veröffentlicht von Martin Lorber am 10. Oktober 2012

Computerspiele und Literatur: Vom Roman bis zum Sachbuch (Teil 2)

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Anders als bei fiktionalen Spieleromanen ist das Angebot von Fachliteratur zu Computerspielen riesig. Von absurd bunt aufbereiteten Game-Fakten wie in „1000 Game Heroes“, das größtenteils aus Bildern besteht, bis hin zu in Deutschland nur noch schwer erhältlichen philosophischen Betrachtungen reicht die Palette.

Dabei lässt sich die Fachliteratur grob in zwei große Gebiete aufteilen: historisch-faktische und theoretisch-wissenschaftliche. Aus ersterem Gebiet stammt das Kultbuch vom Journalisten Steven L. Kent. „The Ultimate History Of Videogames“ bietet über 600 Seiten, gefüllt mit Geschichten und Anekdoten zu wichtigen Titeln aus der Geschichte der Computer- und Videospiele. Immer wieder wurde kritisiert, das Buch zeige für seinen Umfang zu wenige Bilder. Daran sieht man: Videospiele sind in der allgemeinen Wahrnehmung hauptsächlich ein visuelles Thema. Allgemein sei an dieser Stelle noch der Hinweis gestattet, dass die von Steven L. Kent gewählte Sprache keine Ausnahme bei fachlichen Büchern mit popartiger Aufmachung ist: Die meisten existieren nur in englischer Sprache. Ein Indiz dafür, dass sich der fachliche Spiele-Aspekt in Deutschland leider noch immer unterrepräsentiert zeigt.

In english, please!

Wer allerdings Spaß daran hat, solche Bücher in englischer Sprache zu lesen, wird mit Werken wie „Trigger Happy“ von Steven Poole nicht nur gut unterhalten, er lernt auch die in Spielen zu findenden philosophischen Ansätze kennen. Warum empfinden wir was beim Spielen? Derlei Fragen beantwortet das Werk ausführlich. Teilweise derart plastisch, dass dem Leser beim nächsten Spiel sprichwörtlich ein Licht aufgeht.

Ein weiteres Buch, das historisch interessierte Spieler und Leser notieren sollten, ist „Supercade“ der amerikanischen Journalistin Van Burnham. Schon der Untertitel „A Visual History of the Videogame Age 1971-1984“ verrät, wohin die literarische Reise geht. Van Burnham beleuchtet in ihrem Buch die Urzeit der Videospiele ab dem Jahr 1971. Statt um Tomb Raider, FIFA oder Resident Evil geht es auf 444 Seiten um Pong, Pac-Man, Asteroids oder Zaxxon. Das Buch konnte sich in den letzten Jahren den Ruf eines Standardwerkes erarbeiten und wird entsprechend oft zitiert.

Theorien aus der Praxis

Im theoretisch-wissenschaftlichen Bereich tut sich in Deutschland in letzter Zeit einiges. Als exemplarischen Vertreter dieser Literatur-Gattung sei der Sammelband „Contact · Conflict · Combat: Zur Tradition des Konfliktes in digitalen Spielen“ von dem Herausgeber-Duo Dr. Rudolf Inderst und Peter Just genannt. Ich hatte in einem früheren „Lesenswert“ bereits darauf hingewiesen und es ist noch immer genau das: lesenswert. 16 Autoren widmen sich auf 274 Seiten den verschiedenen Konfliktarten in digitalen Spielen. Im Sammelband kommen nicht nur militärische Konflikte zur Sprache, sondern auch moralische und ethische. Diese werden anhand narrativer und oder inszenatorischer Szenen abgearbeitet. Anhand von Spielen wie Call of Duty, Bioshock oder Half-Life entstehen lesenswerte Thesen und Studien. Den Autoren ist anzumerken, dass sie allesamt aus der Praxis stammen und ihre Beiträge nicht aufgrund theoretischer Erfahrungen schrieben. An einem weiteren interessanten und sehr neuem Werk wirkte auch „Wir waren Space Invaders“-Autor Matthias Mertens mit. Diesmal als Herausgeber. In „flow aus spielen: Optimale Erfahrungen durch Computerspiele“ widmet sich Anne-Kristin Langner dem Thema, wann aus subjektiven Spielerfahrungen relevante Diskussionsgrundlagen für den Alltag werden.

Ich hoffe, dass ich Ihnen in dieser zweiteiligen Beitragsreihe anhand einiger Beispiele zeigen konnte, wie spannend und facettenreich Literatur zu Computerspielen bereits heute ist. Stöbern Sie doch einmal selbst in der Welt der Literatur nach spielethematisch relevanten Büchern. Über weitere Tipps würde auch ich mich freuen.

Weiterführende Links:

Game-Literatur: Vom Roman bis zum Sachbuch (Teil 1)

Verspielte Literatur: Vom Buch zum Videogame, vom Autor zum Schöpfer von Spielwelten

Kommentare
  1. Peter sagt:

    Hallo und danke für die interessanten Tipps. Die ersten beiden Titel kenn ich, die anderen noch nicht. Übrigens auch noch ein gutes Buch ist: „1001 Video Games you must play before you die“ von Tony Mott. Sind zwar Klassiker wie Summer Games oder Pitfall nicht aufgeführt, aber dafür viele, viele andere Spiele von den 70ern bis 2010 jeweils kurz, aber liebevoll und mit Sachkenntniss beschrieben.

    1. Martin sagt:

      Vielen herzlichen Dank für die Empfehlung! Ich werde mir das Buch von Tony Mott einmal besorgen.

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