Das Logo der International Age Rating Coalition (IARC)
veröffentlicht von Martin Lorber am 07. Juli 2015

IARC – Das internationale System zur Alterskennzeichnung

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Die Digitale Verbreitung von Medien wie Computerspielen oder Spiele-Apps stellt den Jugendschutz vor große Herausforderungen. Immer mehr Spiele erscheinen online und geltende Instrumente zur Altersbeschränkung können kaum Schritt halten. Es ist schlicht nicht möglich alle rein digital erscheinenden Inhalte ausgiebig zu prüfen und zu kennzeichnen. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) reagierte auf den Medienwandel bereits vor Jahren, in dem sie die International Age Rating Coalition (IARC) mitgründete. Das internationale System zur Alterskennzeichnung nimmt aktuell an Fahrt auf.

IARC bietet internationale Zusammenarbeit beim Jugendschutz

Die USK schloss sich mit Partnern in den USA, Europa und Deutschland zusammen und entwickelte mit IARC ein globales System zur Alterseinstufung. Es ist ein zukunftsfähiges System das alle Weichen für eine internationale Zusammenarbeit und Vergleichbarkeit der Kriterien stellt. IARC etabliert ein modernes System, das Kinder sinnvoll schützt und Anbieter absichert. Obwohl sehr zuverlässig und einfach für alle Beteiligten, ist es in Deutschland leider noch nicht rechtlich bindend. Eine gute Orientierung für Eltern bei der Altersbeschränkung bietet es schon jetzt.

Wie funktioniert IARC?

IARC ermöglicht eine schnelle Einstufung der einzelnen Inhalte per Online-Fragebogen, den die Entwickler ausfüllen müssen. Anschließend ermittelt es die zu dem Produkt passenden Alterskennzeichen der jeweiligen Länder. In Deutschland erhalten sie die USK-Kennzeichen, die mit den USK-Kriterien übereinstimmen. Zusätzlich generiert IARC Inhaltsdeskriptoren wie Informationen über jugendschutzrelevante Aspekte und die Möglichkeit der Weitergabe des Standortes oder der Nutzerinteraktion. Die Angaben der Hersteller werden von der USK regelmäßig geprüft.

Jugendschutz leicht gemacht: So funktioniert die Alterskennzeichnung durch IARC
Jugendschutz leicht gemacht: So funktioniert die Alterskennzeichnung durch IARC

Welche Vorteile bietet IARC?

Der Prozess zur Alterskennzeichnung ist global, einheitlich, kostenlos, schnell und unkompliziert. Genau das Richtige in der aktuellen digitalen Realität. Die Abwicklung der Altersbeschränkung von Medieninhalten wird international harmonisiert. Gleichzeitig berücksichtigt IARC regionale und kulturelle Unterschiede des Jugendschutzes, die weiterhin in den Alterseinstufungen ihren Ausdruck finden. Die Klassifizierung per Fragebogen ist ein gangbarer Weg, der großen Masse an digitalen Spielen Herr zu werden. Nur so kann ein effektiver Kinder- und Jugendschutz über Alterskennzeichen stattfinden.

IARC nimmt Anbieter in die Verantwortung

Jetzt fragen sich viele: Macht IARC nicht der Bock zum Gärtner, wenn Hersteller per Fragebogen ihre eigenen Produkte einordnen dürfen? Jein. Es müssen natürlich Regularien geschaffen werden, die wahrheitsgemäße Angaben garantieren. Andererseits haben die Hersteller per se ein Interesse daran, ihre Spiele falsch einzuordnen so dass es im Nachgang zu Protesten kommt. Außerdem können die Selbstkontrollen die Angaben prüfen und Einstufungen korrigieren. In einem Pilotversuch zur Einstufung per Fragebogen zeigte die USK 2013, dass sich die meisten Spiele über einen Kriterienkatalog korrekt einstufen lassen.

Immer mehr Unternehmen und Länder beteiligen sich an IARC

IARC ist auf einem guten Weg in Richtung globaler Standard für die Alterskennzeichnung von Medieninhalten. Immer mehr Unternehmen und Länder beteiligen sich daran. Aktuell nutzen Firefox Marketplace als auch Google in seinem Play Store das internationale System zur Alterskennzeichnung. Felix Falk (Geschäftsführer der USK) deutete im Interview an, dass Sony, Microsoft und Nintendo ebenfalls Interesse an IARC zeigen. In Australien startete die Regierung gerade eine 12-monatige Probephase. Wenn alles gut läuft und sich das System bewährt soll es das aktuelle Prüfverfahren ersetzen.

IARC bietet unkomplizierten aber wirksamen Jugendschutz

Das Jugendschutzsystem in Deutschland gehört sicherlich zu den strengsten weltweit. Das ist gut so. Die Alterskennzeichen der USK, die der Staat vergibt sind nicht nur unverbindliche Hinweise, sondern für den Handel gesetzlich bindend. Streng ist der Jugendmedienschutz in Deutschland also insbesondere in Bezug auf die rechtlichen Konsequenzen der Alterskennzeichen. Bei der Bewertung der Inhalte ist Deutschland nicht unbedingt viel strenger als andere Länder. Ein Vergleich von PEGI- und USK-Alterseinstufungen zeigt, dass die Altersbeschränkungen im Schnitt nicht weit auseinanderliegen.

Muss ein strenges Jugendschutzsystem kompliziert sein?

Gleichzeitig haben wir hier in Deutschland ein sehr kompliziertes System zur Alterseinstufung. 58 Tage kann es maximal dauern, bis ein finales Alterskennzeichen erteilt wird. Das ist in der heutigen schnelllebigen Medienkultur eine Ewigkeit und kann über den Erfolg oder Misserfolg eines Spiels entscheiden. Hier kann IARC helfen, die Strukturen zur Altersbeschränkung ohne Qualitätsverlust für den Jugendschutz zu vereinfachen. Ein strenges Jugendschutzsystem muss nicht kompliziert sein. Die gesetzliche Verbindlichkeit kann bestehen bleiben.

Eine Chance für den Jugendmedienschutz

Ich finde das IARC vom Gesetzgeber eine Chance gegeben werden sollte. Es erleichtert die Prozesse und bietet Eltern Orientierung, wo bisher nur Verwirrung herrschte. Deutschland hat sich über die USK maßgeblich bei der Entwicklung von IARC eingebracht. So bleiben Interessen des deutschen Jugendschutzes gewahrt. Eine Testphase wie sie Australien durchführt wäre doch auch hier eine gute Sache. Wenn sich das System zur Altersbeschränkung bewährt, kann es ja übernommen werden. Ein weiterer kluger Schritt wäre sicherlich auch eine Berücksichtigung des Systems bei der Neugestaltung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV), die ja aktuell läuft.