veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2012

I-KiZ – Zentrum für Kinderschutz im Internet

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Die moderne Informationsgesellschaft mit ihrer theoretischen Möglichkeit eine unüberschaubare Menge an Informationen zu jeder Zeit und überall abzurufen und ihrer zunehmenden Grenzenlosigkeit der Informationsflüsse, stellt den Jugendmedienschutz vor eine gewaltige Aufgabe. Ohne Anpassung, wird er im Zeitalter des Web 2.0 schwieriger zu gewährleisten, uneinheitlicher und löchriger.

Als eine tragende Maßnahme zur Bewältigung dieser Aufgabe wurde heute in Berlin offiziell das „Zentrum für Kinderschutz im Internet“ (I-KiZ)vorgestellt. Mit dem Aufbau des Zentrums folgt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) den Handlungsempfehlungen des 2010 ins Leben gerufenen „Dialog Internet“. Dieser hat Experten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen an einem Tisch versammelt, um eine Netzpolitik für Kinder und Jugendliche zu entwerfen, damit diese die Chancen des Internets besser nutzen und gleichzeitig vor Risiken geschützt werden. Die zentrale Erkenntnis des „Dialog Internet“ ist, dass ein wirksamer Jugendmedienschutz im Internet nur durch ein intelligentes Risikomanagement und eine vorausschauende Gesamtstrategie gewährleistet werden kann. Denn zeitgemäße Kinder- und Jugendschutzpolitik beinhaltet die Förderung von Medienkompetenz bei Kindern, eine Stärkung elterlicher Erziehungsverantwortung und die Entwicklung alltagstauglicher gesetzlicher wie technischer Werkzeuge zum Schutze der Zielgruppe.

Inspiriert von internationalen Vorbildern, wie dem britischen Child Exploitation and Online Protection Centre (CEOP) oder dem Cybersmart Programme der ACMA in Australien, soll das I-KiZ die Keimzelle für eine umfassende Problemanalyse und die Entwicklung zeitgemäßer Lösungen bilden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen Experten aus allen betroffenen Bereichen an 3-4 Terminen im Jahr zusammenkommen und ihr Know-How, ihre Erfahrungen und ihre aktuellen Informationen zusammentragen. Im Kern wird das Zentrum eine sehr nützliche Rolle bei der Realisierung eines wirksamen Jugendmedienschutzes einnehmen. Zum einen wird mit dem I-KiZ ein Wissens- und Erfahrungspool eingerichtet, der durch die Bündelung der Expertise verschiedener Akteure für einen kontinuierlichen Wissenstransfer sorgt und durch die Bereitstellung bereits vorhandener Materialien als zentraler Anlaufpunkt für alle Interessierten dienen kann. Des Weiteren soll das I-KiZ neue Impulse beim Schutz der Kinder und Jugendlichen in digitalen Lebenswelten setzen, Anreize entwickeln und neue Maßnahmen fördern. Als Initiator von interdisziplinärer wissenschaftlicher Zusammenarbeit wird es als Motor und Moderator von Initiativen und langfristigen Studien in Erscheinung treten und somit tiefergreifende Erkenntnisse zu diesem Thema generieren.

Im Anschluss an die heutige Auftaktveranstaltung kamen die drei Fachkommissionen, die die inhaltliche Basis der Arbeit des I-KiZ bilden, erstmals zusammen um ihre Problemfelder zu bearbeiten. Alle drei Kommissionen haben unterschiedliche Schwerpunkte, unter deren Blickwinkeln sich dem Thema Jugendmedienschutz genähert wird. Neben den Fachkommissionen (FK) 3 „Prävention, Aufklärung und Meldemöglichkeiten“ und 2 „Wissen, Forschung und Technikfolgenabschätzung“, wird sich die FK 1, der ich selber übrigens angehöre, mit „Maßnahmen, Vernetzung und internationale Zusammenarbeit“ befassen. Hier sollen Ideen erarbeitet werden, wie die Vielzahl verschiedener Initiativen, Programme und Maßnahmen auf nationaler Ebene ihr Engagement und ihre Ressourcen bündeln können, um durch die Nutzung von Synergien effektiver zu handeln. Gleichzeitig soll eine gemeinsame Basis für die Zusammenarbeit geschaffen werden, die ein zielgerichtetes Vorgehen aller Akteure vereinfacht und Deutschland auch auf internationaler Ebene mit einer Stimme sprechen lässt. Diesen Flickenteppich an verschiedenen Maßnahmen und Strukturen zu vereinheitlichen ist nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene notwendig. Denn schon die Europäische Kommission wies im Rahmen ihrer „Digitalen Agenda“ darauf hin, dass die Fragmentierung der Maßnahmen in den einzelnen Ländern nicht förderlich für einen wirksamen Jugendmedienschutz auf supranationaler Ebene sei.

Als erster Meilenstein des Projektes I-KiZ soll im Frühsommer 2013 ein erster Bericht des I-KiZ auf einer Fachtagung vorgestellt werden, der die Ergebnisse der der einzelnen Fachkommissionen zusammenfasst und Handlungsempfehlungen ausspricht. Ich bin gespannt zu welchen Schlüssen wir und auch die anderen Fachkommissionen bis dahin kommen werden.

Weitere Links zum Thema:

Blog: Inhaltsklassifizierung aus europäischer Sicht

Blog: Initiative „sicher online gehen – Kinderschutz im Internet”

Blog: Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder

Blog: Interview mit Kurt Beck (Ministerpräsident Rheinland-Pfalz) über seine Sicht zu Jugendschutzprogrammen

Blog: Computerspiele: Eltern sollten Interesse zeigen und Regeln aufstellen

Blog: Rückblick auf 2011 aus Sicht des Jugendmedienschutzes

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