veröffentlicht von Martin Lorber am 11. November 2012

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Das Adventure ist trotz seiner aktuellen Situation als Nischengenre sicherlich eines der bedeutendsten Genres der Computer- und Videospielgeschichte. Gerade in der Anfangszeit der Boomphase Ende der 1980er und Beginn der 1990er waren so genannte Point-and-Click-Adventures sehr beliebt und für die Verbreitung digitaler Spiele elementar. Noch heute verfallen Mittdreißiger bei Namen wie „Monkey Island“ oder „Day of the Tentacle“ in tiefe Verzückung. Dabei ist das Prinzip dieser Spiele so einfach wie simpel.

Es basiert auf dem Lösen von Rätseln. Um die Handlung voranzutreiben, muss der Spieler Gegenstände suchen, sie miteinander kombinieren und mit anderen Figuren interagieren. Hier ist die Handlung nicht auf ein bestimmtes Setting festgelegt, sondern besitzt eine große Bandbreite. Von vornehmlich komödiantischen Handlungen in teilweise sehr abgedrehten Welten, bis hin zur ernsthaften Simulationen von Polizeiarbeit in der realen Welt, ist hier fast alles vertreten. Die Spielmechanik ist so weit gefasst, dass den erzählten Geschichten kaum Grenzen gesetzt sind. Verwandte Genres, wie das Action-Adventure oder Rollenspiele, beinhalten ebenfalls Interaktionen mit anderen Figuren und auch das Lösen von Rätseln ist hier sehr wichtig, so dass die Zuordnung nicht immer einfach ist. Im Folgenden will ich mich allerdings mit den „klassischen“ Text- und Grafik-Adventures befassen.

In den 1970er Jahren war das Medium Spiel, aufgrund der technischen Leistungen der Plattformen, noch recht eingeschränkt in seinen Möglichkeiten. Grafische Darstellungen waren so gut wie nicht existent. Deshalb waren Text-Adventures, wie „Zork“ auch eher interaktive Geschichten, die ohne Bilder, dafür aber mit einer Menge Text daher kamen. Der Spieler brachte die Handlung durch die Eingabe von Befehlen, wie „Gehe nach Westen“ oder „Attackiere Troll mit Schwert“ voran. Das Spiel reagierte mit der Ausgabe von Text, der die neue Situation mehr oder weniger ausführlich beschrieb.

Mitte der 1980er machte das Genre durch die Einführung einer grafischen Oberfläche einen großen Schritt nach vorne. Die neuen grafischen Oberflächen stellten das Handlungsumfeld so dar, dass auf viel Text verzichtet werden konnte. Die Abenteuer der Spieleschmiede Sierra wie „Kings Quest“, „Space Quest“, „Police Quest“ oder die Abenteuer von Larry Laffer wurden zwar immer noch durch die Eingabe von Textbefehlen gesteuert – die grafische Darstellung der Spielwelt machte die Spiele allerdings deutlich zugänglicher. Wie auch die Text-Adventures, waren diese Spiele noch relativ schwer, da es manchmal schon daran haperte einen Befehl zu finden, den das Programm versteht. Dazu beinhalteten die ersten Spiele noch Sackgassen im Spielverlauf, die dafür sorgten, dass die Spielfigur sterben oder das Spiel nicht zu Ende gebracht werden kann.

Da dies die Spieler zunehmend frustrierte, ging LucasArts mit der eigens entwickelten SCUMM-Engine neue Wege. SCUMM (Script Creation Utility for Maniac Mansion) machte die Eingabe von Textbefehlen überflüssig, indem es einige wenige Befehle wie, „gehe zu“, „nimm“ oder „benutze“ vorgab, die einfach mit der Maus zu bedienen waren. Man wählte den Befehl per Mausklick aus und kombinierte ihn mit verschiedenen Gegenständen in der Welt oder dem eigenen Inventar. Der Begriff „Point-and-Click-Adventure“ beruht auf dieser Spielmechanik. Die Abenteuer von LucasArts überzeugten durch eine einfache Bedienung sowie lustige Geschichten und Charaktere. Spielereihen wie „Maniac Mansion“, „Monkey Island“ und „Sam & Max“ gelten neben den Spielen von Sierra noch heute als DIE Referenzgrößen des Genres und haben sich in das kollektive Spielergedächtnis eingebrannt. Das Prinzip war so erfolgreich, dass es sich bald zum Standard des Genres mauserte und auch andere Hersteller darauf eingingen.

Mitte der 1990er Jahre war die Hochzeit des Genres erreicht. Zu dieser Zeit läuteten immer leistungsfähigere Spieleplattformen auch den Niedergang langsam ein. Die stark von Text dominierten Adventures verloren gegenüber (für damalige Verhältnisse) grafisch opulenten Werken, wie „Rebel Assault“ und Shootern wie „Doom“, immer mehr an Bedeutung. Der Zenit war überschritten. Neue Spiele wie „Monkey Island 4“ oder „Grim Fandango“ wurden von der Presse zwar hoch gelobt, der wirtschaftliche Erfolg blieb allerdings aus. Versuche der Entwickler, diesem Trend entgegenzuwirken, blieben ohne Erfolg. Die Einführung von 3D-Grafiken von den Spielern sogar eher negativ aufgenommen. Auch „Toonstruck“ schaffte es nicht die Vorschusslorbeeren wirtschaftlich zu nutzen. Die Idee den Schauspieler Christopher Llyod (bekannt aus „Zurück in die Zukunft“)als Protagonisten in eine gezeichnete Welt einzubinden, wird trotzdem noch heute gelobt.

Der Niedergang des Genres setzte sich fort und auf dem heutigen Massenmarkt sind Adventures seitdem so gut wie nicht existent. Der ehemalige Branchenprimus fristet sein Dasein inzwischen als Nischenprodukt. Doch gerade in Deutschland erfreuen sich Adventures alter Schule wieder einer relativ großen Beliebtheit. Spiele wie „Harveys neue Augen“, „Edna bricht aus“ und „The Whispered World“ haben nicht nur viele Preise eingeheimst, sondern waren auch wirtschaftlich rentabel für die Entwickler. Auch Telltale Games schafft es mit seinen in kurzen Episoden veröffentlichten Fortsetzungen der „Monkey Island“ und „Sam & Max“-Reihe sowie der Umsetzung der erfolgreichen Serie „The Walking Dead“, ein ausreichend großes Publikum zu erreichen.

Das Genre hat schon alle Höhen und Tiefen durchlebt. Vom Branchenprimus über ein totgesagtes Genre bis hin zum erfolgreichen Nischenprodukt für Liebhaber. Dabei zeigt sich, dass sich Adventures hervorragend zum Erzählen spannender oder schöner Geschichten eignen. Es bietet eine gute Mischung aus Interaktivität und geleitetem Handlungsfortschritt. Und dies Abseits bombastischer Inszenierungen. Wer es also lieber ruhig mag ist hier sehr gut aufgehoben.

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Kommentare
  1. Peter sagt:

    danke für den Beitrag. Habe noch beste Erinnerungen an das Adventure Aztec Tomb auf dem C64, wochenlang gespielt und oft festgehangen. Bei youtube kann man jetzt einen Film schauen, wie es in 8 Minuten durchgespielt wird…

  2. Torentur sagt:

    Das Genre hat wirklich schon viele höhen und tiefen erlebt, eines der Höhen war für mich definitiv Alundra für die PS1 😀

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