsworcery.com)

Web: Blogbeitrag “Geschichten in Videospielen“

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