veröffentlicht von Martin Lorber am 09. September 2013

Gib Gummi! – Das Genre der Rennspiele

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Das Auto ist der Deutschen liebstes Kind. So heißte es zumindest. Deshalb kann es eigentlich auch nicht verwundern, dass sich diese Zuneigung auch immer schon in den Computer- und Videospielen niederschlägt. Rennspiele nehmen in der digitalen Spielkultur schon seit ihren Anfängen eine zentrale Rolle ein.

Die Geschichte zeigt, dass die Menscheit schon immer von Geschwindigkeiten und dem damit verbundenen Wettkampf berauscht war und ist. Beim Ausleben dieser Leidenschaft wurden natürlich immer die gegebenen Möglichkeiten genutzt. Beispielhaft können hier die Wagenrennen im alten Rom herangezogen werden. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung konnten in der Neuzeit noch einmal in ganz andere Geschwindigkeitsdimensionen vorgestoßen werden. Und das Spektakel ist beliebt wie nie. Alleine die Rennserie Formel 1 begeistert Rennen für Rennen weltweit eine Vielzahl an Zuschauern.

Auch in der Pop-Kultur sind Rennen stark vertreten. Vor allem im Film liefern Wettkämpfe unter hohen Geschwindigkeiten regelmäßig spektakuläre Bilder. Von den Wagenrennen in „Ben Hur“ über die populären „Cannonball“-Filme aus den 70er Jahren oder jüngst die „Fast and the Furios“ Reihe. Autorennen oder Verfolgungsjagden gehören zu einem Film, der die Massen ansprechen soll fast schon zur Pflichtausstattung.

Natürlich macht das Genre auch nicht vor dem Medium Computer- und Videospiele halt. Rennspiele gehören seit jeher zu den klassischen Genres im Bereich Games. Schon in den 80er Jahren konnten die Spieler in den Hallen der Arcaden oder auf den ersten Heimcomputern Rennautos über die Straßen heizen. Spiele wie „OutRun“ oder der erste Teil der „Test Drive“ Reihe überzeugten mit für damalige Zeiten fortschrittlichen Grafiken und schneller, stimmungsvoller Musik.

Inzwischen lässt sich festhalten, dass sich das Genre seit seinen Anfängen stets weiterentwickelt und eine ganze Reihe von Sub-Genres hervorgebracht hat. Schon lange bieten Rennspiele bei Bedarf viel mehr als reine Wettrennen mit Computer- oder menschlichen Gegnern.

Natürlich gibt es immer noch die realitätsnahen Spiele, die eigentlich schon eher regelrechten Rennsimulationen gleichen und eine möglichst detailgetreue Abbildung der Wirklichkeit zeigen wollen. Ein schönes Beispiel ist hier die 1994 gestartete „Need for Speed“ Reihe, die ihren Fokus gerade zu Beginn noch sehr stark auf den Straßenrennen legte und mit einer bis dato nicht erreichten realistischen Fahrphysik faszinieren konnte. Doch auch in anderen Spielen konnten Rennsportfans ihren Idolen nacheifern. Gerne auch in Echtzeit und unter realistischen Bedingungen. Für fast alle größeren Rennserien gab oder gibt es aufwendige Rennsimulationen.

Mit der Zeit entwickelte sich in vielen Spielen um die Rennabschnitte herum eine Geschichte. Diese geben den Rennpassagen einen Rahmen und lassen den Spieler dank einer filmreifen Inszenierung tief in das Spielgeschehen eintauchen. Er ist quasi der Protagonist in seinem eigenen spektakulären Film. Dabei geht der Trend, wie in den neueren Titeln der „Need for Speed“ Reihe, immer mehr in Richtung einer offenen und frei befahrbaren Welt, bei der auf dem Weg zwischen den Rennen allerlei zu erleben ist.

In eine ganz andere Richtung gehen sogenannte Arcade-Racer oder auch Fun-Racer. Bei diesen Rennspielen steht weniger die Realitätsnähe oder die Glaubwürdigkeit der Spielwelt im Mittelpunkt, als der Spaß des Spielers. Dabei setzen die Spiele auf extreme Geschwindigkeiten, unrealistisches Fahrverhalten, Waffen und verschiedene Items zur Verbesserung des eigenen Fahrzeugs. Der wohl bekannteste und beliebteste Vertreter dieser Variante ist sicherlich Nintendos „Mario Kart“ Reihe. Hier treten die beliebten Figuren aus dem Mario-Universum auf den unterschiedlichsten Strecken gegeneinander an. Es wird mit Schildkrötenpanzern um sich geschossen, auf Bananenschalen ausgerutscht und sich gegenseitig in Abgründe geschubst. Die Vielzahl an Items und die interaktive Umgebung sorgt für eine Spieldynamik, wie sie herkömmliche Rennspiele kaum erreichen können. Haarscharfe Entscheidungen und spannende Endspurts sind die Folge. Ist man bei einem Renner mehrerer Spieler anwesend, so hört man für jeden Aufschrei der Freude eine mehr oder minder gesittete Unmutsäußerung.

Insgesamt lässt sich sagen, dass gerade Rennspiele stets eine Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten des Mediums Computer- und Videospiel inne hatten. Die Ausarbeitung besonders realistischer Grafiken und einer realitätsnahen Fahrphysik beispielsweise der Gran Turismo-Reihe hat sicherlich auch andere Genres vorangebracht. Somit liegt ihre Bedeutung nicht nur an der großen Anzahl von Spielern, die Tag für Tag digital über die Pisten heizen, sondern auch in den Innovationen, die dieses Genre stets hervorbringt. Das Aufkommend des Online-Multiplayers trug hier in den vergangenen Jahren natürlich stark zur Wiederbelebung bei.

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