Weil das Thema Computerspielsucht immer wieder aufkommt, hier erneut ein paar Thesen zum Thema.
veröffentlicht von Martin Lorber am 04. April 2011

Grammy Awards erkennen Spiele als gleichwertiges Medium neben Film und TV an

Teilen auf:

Bei den diesjährigen Grammy Awards gewann mit dem Civilization IV Titelsong „Baba Yatu“ von Christopher Tin zum ersten Mal ein Computerspiel-Musikstück eine der Trophäen des wichtigsten Musikpreises der Welt. Der offizielle Civilization IV Soundtrack und das Stück selbst sind schon einige Jahre alt. Tins Werk wurde nur deshalb bei der Preisverleihung beachtet, weil der Komponist es auf einem seiner Alben erneut veröffentlicht hatte. Er gewann den Award für „Best Instrumental Arrangement Accompanying Vocalists“. Eine eigene Kategorie für Computerspielmusik gibt es bei den Grammys nicht. Wenn überhaupt, so wurden Videospiel-Soundtracks bisher für die Kategorie „Film, Television and Other Visual Media“ eingereicht.

Das soll sich jetzt ändern: Ab dem nächsten Jahr werden Spiele gleichwertig mit Film und TV genannt. Die Kategorie heißt dann: „Motion, Television, Video Game Music and Other Visual Media“. Videospiel-Musik hat also den Sprung zur Gleichberechtigung geschafft, heraus aus der Liste der ungenannten „Other Visual Media“. In der neu benannten Kategorie werden dann die drei folgenden Preise vergeben: Best Compilation Soundtrack for Visual Media, Best Score Soundtrack for Visual Media und Best Song Written For Visual Media.

Steve Schnur, Worldwide Executive Music bei Electronic Arts
Steve Schnur, Worldwide Executive Music bei Electronic Arts

Bill Freimuth, von der für den Grammy verantwortlichen National Academy of Recording Arts and Sciences, bezeichnet die Gleichstellung der drei Medien im Interview mit Industrygamers.com als ersten Schritt zur eigenen exklusiven Kategorie für Videospiel-Musik. Steve Schnur, Worldwide Executive Music bei Electronic Arts und Jury-Mitglied der Academy sieht Videospiele durch diese Maßnahme als gleichwertiges Medium neben Film und TV anerkannt. Die bisherige Kategorisierung war seiner Meinung nach nicht förderlich für einen fairen Wettbewerb, weshalb viele Spiele-Soundtracks auch gar nicht für die Awards eingereicht wurden. Für das nächste Jahr erwartet er hier eine deutlich höhere Zahl an Teilnehmern.

Eine schöne Entwicklung, wenn auch eine längst überfällige. Erst kürzlich habe ich hier im Blog darüber geschrieben, dass die Videospielindustrie höhere Umsätze erzielt als Kino, DVD oder Fernsehen. Zudem arbeiten auch bekannte Komponisten und Oscar-Preisträger wie Hans Zimmer (Modern Warfare 2) oder Michael Giacchino (Call of Duty) in der Spieleindustrie. Christopher Lennertz, Komponist des aktuellen Kinofilms Hop und der Spieleumsetzung Der Pate II, sieht Videospiel-Soundtracks entsprechend auf Augenhöhe mit Filmen: Seiner Meinung nach liefern Komponisten bei Spielen Arbeit auf höchstem Niveau. Wie beliebt solche Soundtracks sind, zeigen Projekten wie die Konzertreihe Tour de Japon von SquareEnix, bei der Stücke der Final Fantasy Serie von einem Symphonieorchester gespielt werden.

Als Musikhistoriker liegt mir das Thema Musik in Spielen besonders am Herzen. Ich finde ganz grundsätzlich die Frage interessant, wie man ein sinnvolles Stück Musik komponieren kann, von dem man noch gar nicht weiß, wie es sich konkret realisieren wird, weil ja der Spielablauf immer ein anderer ist. Spannende ästhetische Fragen tun sich hier auf.

Weitere Links zum Thema:

Web: Vergleich der alten und neuen Kategorie-Namen der Grammy Awards (grammy.org)

Web: Homepage von Christopher Tin (christophertin.com)

Blog: Videospiel- und Filmumsätze im Vergleich (spielkultur.ea.de)

 

Kommentare
  1. Pingback: 0147
  2. Pingback: Highlight

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *